Kunst mit Statement
What Now? Sue Williams zeigt Wien, wo es langgeht

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 10.03.2026

Die bislang größte Retrospektive der US-Feministin im Belvedere 21 ist wütend, witzig und erschreckend aktuell.

1954 in Chicago Heights geborene Künstlerin hat die Leinwand seit den späten 1980er-Jahren in eine Waffe verwandelt – gegen patriarchale Strukturen, sexualisierte Gewalt und einen Kunstbetrieb, der Frauen lange genug ignoriert hat. Jetzt widmet ihr das Belvedere 21 die umfassendste Werkschau ihres Lebens: über 100 Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Skulpturen, entstanden über vier Jahrzehnte hinweg.

Schmerz mit Schlagkraft

Williams wurde Anfang der 1990er-Jahre mit Bildern bekannt, die kaum jemand so schnell vergisst. Szenen alltäglicher Gewalt gegen Frauen, kombiniert mit lakonischen, sarkastischen Texten – brutal direkt und dennoch von bitterer Ironie durchzogen. Werke, die gleichzeitig anklagen und die Mechanismen des Verschweigens bloßlegen. Kein Trost, kein Wegsehen. Nur Wahrheit, roh serviert.

Sue Williams
Ausstellungsansicht Sue Williams. "What Now", Belvedere 21 ©Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Vom Körper zur großen Politik

Ab Mitte der 1990er-Jahre veränderte Williams ihre Bildsprache: Texte traten zurück, Körperfragmente lösten sich ins Abstrakte auf, und großformatige, gestisch-expressive Kompositionen entstanden. Was zunächst wie ein Schritt weg vom Politischen wirkt, ist es nicht – im Gegenteil. Ob sie den "War on Terror" verarbeitete, globale Krisen mit persönlichen Verlusten verknüpfte oder in jüngsten Werken traumähnliche Figurationen auf ungrundierten Leinwänden schuf: Williams ließ nie los.

Sue Williams
Sue Williams, Flesh House, 1995 ©Sue Williams. Courtesy 303 Gallery, New York

Dringlichkeit, die ins Mark geht

Der Ausstellungstitel "What Now" ist kein Fragezeichen der Ratlosigkeit, sondern ein Aufschrei. Gerade in einer Zeit, in der feministische Errungenschaften weltweit unter Druck stehen, trifft diese Retrospektive ins Mark. Das Belvedere 21 zeigt sie bis 7. Juni 2026. Und tut damit genau das, wofür Museen da sein sollten: unbequeme Stimmen sichtbar machen.

Sue Williams. What Now
Belvedere 21, Wien
bis 7. Juni 2026
www.belvedere.at

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Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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