Messeauftritt nach Corona: Einfach wieder anknüpfen?

| Redaktion 
| 20.03.2023

Nachdem von Seiten der Politik beinahe alle Schutzmaßnahmen und Einschränkungen aufgehoben wurden, stehen im Jahr 2023 wieder viele Messeauftritte an.


Doch Unternehmen fragen sich, ob und wie man einfach wieder anknüpfen kann? Ist es sinnvoll und zielführend, die Konzepte von 2019 und zuvor weiter zu übernehmen oder gilt es neue Wege zu gehen? Wir haben die aktuellen Meinungen von Unternehmen eingeholt und schauen, in welchen Bereichen es zu Veränderungen kommen wird und kann.

Wie sehr Corona die Messewirtschaft traf und ein Ausblick auf die Zukunft
Mit Beginn der Corona-Pandemie brach die Messewirtschaft fast vollständig ein. Selbst als die ersten Lockerungen kamen, waren die Auflagen für viele Aussteller und auch für viele Messebetreiber einfach zu hoch. Doch wie schaut es aktuell aus, wo praktisch alle Vorgaben entfallen sind? Leider ist und bleibt der Ausblick nicht gut. Schaut man allein auf den wichtigsten Messe-Standort Europas, auf Deutschland, zeigt sich ein ungewöhnlich hohes Messe-Sterben. Wie die Wirtschaftswoche berichtete, sind viele Messen still und leise gestorben und wurden in andere, größere Messen integriert. Es kommt somit zu einer Ballung von Inhalten an wenigen Terminen. Ein Grund dafür dürfte der noch immer dramatische Rückgang an Besuchern sein. Die meisten Messen können froh sein, wenn der Rückgang der Besucherzahlen gerade einmal 20 Prozent betrage, so Stephen Kurzawski, Verantwortlicher für die Konsumgüterveranstaltungen am Messestandort Frankfurt.

Experten gehen davon aus, dass erst im Jahr 2024 ein regulärer Messebetrieb mit erwarteter Besucherstärke wieder realisierbar sein werde. Viel hängt dabei allerdings auch von der Politik und der Kommunikation ab. Denn noch sind viele Menschen mehr als vorsichtig und scheuen große Menschenansammlungen und Veranstaltungen in Innenräumen. Doch für Unternehmen bieten Messen als Präsenzveranstaltungen natürlich einige erhebliche Vorteile. Schauen wir uns diese einmal genauer an.

Vorteile von Präsenzveranstaltungen im Überblick
Schauen wir uns einmal näher an, welche Vorteile durch Messeveranstaltungen zu erwarten sind und ob sich in diesen Vorteilen etwas durch die Pandemie verändert hat. Denn die Vorteile sind, soweit überblickbar, noch immer deutlich vorhanden.

Individuelle Kundenbindung über hochwertige Give-aways
Die intensive Kundenbindung ist das Ziel eines jeden Unternehmens bei einer Messe. Sich als Unternehmen mit seinen Produkten und Dienstleistungen zu präsentieren, ist dabei die eine Sache. Auf der anderen Seite möchte und muss man allerdings auch im Gedächtnis bleiben. Bei einer großen Messe mit vielen Ausstellern ist dies eine echte Herausforderung. Aus diesem Grund müssen hier viele Punkte perfekt ineinandergreifen. Zum einen natürlich der Messestand selbst, welcher das Unternehmen optimal repräsentieren muss. Doch besonders wichtig und hilfreich sind hier passende Give-aways, welche den Kunden weit über die Dauer der Messe hinaus an das Unternehmen erinnern. Die Funktionalität und der Mehrwert für den Kunden müssen dabei immer im Mittelpunkt stehen. Doch die Auswahl guter Give-aways sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Eine gute, branchenspezifische Planung kann hier den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Persönlicher Kontakt und Handshake-Mentalität
Viele Menschen bauen Vertrauen weniger zu Marken, als zu deren Botschaftern auf. Gute Markenbotschafter können auf Messen die Kaufentscheidungen von Kunden spürbar aktiv beeinflussen und somit die Verkaufszahlen maßgeblich kontrollieren. Der persönliche Auftritt und vor allem auch die Handshake-Mentalität auf vielen Messen sorgen dafür, dass Unternehmen durch Messen die eigene Wirtschaftlichkeit deutlich steigern können. Werden die auf der Messe geknüpften Kontakte im direkten Anschluss sauber nachgearbeitet, können sehr schnell belastbare Geschäftsbeziehungen entstehen, von denen Unternehmen auch langfristig spürbar profitieren.

Produkte und Dienstleistungen erfahrbar machen
Komplizierte Produkte oder komplexe Dienstleistungen lassen sich nicht immer gut verschriftlichen. Selbst Videos können nur zum Teil dazu beitragen, diese für Kunden und mögliche Geschäftspartner interessanter zu gestalten. Denn es fehlt an Interaktivität und der Möglichkeit zu Nachfragen. Hier punkten Messen in Präsenz besonders gut, da man viele der Produkte und Dienstleistungen erfahrbar für den Kunden darstellen kann. Dieser kann im Optimalfall das Produkt selbst in die Hand nehmen und es be"greifen". Diese geringeren Hürden in der Zugänglichkeit sind natürlich besonders verkaufsfördernd und wirken sich nicht unerheblich auf den Verkaufserfolg eines Unternehmens aus. Daher ist es wichtig und richtig für viele Branchen, Messen wieder stärker in den Fokus zu rücken und sich auf diese zu konzentrieren.

Nicht alle Unternehmen wollen zum Standard von 2019 zurück
Viele Unternehmen sehen die Rückkehr der Messen jedoch mit gemischten Gefühlen entgegen. Meist aufgrund der Erfahrungen, welche mit den ersten Messen seit Corona einhergingen. Zum einen ist und bleibt das Infektionsrisiko bei einer Messe noch immer recht hoch. Auch unabhängig von Corona steigen die Zahlen der Krankschreibungen nach Messe-Events weiterhin deutlich an. Das kann also auch bedeuten, dass wichtige Fachkräfte im regulären Arbeitsbetrieb ausfallen und die Aufarbeitung der Messe und die wichtigen Kontaktsicherungen erst mit Verspätung erfolgen. Aus diesem Grund gehen einige Unternehmen dazu über, nicht mehr ausschließlich auf Messen in Präsenz zu setzen, sondern die, in Corona-Zeiten etablierten Lösungen, weiterhin anzubieten und zu nutzen. Unter anderem kann die geschaffene Infrastruktur für virtuelle Messen beibehalten werden.

Hybride Angebote, um alle Kunden abzuholen
Während die meisten Fachmessen wieder vollständig in die Präsenz zurückkehren, sind viele Händler im B2C - Segment noch zurückhaltender. Schaut man sich die Stimmung in der Bevölkerung und in den sozialen Netzwerken an, wird ein nicht unerheblicher Teil an Kunden nicht ohne weitere Schutzkonzepte wieder Messen besuchen. Doch solche Konzepte sind in den aktuellen politischen Zuständen kaum durchsetzbar. Daher sind viele Unternehmen gerne bereit, diese Kunden durch erweiterte digitale Angebote dennoch zu erreichen. Da die dafür notwendigen Strukturen im Rahmen der Pandemie bereits angeschafft und etabliert wurden, bleiben die Kosten überschaubar. Wenn man diese gegen die möglichen Gewinne durch den Zugewinn von neuen Kunden gegenrechnet, rentiert sich ein solches Konzept der digitalen Messen für viele Unternehmen. Dies wird vor allem am Messe-Standort Österreich enorm wichtig, um mehr als nur die lokalen Kunden zu erreichen. Denn der nahe Messe-Standort Deutschland ist als Konkurrenz einfach zu groß. Durch die digitalen Möglichkeiten haben viele Unternehmen in Österreich deutlich an Reichweite gewonnen und konnten in Zeiten der Pandemie sogar Gewinne erwirtschaften.

Neu geschaffene Strukturen weiterhin nutzen
Die meisten Unternehmen waren während der Pandemie nicht untätig, sondern haben sich selbst in ihren Branchen organisiert und virtuelle Messen entworfen oder die Teilnahme an solchen Messen geplant. Dafür wurde eine Infrastruktur geschaffen, welche jetzt in der Theorie brach liegen könnte. Doch das verkäuferische Potenzial dieser Messen hat deutlich gezeigt, dass es sich für viele Branchen rentieren kann, sich dieses Standbein ebenfalls zu erhalten. Daher wollen viele Unternehmen die damals getätigten Investitionen weiterhin für sich nutzbar machen und auch virtuell mit Messeauftritten begeistern. Diese können beispielsweise parallel zu den Messen in Präsenz ablaufen und somit einen noch größeren Fokus auf Unternehmen und Angebote richten.

Fazit: Moderne Unternehmen bleiben vielfältig aufgestellt
Es zeigt sich also deutlich, dass Unternehmen auch in Zukunft von vielen Messen weiterhin profitieren werden. Dennoch werden viele Branchen oder auch einzelne Unternehmen nicht einfach wieder an die Zeit von 2019 anschließen und zum gewohnten Standard zurückkehren. Die neuen Vertriebsmöglichkeiten über das Internet und über eigene virtuelle Messen haben den potenziellen Kundenstamm so stark vergrößert, dass Unternehmen von der neuen Diversifizierung profitieren können. Daher werden Unternehmen viel häufiger mehrgleisig fahren und - ähnlich wie beim Marketing - die verschiedenen Kanäle zu bedienen wissen. Viele Arbeiten können in der Vorbereitung sogar für virtuelle und echte Messen gleichermaßen gemeinsam geleistet werden, was den Bedarf an Arbeitskraft und Arbeitszeit für diese Doppelbelastung nochmals reduziert. Moderne Unternehmen werden also in der heutigen Zeit nicht einfach dort wieder anknüpfen, wo man aufgehört hat, sondern werden ganz gezielt versuchen, die eigenen Stärken sowohl in Präsenz als auch in virtuellen Messen zu präsentieren. Denn eine Diversifizierung der Anlaufstellen und somit auch der Kontaktmöglichkeiten sorgt für ein breiter aufgestelltes Publikum und langfristig somit auch für mehr Kundschaft.

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