Start-up will mit 258 Millionen Euro den Traum vom Solar-Auto wahr machen

Das deutsche Jungunternehmen Sono will mittels Crowdfunding 2022 das erste serienmäßige, durch Sonnenenergie betriebene Fahrzeug auf den Markt bringen.

Das Start-up Sono Motors konnte soeben via Crowdfunding-Kampagne 53 Millionen Euro für den Bau von "Sion", dem ersten solarbetriebenen Elektroauto der Welt, lukrieren. Diese beachtliche Summe – zehn Millionen stammen von bestehenden Investoren – sichern das weitere Fortbestehen der jungen Elektroauto-Firma. Sono Motors' Vision, ein Auto auf den Markt zu bringen, dessen Batterie sich teilweise durch Solar-Panele auf dem Blech aufladen lässt, ist nicht erst im Zeitalter des neuen Umweltbewusstseins attraktiv – und der Weg, die Produktion über die Crowd (also vor allem durch Vorbestellungen, ergo fixe Abnehmer) zu finanzieren, ebenso.

Die beeindruckende Summe konnte das Münchner Start-up in nur 50 Tagen zusammentragen, und sie setzt sich wie folgt zusammen: 75 Prozent kommen von Reservierern des "Solar Electric Vehicle Sion", 19 Prozent über bereits investierte und neue Investoren sowie rund 6 Prozent über Darlehen und Spenden. "13.000 Reservierungen liegen uns insgesamt vor. Eine Reservierung ist ab 500 Euro Anzahlung möglich", heißt es seitens Sono Motors. "Während der Kampagne sind 3.312 Neu-Reservierungen hinzugekommen. 5.261 Personen haben ihre Anzahlung auf ihre bestehende Sion-Reservierung aufgestockt. Während der Kampagne haben 866 Personen einen Sion vollständig angezahlt."

Start für 2020 geplant

Der "Sion" soll 2022 vom Band laufen, die Produktion des Elektroautos mit Solarpaneelen will Sono Motors im Werk von National Electric Vehicle Sweden (NEVS) in Trollhättan starten. All jene Funder, die das Auto bereits teilweise oder voll bezahlt haben, müssen demnach noch mindestens zwei Jahre auf ihr neues "Sonnenauto" warten müssen. Unklar ist indes immer noch, ob die Serienproduktion überhaupt beginnen kann. Denn die frisch eingesammelten 53 Millionen Euro sind zwar ein mehr als respektabler Start, aber noch lange nicht ausreichend, um eine Fließbandproduktion zu ermöglichen.

Für eine gesicherte Serienproduktion benötigt Sono Motors noch ein Vielfaches dieser Summe – de facto nämlich weitere 205 Millionen Euro: "Die Mittel aus der Kampagne fließen jetzt in Produktionsaufbau und den Bau von Serienprototypen", heißt es seitens Sono Motors. Dass es noch zusätzlichen Kapitalbedarf gibt, findet man auf der Seite zur finanziellen Transparenz des Unternehmens.

"Wir planen Sono Motors auch nach der Community-Funding Kampagne weiterhin durch die Community zu finanzieren, ergänzt um Investoren, die die nachhaltige Vision Sono Motors teilen und den Sion in Europa auf die Straße bringen wollen", so eine Unternehmenssprecherin. „Wir sind weiterhin mit Investoren in guten Gesprächen und sind sehr zuversichtlich, dass auch die kommenden Finanzierungsrunden erfolgreich verlaufen werden." Bedeutet unterm Strich: Es muss in den nächsten Jahren noch weitere und größere Finanzierungsrunden geben – und die Crowd wird noch mehr einzahlen müssen als bisher.

Was das Auto verspricht, und was es halten können wird

Ebenso unsicher wie die Serienfähigkeit des "Sion" sind seine Spezifikationen und Fahreigenschaften: wie sich das sonnenbetriebene Auto in der Praxis fahren wird (die Solar-Paneele sollen bei entsprechender Witterung für bis zu 34 Kilometer Reichweite täglich sorgen können), das werden die meisten Käufer und Funder erst in mehreren Jahren erfahren und bewerten können, denn erst müssen Serienprototypen gefertigt werden. 

Einen ersten Aus- und Einblick auf bzw. in den "Sion" gibt ein Video, welches Sono Motors für die Crowdfunding-Kampagne veröffentlicht hat. Optisch erinnert das Solar-Auto an den BMW i3 und wird – wie auch der i3 – dezidiert als familientaugliches Fahrzeug positioniert. Laut Sono Motors basiert der Sion aber nicht auf dem deutschen Elektroauto.

Solar-Auto aus "Übernahmeteilen"

Seitens Sono Motors heißt es, dass man für das Solar-Elektroauto mit sogenannten "Übernahmeteilen" arbeite. "Das bedeutet, dass wir von unseren Partnern und Zulieferern Teile zukaufen, die von uns nicht selbst entwickelt werden müssen – beispielsweise den E-Motor des Fahrzeugs, der von Continental stammt. Einige Fahrzeugkomponenten des Sion können deshalb auch in anderen Fahrzeugen verbaut sein."

Der "Sion" spricht vor allem jene Menschen an, die sich eine nachhaltigere Mobilität wünschen. Doch wie nachhaltig ist der Sion überhaupt? Gerade wenn es um den Akku geht, wird das Start-up Abstriche machen müssen. "Wir beziehen unsere Akkus von ElringKlinger mit Sitz in der Nähe von Stuttgart. Leider gibt es in Europa noch keine Produktion von Batteriezellen, sodass diese noch immer aus Asien zugekauft werden müssen", sagt eine Unternehmenssprecherin. "Korrekt ist, dass Lithium und Kobalt, die auch in Elektroauto-Batterien enthalten sind, oft unter Bedingungen abgebaut werden, die Mensch und Umwelt schaden. Die Lieferketten sind in der Regel leider sehr intransparent, sodass wir in einem ersten Schritt im Rahmen einer Umfrage unter unseren Partnern versuchen, die Transparenz zu erhöhen, um im zweiten Schritt konkrete Maßnahmen ergreifen zu können. Alle unsere Produkte und unternehmerischen Schritte sind darauf ausgerichtet, die Umwelt zu schonen", betont das Start-up. (red)

www.sonomotors.com

"Lade ihn zusätzlich mit der Sonne. Teile ihn mit anderen. Oder nutze ihn als mobilen Energiespeicher. Ein Solar-Elektroauto für 25.500€. Familienfreundlich & einfach zu bedienen. ": so wirbt Sono für seine Vision des "Sion".

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