IHS-Ökonom hat analysiert
Hitzewellen kosten Österreichs Wirtschaft Milliarden

Laut einer Analyse von IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß könnten die volkswirtschaftlichen Kosten aufgrund von Hitze innerhalb von drei Jahren enorm anwachsen. Bau, Landwirtschaft und Industrie sind besonders betroffen.

Sommerliche Hitzewellen beeinträchtigen zunehmend die Leistungsfähigkeit von Beschäftigten und wirken sich damit auch auf die Wirtschaftsleistung aus. Darauf weist IHS-Ökonom Klaus Weyerstraß, der an der WU Wien lehrt, in einer aktuellen Analyse hin.

"Je stärker Menschen Hitze ausgesetzt sind, desto mehr lässt ihre Leistungsfähigkeit nach", erklärt der Ökonom in seiner Analyse, die auf der Homepage der WU Wien veröffentlicht wurde. Hohe Temperaturen erschwerten insbesondere körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten und beeinträchtigten zugleich Konzentration und Leistungsfähigkeit.

Bau, Landwirtschaft und Industrie besonders betroffen

Wie stark sich Hitze auf die Produktivität auswirke, hänge sowohl von der Intensität der Temperaturen als auch von der jeweiligen Tätigkeit ab. Besonders betroffen seien Beschäftigte am Bau sowie in der Landwirtschaft, die häufig körperlich anstrengende Arbeiten im Freien verrichten würden. Auch die Industrie bekomme die Auswirkungen zu spüren.

Bei Büroarbeitsplätzen falle der Effekt zwar geringer aus, dennoch komme es auch dort zu Produktivitätseinbußen. Als Gründe nennt Weyerstraß unter anderem schlechteren Schlaf und nachlassende Konzentration an heißen Tagen.

Auswirkungen reichen weit über einzelne Branchen hinaus

Die wirtschaftlichen Folgen beschränkten sich laut dem IHS-Ökonomen nicht auf unmittelbar betroffene Bereiche. Produktionsrückgänge würden sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette fortsetzen.

"Ein großer Teil der wirtschaftlichen Kosten von Hitze entsteht indirekt – über Lieferketten, Einkommen und Nachfrageeffekte", so Weyerstraß. Wenn etwa auf Baustellen weniger gearbeitet werde, sinke auch die Nachfrage nach Vorleistungen wie Zement oder Metall. Modellrechnungen würden zeigen, dass sich die ursprünglichen Verluste durch diese Folgewirkungen zusätzlich verstärken können.

Bis zu sechs Milliarden Euro in drei Jahren

Den Modellrechnungen zufolge könnte die österreichische Wirtschaftsleistung in einem Szenario mit deutlich steigenden Temperaturen bereits innerhalb weniger Jahre spürbar zurückgehen. Im dritten Jahr läge das reale Bruttoinlandsprodukt um rund 0,7 Prozent beziehungsweise knapp drei Milliarden Euro unter einem Vergleichsszenario ohne zusätzliche Hitzebelastung. Über einen Zeitraum von drei Jahren würden sich die Verluste auf rund sechs Milliarden Euro summieren.

"Diese Zahlen sind eher konservativ", betont Weyerstraß. Viele Auswirkungen der Hitze – etwa auf Gesundheit oder Infrastruktur – seien in den Berechnungen noch gar nicht berücksichtigt worden. Gleichzeitig seien mögliche Anpassungsmaßnahmen, etwa eine Verlagerung der Arbeitszeiten in die Morgen- und Abendstunden, ebenfalls nicht eingerechnet.

Anpassung gewinnt an Bedeutung

Neben Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels werde daher auch die Anpassung an steigende Temperaturen immer wichtiger, so der Wirtschaftsforscher. "Wir werden lernen müssen, mit Hitze produktiv umzugehen."

Als mögliche Maßnahmen nennt Weyerstraß flexiblere Arbeitszeiten, Kühl- und Belüftungssysteme sowie ausreichend Schatten- und Erholungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz. Diese könnten dazu beitragen, die negativen Auswirkungen von Hitzewellen auf Beschäftigte und Wirtschaft zu verringern.

www.ihs.ac.at

www.wu.ac.at
 

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