Die österreichische Unternehmenslandschaft hat in den ersten drei Quartalen 2026 erheblich an Gründungsdynamik eingebüßt. Laut einer aktuellen Auswertung von Dun & Bradstreet entstanden zwischen Jänner und September insgesamt 11.613 neue Unternehmen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 17.095 gewesen. Der Rückgang um 32,1 Prozent bedeutet zugleich den niedrigsten Wert für die ersten neun Monate eines Jahres seit 2021.
Bei den Firmenpleiten zeichnet sich hingegen eine leichte Entspannung ab. Mit 2.834 registrierten Insolvenzen lag die Zahl um 2,4 Prozent unter dem Vorjahreswert von 2.903 Verfahren. Nach vier Jahren mit steigenden Insolvenzzahlen ist damit erstmals wieder ein Rückgang zu beobachten. Von einer nachhaltigen Verbesserung kann allerdings noch keine Rede sein, denn gegenüber 2022 liegt die Zahl weiterhin um 66 Prozent höher.
Für 2026 werden rund 15.500 Neugründungen erwartet
Im Durchschnitt mussten in den ersten neun Monaten täglich etwa zehn Unternehmen Insolvenz anmelden. Vier Jahre zuvor waren es noch rund sechs gewesen. Sollte sich die bisherige Entwicklung bis Jahresende fortsetzen, wäre für 2026 mit ungefähr 3.800 Insolvenzen zu rechnen. Damit würde die Zahl knapp unter dem Vorjahreshöchststand von 3.897 Verfahren bleiben.
Wesentlich deutlicher zeigt sich die Veränderung bei den Unternehmensgründungen. Auf Basis der bisherigen Zahlen prognostiziert Dun & Bradstreet für das Gesamtjahr rund 15.500 neue Firmen. Im Rekordjahr 2025 waren noch 23.320 Unternehmen gegründet worden. Auch das Verhältnis zwischen Neugründungen und Insolvenzen hat sich verschlechtert: Während 2025 auf eine Insolvenz noch 5,9 Gründungen entfielen, sind es heuer lediglich 4,1.
Dirk Radetzki, Senior Vice President Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet, bewertet die rückläufigen Insolvenzzahlen vorsichtig: "Dass die Zahl der Insolvenzen erstmals seit vier Jahren sinkt, ist ein ermutigendes Signal. Von einer Erholung zu sprechen, wäre aber verfrüht."
Die Entwicklung deute seiner Einschätzung nach eher auf eine Stabilisierung als auf eine grundlegende wirtschaftliche Trendwende hin. Insbesondere die schwache Gründungsaktivität verdeutliche, wie sehr die gegenwärtige Unsicherheit unternehmerische Entscheidungen beeinflusse. Gestiegene Finanzierungskosten, eine zurückhaltende Konsumnachfrage und ungewisse Konjunkturaussichten würden dazu führen, dass potenzielle Gründer:innen ihre Vorhaben verschieben.
Radetzki sieht jedoch auch Chancen für eine Verbesserung: "Die gute Nachricht: Sobald das Vertrauen zurückkehrt, kann sich das Gründungsgeschehen vergleichsweise schnell erholen."
Langjährig bestehende Unternehmen in Schwierigkeiten
Die Auswertung der Insolvenzen nach Unternehmensalter zeigt, dass sich die Betroffenheit zwischen den einzelnen Altersgruppen deutlich verschoben hat. Besonders stark nahm die Zahl der Verfahren bei Betrieben zu, die bereits seit mehreren Jahrzehnten bestehen.
So wurden bei Unternehmen mit einer Marktpräsenz von 26 bis 50 Jahren insgesamt 354 Insolvenzen registriert. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 155 gewesen, was einem Anstieg von 128,4 Prozent entspricht. Auch in der Gruppe der 16 bis 25 Jahre alten Unternehmen erhöhte sich die Zahl erheblich, nämlich um 76,5 Prozent von 238 auf 420 Fälle.
Anders verlief die Entwicklung bei Betrieben, die seit drei bis zehn Jahren am Markt tätig sind. In der Altersgruppe von drei bis fünf Jahren sank die Zahl der Insolvenzen um 27,4 Prozent auf 621, bei sechs bis zehn Jahre alten Unternehmen um 26,2 Prozent auf 629.
Bei besonders jungen Firmen mit einem Bestehen von maximal zwei Jahren wurden hingegen 497 Verfahren gezählt, ein Plus von 7,3 Prozent. Unternehmen, die bereits seit mehr als 51 Jahren bestehen, verzeichneten mit 32 Insolvenzen einen Rückgang von 25,6 Prozent.
"Auffällig ist, dass es zunehmend Unternehmen trifft, die schon lange am Markt sind", so Radetzki.
Zahlreiche etablierte Betriebe hätten die wirtschaftlichen Belastungen der vergangenen Jahre zunächst gut bewältigt. Allerdings könnten sich steigende Kosten, Veränderungen im Kaufverhalten und eine nachlassende Nachfrage mittlerweile auch auf widerstandsfähige Unternehmen auswirken. Bei einem Teil dieser Betriebe mache sich der Anpassungsdruck offenbar erst zeitlich verzögert bemerkbar.
Wien bleibt Gründungszentrum, Tirol mit stärkstem Rückgang
Der Rückgang bei den Neugründungen beschränkt sich nicht auf einzelne Regionen, sondern betrifft sämtliche neun Bundesländer. Die Unterschiede sind dennoch beträchtlich: Die stärkste Abnahme wurde in Tirol mit 38,8 Prozent festgestellt. Dahinter folgen Wien mit einem Minus von 34,4 Prozent und die Steiermark mit 33,7 Prozent. Vergleichsweise gering fiel der Rückgang in Vorarlberg mit 22,6 Prozent aus.
Trotz der rückläufigen Entwicklung behauptet Wien seine führende Position bei den Unternehmensgründungen. Mit 3.795 neu gegründeten Firmen entfällt ungefähr ein Drittel des österreichweiten Gründungsgeschehens auf die Bundeshauptstadt.
Bei den Insolvenzen zeigt sich regional ein weniger einheitliches Bild. Besonders deutlich stiegen die Verfahren in der Steiermark, wo 317 Unternehmen insolvent wurden. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 22,4 Prozent. In Vorarlberg erhöhte sich die Zahl sogar von 43 auf 87 Fälle und hat sich damit mehr als verdoppelt.
Demgegenüber wurden im Burgenland um 32,8 Prozent weniger Firmeninsolvenzen registriert. Auch Tirol mit einem Minus von 24,5 Prozent und Salzburg mit einem Rückgang von 18,2 Prozent verzeichneten Verbesserungen.
Den größten Anteil an den österreichischen Firmenpleiten hat weiterhin Wien. Mit 1.292 Verfahren entfallen rund 46 Prozent aller Insolvenzen auf die Bundeshauptstadt.
Bauwirtschaft und Gastronomie verzeichnen mehr Insolvenzen
Auch zwischen den Wirtschaftsbereichen bestehen erhebliche Unterschiede. Während sich die Situation in einigen Branchen etwas verbessert hat, stieg die Zahl der Insolvenzen insbesondere im Baugewerbe und in der Gastronomie.
Im Bau wurden 188 Verfahren gezählt, was einem Zuwachs von 13,3 Prozent entspricht. Im Gastgewerbe erhöhte sich die Zahl um 8,7 Prozent auf 313 Insolvenzen.
Die meisten Firmenpleiten entfielen allerdings weiterhin auf den Einzelhandel. Dort wurden 363 Verfahren registriert, obwohl die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 10,4 Prozent zurückging. Es folgen Immobilienmakler:innen und -verwaltungen mit 280 Insolvenzen und einem Minus von 13,6 Prozent sowie das Handwerk mit 248 Fällen, was einem Rückgang um 10,1 Prozent entspricht.
Eine noch deutlichere Abnahme gab es bei Holding- und Investitionsgesellschaften, wo die Insolvenzen um 32,6 Prozent sanken. Im Autogewerbe betrug der Rückgang sogar 40 Prozent.
IT-Dienstleistungen als einzige Branche mit Gründungswachstum
Bei den Unternehmensgründungen hebt sich ein Wirtschaftsbereich deutlich vom allgemeinen Abwärtstrend ab. Informatikdienstleistungen verzeichneten in den ersten neun Monaten 736 Neugründungen. Das entspricht einem Zuwachs von 26,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
In sämtlichen anderen größeren Branchen nahm die Gründungsaktivität dagegen ab. Besonders ausgeprägt war die Entwicklung bei Immobilienmakler:innen und -verwaltungen mit einem Minus von 54,5 Prozent. Holding- und Investitionsgesellschaften verzeichneten einen Rückgang um 41,6 Prozent, während im Baugewerbe 39 Prozent weniger Unternehmen gegründet wurden.
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