Vergangene Woche, vom 12. bis 15. Oktober, traf sich die internationale Film- und Fernsehbranche wieder in Cannes. Bei der 42. Ausgabe der MIPCOM sichteten Programmeinkäufer:innen, Produzent:innen und Vertriebsfirmen aus aller Welt neue Serien, Filme und Dokumentationen und verhandelten Lizenzen für die kommenden Programmsaisonen. Zum Auftakt lud die ORF-Enterprise zum inzwischen traditionellen ORF-Apéro und stellte dort neue Produktionen aus unterschiedlichen Genres vor. Das Content-Sales-International-Team des Vermarkters unter der Leitung von Armin Luttenberger kehrte schließlich mit einer Reihe von Vertragsabschlüssen nach Wien zurück – darunter zwei mit Unternehmen, die erstmals ORF-Inhalte lizenzieren.
Zwei Neukunden setzen erstmals auf ORF-Fiction
Der prominenteste Neuzugang ist The Walt Disney Company in Portugal, die zehn Folgen des "Tatort" erworben hat. Deutlich umfangreicher fällt der Einstieg von Canal+ in Österreich aus: Der Pay-TV-Anbieter hat sich ein Paket gesichert, das neben Fernsehklassikern wie "Kottan ermittelt" und "Kaisermühlen Blues" auch "Kafka", "Weber & Breitfuß", "Der Fall der Gerti B.", "Im Schatten der Angst", die erste Staffel von "Alles Finster", neun Staffeln von "Vier Frauen und ein Todesfall" und mehrere Krimifilme umfasst.
"Dass ORF-Produktionen international gefragt sind, ist eine Auszeichnung für die Qualität der Programme und für die Arbeit all jener, die sie möglich machen", meint ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher. Und Matthias Seiringer, der die ORF-Enterprise seit dem Sommer interimistisch leitet (LEADERSNET berichtete), ergänzt: "Die internationalen Lizenzierungen sind für die ORF-Enterprise ein wichtiger Wachstumstreiber und ein Beweis für die Leistungen der heimischen Film- und Produktionswirtschaft – auch in herausfordernden Zeiten."
Österreichische Krimis bleiben im Ausland gefragt
In Nordamerika baut Global Series Network seine Partnerschaft mit dem ORF-Vermarkter aus und bringt die Staffeln 18 bis 20 von "Soko Kitzbühel" in die USA und nach Kanada. Für "Jones", die erste österreichisch-portugiesische Serienkoproduktion, gibt es mit Verkäufen nach Irland und Großbritannien erste Abnehmer. Gute Geschäfte macht die ORF-Enterprise außerdem mit älteren Titeln aus dem Archiv: Mainstream Media hat für einen deutschen Krimisender "Die Detektive" und ein Paket mit 26 "Tatort"-Folgen lizenziert. Besonders stark ist die Nachfrage nach dem österreichischen "Tatort" traditionell in Skandinavien. TV2 Denmark hat in Cannes angekündigt, 18 Filme erneut lizenzieren zu wollen, ein Abschluss steht hier aber noch aus.
"Während neue Partner:innen die Fiction-Qualität der ORF-Originals entdecken, setzen langjährige Kund:innen verstärkt auf die hochwertigen Factual-Formate – rechtzeitig vor dem 40. Geburtstag der mehrfach ausgezeichneten Naturfilm-Marke ORF-'Universum Nature'. Mit dieser Kombination können wir internationalen Käufer:innen sowohl unverwechselbare neue Produktionen als auch vertrauenswürdige Sendungsmarken mit langfristigem Publikumswert anbieten", so Luttenberger, Head of Content Sales International der ORF-Enterprise.
Universum-Dokumentationen finden Abnehmer in Europa und Asien
Den größten Factual-Deal hat der portugiesische öffentlich-rechtliche Sender RTP abgeschlossen. Er übernimmt die erste Staffel der Serie "Biester" und rund zehn Naturdokumentationen, darunter "Der Superfisch – Wie der Lachs die Welt bewegt", "Mission Seeotter – Rettung für Kaliforniens Kelpwälder", "Südtirol – Das Land in der Mitte" und "Zealandia". In Italien hat die RAI ihre Rechte an "Elisabeth – Kaiserin auf der Flucht" verlängert.
Die Seeotter-Doku ist überhaupt einer der meistverkauften Titel dieser Messe und läuft künftig auch bei Canal+ in Polen, dort gemeinsam mit "Connemara – Irlands wilde Schönheit", sowie beim belgischen Sender RTBF. Canal+ France hat sich beide Teile von "Wüstenkönige – Die Löwen der Namib" und "Der sibirische Tiger – Seele der russischen Wildnis" gesichert, PTS Taiwan wiederum "Mythos Transsilvanien – Draculas geheime Wildnis", "Java & Bali – Paradies im Bann der Elemente" und "Unbekannte Südsee". National Geographic Channels International ergänzt seine bisherigen Käufe um "Steile Welt – Zwischen Abgrund und Zuflucht". Für den deutschsprachigen Raum hat High View Media mehrere Bergdokumentationen erworben, der Bayerische Rundfunk zeigt im Advent "Zauberhafte Weihnacht".
Neue Ausspielwege von FAST bis zur Bordunterhaltung
Neben klassischen Fernsehlizenzen gewinnen andere Vertriebsformen an Gewicht. Auf der werbefinanzierten Plattform Samsung TV Plus sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz künftig unter anderem "Die Detektive", "Altes Geld", "Kebab mit Alles" und "Polt" abrufbar. Für "Tatort"-Fans erscheint eine DVD-Box mit den besten Fällen von Moritz Eisner und Bibi Fellner, die mit Jahresende ihren letzten Einsatz haben. Im Formatgeschäft geht die südafrikanische Version von "Liebesg'schichten und Heiratssachen", die die Produktionsfirma Indigenius 2025 gestartet hat, in eine dritte und vierte Staffel.
Ein wachsender Markt ist die Unterhaltung in Zügen und Flugzeugen. Der Dienstleister Endava hat für das Bordangebot der Deutschen Bahn die ersten Staffeln von "School of Champions" und "Biester" sowie die Dokumentationen "Kroatiens Küste – Endlos und wild", "Triest – Stadt der vielen Namen" und "Neue Waffen gegen Krebs – Länger leben durch bessere Therapie" lizenziert. Austrian Airlines und die ÖBB erweitern ihr bestehendes ORF-Angebot um weitere Titel. Neu dazu kommen Air China, Hainan Airlines und Oman Air, deren Passagier:innen unter anderem "Das Meer im Blick – Küstenstraßen in Norwegen und Spanien" und "Saalbach-Hinterglemm – Wo sich Natur und Mensch begegnen" sehen können. Hainan Airlines zeigt zusätzlich den ersten Teil von "Wildes Griechenland", Oman Air ausgewählte Folgen von "Tage, die es nie gab".
Welche Bedeutung solche Verkäufe über den ORF hinaus haben, betont Nina Keidies von Film in Austria, der Filmstandort-Initiative der Austrian Business Agency: "Die internationale Distribution ist eine wichtige Erweiterung der Produktionswertschöpfungskette. Wenn österreichische Geschichten, Talente und Schauplätze vom Publikum auf der ganzen Welt gesehen werden, stärken sie den Ruf des gesamten Produktionsökosystems. Internationale Märkte wie die MIPCOM schaffen daher Sichtbarkeit nicht nur für einzelne Programme, sondern für Österreich als kreativen, hochqualifizierten und wettbewerbsfähigen Produktionsstandort und können den Weg für zukünftige Partnerschaften, Koproduktionen und Investitionen ebnen."
Eindrücke vom ORF-Apéro sehen Sie in der Galerie.
www.orf.at
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