Steigende Lebenshaltungskosten und eine zunehmend unsichere Wirtschaftslage hinterlassen nicht nur in den Budgets der privaten Haushalte Spuren, sondern auch in den Büchern jener Unternehmen, die auf ihr Geld warten. Tatsächlich wird laut einer aktuellen Auswertung des KSV1870 (LEADERSNET berichtete) rund jede fünfte Rechnung in Österreich nicht fristgerecht beglichen, und allein im Vorjahr hatte die Hälfte aller heimischen Unternehmen mit Forderungsverlusten zu kämpfen. Zugleich schätzen lediglich 42 Prozent der Betriebe ihre eigene Geschäftslage derzeit als gut oder sehr gut ein.
Für Unternehmen ergibt sich aus offenen Forderungen allerdings eine heikle Abwägung: Einerseits sind sie darauf angewiesen, offene Beträge einzubringen, um liquide zu bleiben. Andererseits können sie es sich aber kaum leisten, dabei bestehende Kund:innen zu vergraulen. Die Gewinnung neuer Kund:innen wird nämlich teurer, und laufende Verträge werden entsprechend wertvoller. Genau an dieser Stelle wollen das schwedische FinTech Billogram und der Forderungsmanagement-Spezialist coeo nun mit einer strategischen Partnerschaft ansetzen.
Wenn die Zahlung ausbleibt
Hinter einer verspäteten Zahlung steckt nicht zwangsläufig fehlender Wille vonseiten der Kund:innen. Manche Rechnungen gehen im Alltag schlicht unter. In anderen Fällen fehlt vorübergehend das Geld, und die Betroffenen bräuchten mehr Zeit oder die Möglichkeit, in Raten zu zahlen. Wer in solchen Situationen ausschließlich auf Druck setzt, trifft also mitunter Kund:innen, die eigentlich zahlen wollen.
"Die meisten Unternehmen haben einen klaren Plan dafür, wie sie eine:n Kund:in gewinnen. Nur die wenigsten haben einen Plan dafür, was passiert, wenn diese:r Kund:in eine Zahlung versäumt", erläutert Jonas Suijkerbuijk, CEO von Billogram. Eine von Billogram beauftragte Verbraucherbefragung zeige, dass etwa jede:r fünfte Verbraucher:in nach dem Erhalt einer Zahlungserinnerung einen Vertrag gekündigt habe. "Viele Unternehmen unterschätzen, wie prägend dieser Moment für die Kundenbeziehung ist", so Suijkerbuijk.
"Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob sich Unternehmen mit Zahlungsschwierigkeiten auseinandersetzen müssen, sondern wie. Ein transparenter und unterstützender Umgang kann dazu beitragen, Vertrauen zu erhalten, anstatt Kundenbeziehungen zu gefährden", so Sebastian Ludwig, CEO DACH von coeo, und betont: "Eine offene Forderung ist nicht automatisch das größte Risiko für ein Unternehmen. Oft ist der Verlust langjähriger Kund:innen deutlich teurer."
Ein Ablauf statt vieler Zuständigkeiten
Dass der Umgang mit offenen Rechnungen in der Praxis oft hakt, liegt auch an der Organisation. In vielen Unternehmen sind Rechnungsstellung, Mahnwesen und Inkasso auf verschiedene Systeme und Dienstleister verteilt. Wer eine Rechnung offen hat, bekommt es dadurch mit mehreren Ansprechpartner:innen und Kanälen zu tun. Das verkompliziert die Lösung gerade dann, wenn ohnehin finanzieller Druck herrscht.
"Kund:innen unterscheiden selten zwischen Rechnung, Mahnung und Inkasso. Sie machen den Dienstleister vielmehr für das gesamte Erlebnis verantwortlich", erklärt Suijkerbuijk. Und Ludwig ergänzt: "Unternehmen müssen daher sicherstellen, dass Kund:innen auch in schwierigen Zahlungssituationen klare Informationen und einfache Möglichkeiten erhalten, ihre offenen Beträge zu begleichen."
Gemeinsamer Start in sechs europäischen Märkten
Billogram und coeo wollen diese Brüche nun schließen, indem sie Rechnung, Zahlungserinnerung und Inkasso in einem durchgängigen Prozess zusammenführen. Billogram bringt dafür seine Plattform ein, über die Unternehmen wiederkehrende Rechnungen und Zahlungen digital abwickeln, damit es möglichst gar nicht erst zum Zahlungsausfall kommt. Der Bereich Forderungsmanagement und Inkasso liegt bei coeo. Die Kooperation ist Teil der europäischen Expansionspläne beider Unternehmen und soll über Ländergrenzen hinweg für ein einheitlicheres Kundenerlebnis sorgen – den Anfang machen Österreich, Deutschland, Belgien, die Niederlande, Schweden und Norwegen.
Mit dem gemeinsamen Modell wollen die beiden Partner das Forderungsmanagement aus der Rolle einer reinen Abwicklungsfrage holen, die vor allem schnell und kostengünstig erledigt werden soll. "Erfolgreiches Forderungsmanagement wird künftig nicht mehr ausschließlich daran gemessen, wie viel Geld beigetrieben wird. Die entscheidende Frage lautet auch: Wie viele Kund:innen bleiben nach einer Zahlungsstörung erhalten? Unternehmen, die sowohl die Einbringungsquote als auch das Kundenerlebnis im Blick behalten, werden langfristig erfolgreicher sein", so Ludwig abschließend.
www.billogram.com
www.coeo-group.ai
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