Österreichweite Analyse
Bundesländer geraten im internationalen Exportgeschäft unter Druck

Während die Steiermark und Wien vergleichsweise gut abschneiden, verzeichnen Kärnten, Tirol und Niederösterreich die stärksten Rückgänge.

Österreichs Exportwirtschaft sieht sich auf den internationalen Märkten mit einer zunehmend stärkeren Konkurrenz konfrontiert. Nach Berechnungen der UniCredit Bank Austria verringerte sich der heimische Anteil an den weltweiten Warenexporten von 0,93 Prozent im Jahr 2010 auf 0,85 Prozent im Jahr 2024. Das entspricht einem relativen Rückgang von mehr als acht Prozent. Besonders deutlich wird der Wettbewerbsdruck in Industriezweigen, in denen österreichische Unternehmen traditionell stark vertreten sind. 

Die Untersuchung macht zugleich erhebliche regionale Unterschiede sichtbar. Zwar mussten alle neun Bundesländer Marktanteile abgeben, die Entwicklung verlief jedoch keineswegs einheitlich. Während die Steiermark ihre internationale Position weitgehend halten konnte, fielen die Verluste in Kärnten, Tirol und Niederösterreich wesentlich höher aus. 

"Vor allem die rasante Entwicklung asiatischer Volkswirtschaften verändert die Kräfteverhältnisse auf den Weltmärkten nachhaltig", sagt Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria.

Asiatische Volkswirtschaften gewinnen an technologischer Stärke

Zu den Gewinnern im internationalen Warenhandel zählen insbesondere China und Vietnam. Beide Staaten haben ihre Stellung auf den Weltmärkten ausgebaut und sind mittlerweile auch bei technologisch anspruchsvolleren Erzeugnissen stärker vertreten. Damit wächst die Konkurrenz für österreichische Hersteller:innen unter anderem im Maschinenbau, in der Elektronik und in der Fahrzeugtechnik. 

Die Entwicklung Vietnams steht dabei teilweise in engem Zusammenhang mit chinesischen Lieferketten. Das Land übernimmt zunehmend Produktions- und Exportaufgaben für Unternehmen aus China. So gingen steigende vietnamesische Ausfuhren in die USA mit einem deutlichen Zuwachs der Importe aus China einher. Laut Analyse dürften dahinter unter anderem Veränderungen der Lieferketten sowie die Umgehung von Handelsbeschränkungen gegenüber China stehen.

Robert Schwarz, Ökonom der UniCredit Bank Austria, weist darauf hin, dass der Wettbewerb inzwischen weit über die Produktionskosten hinausgehe. China, Vietnam, Indien und Mexiko seien mittlerweile auch in zahlreichen technologieintensiven Bereichen erfolgreich. Dadurch steige für Österreichs Industrie die Notwendigkeit, ihre Innovationsfähigkeit weiterzuentwickeln.

Österreich importiert deutlich mehr aus China und Vietnam

Wie stark die wirtschaftliche Bedeutung der beiden asiatischen Staaten gewachsen ist, lässt sich auch an den österreichischen Handelszahlen ablesen. Zwischen 2010 und 2025 haben sich die Warenimporte aus China mehr als verdreifacht und erreichten zuletzt 17,5 Milliarden Euro. Die Einfuhren aus Vietnam stiegen im selben Zeitraum auf knapp zwei Milliarden Euro und damit auf mehr als das Siebenfache. Insgesamt erhöhten sich Österreichs Warenimporte dagegen lediglich um 73 Prozent.

China war 2025 nach Deutschland bereits Österreichs zweitwichtigster Importmarkt. Besonders gefragt waren elektronische Erzeugnisse, Maschinen und Kraftfahrzeuge. Auch aus Vietnam werden mittlerweile vor allem Elektronikprodukte eingeführt, während Bekleidungswaren an zweiter Stelle stehen.

Auf der Exportseite entwickelte sich der Handel weniger dynamisch. Österreichische Unternehmen lieferten 2025 Waren im Wert von rund fünf Milliarden Euro nach China. Gegenüber 2010 entspricht das einem Plus von knapp 80 Prozent. Die Ausfuhren nach Vietnam verdreifachten sich zwar, blieben mit knapp 300 Millionen Euro jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau. 

Die unterschiedlichen Wachstumsraten spiegeln sich in der Handelsbilanz wider. Gegenüber China verzeichnete Österreich 2025 ein Defizit von rund 12,5 Milliarden Euro, gegenüber Vietnam betrug es 1,6 Milliarden Euro. "Während die Importe aus China und Vietnam außerordentlich dynamisch gewachsen sind, konnten die österreichischen Exporte in beide Länder mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten", erklärt Schwarz.

Steiermark verzeichnet geringste Marktanteilsverluste

Bei der regionalen Auswertung für den Zeitraum 2010 bis 2024 schneidet die Steiermark im Bundesländervergleich am besten ab. Ihr Anteil am weltweiten Exportgeschäft verringerte sich lediglich um rund drei Prozent. Ausschlaggebend dafür war laut Untersuchung insbesondere die vergleichsweise stabile Entwicklung der Automobilindustrie und des Maschinenbaus.

Anders stellt sich die Situation in Kärnten, Tirol und Niederösterreich dar. In diesen drei Bundesländern gingen die jeweiligen Exportmarktanteile um mehr als zehn Prozent zurück. Damit verzeichneten sie die höchsten relativen Einbußen innerhalb Österreichs. Die regionalen Ergebnisse würden zeigen, wie unterschiedlich die heimischen Industriestandorte im internationalen Wettbewerb aufgestellt seien, erläutert Schwarz. Vor allem die Steiermark habe ihre Position vergleichsweise erfolgreich verteidigen können.

Oberösterreich verliert absolut am meisten

Besonders ins Gewicht fallen die Rückgänge in Oberösterreich. Als größtes Exportbundesland Österreichs verzeichnete es den höchsten absoluten Verlust an weltweiten Exportmarktanteilen. 

Die Einbußen betreffen vor allem industrielle Produktgruppen, die für die österreichische Exportwirtschaft eine zentrale Rolle spielen. Dazu zählt insbesondere der Maschinenbau. Eine ähnliche Entwicklung ist in Niederösterreich zu beobachten.

"Gerade in den exportstarken Industrieregionen zeigt sich der zunehmende internationale Wettbewerb besonders deutlich", analysiert Schwarz. Die Untersuchung verdeutlicht damit, dass gerade jene Regionen unter Druck stehen, deren Wirtschaft stark auf etablierte industrielle Kernbereiche ausgerichtet ist.

Wien profitiert von stark wachsenden Pharmaexporten

Eine vergleichsweise günstige Entwicklung zeigt sich in der Bundeshauptstadt. Wien verlor zwischen 2010 und 2024 rund sieben Prozent seiner Exportmarktanteile und belegte damit hinter der Steiermark den zweiten Platz im Bundesländervergleich.

Bemerkenswert ist dabei die unterschiedliche Entwicklung einzelner Produktgruppen. Während Wien bei zahlreichen Waren Marktanteile einbüßte, gelangen bei den für Österreich besonders bedeutenden Kernprodukten leichte Zugewinne.

Entscheidend dafür war vor allem die Pharmaindustrie. Die Wiener Pharmaexporte haben sich innerhalb des untersuchten Zeitraums verfünffacht und trugen maßgeblich zur positiven Entwicklung in diesem Bereich bei.

Nach Einschätzung von Schwarz zeige das Wiener Beispiel, dass eine gezielte Spezialisierung auch unter schwierigeren internationalen Wettbewerbsbedingungen erfolgreich sein könne. Für die kommenden Jahre werde es darauf ankommen, die Position in technologie- und wissensintensiven Wirtschaftsbereichen weiter zu stärken.

Forschung und Innovation gewinnen an Bedeutung

Trotz der rückläufigen Marktanteile verfügt Österreich laut UniCredit Bank Austria weiterhin über eine international hochwertige Exportstruktur. Die zunehmende Konkurrenz aus technologisch aufstrebenden Volkswirtschaften stellt die heimischen Unternehmen allerdings vor neue Herausforderungen.

Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit werden daher Investitionen in Forschung, technologische Weiterentwicklung und Innovation ebenso wichtig sein wie die Erschließung zusätzlicher Absatzmärkte.

"Die Ergebnisse zeigen, dass sich der globale Wettbewerb zunehmend auf jene Bereiche verlagert, die für Österreichs Industrie besonders wichtig sind. Umso entscheidender wird es sein, die eigene technologische Stärke konsequent weiterzuentwickeln und neue Wachstumsmärkte zu erschließen", fasst Bruckbauer zusammen.

www.bankaustria.at

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