Eine Karriere braucht Leistung, aber auch die Chance, damit gesehen zu werden. Seit mehr als 15 Jahren bringt der Salon Real Frauen aus unterschiedlichen Bereichen der österreichischen Immobilienwirtschaft zusammen. An Clubabenden, beim Sport oder auf Architekturreisen teilen die Mitglieder Wissen und Erfahrungen, lernen andere Perspektiven kennen und unterstützen einander im Berufsalltag. Im Interview erklärt die Vorsitzende des Salon Real und Geschäftsführerin von Raiffeisen WohnBau, Gerhild Bensch-König, was dieses Netzwerk leisten kann, welche Hürden auf dem Weg in Führungspositionen bleiben und warum sie jungen Frauen rät, Chancen aktiv zu suchen.
Der Salon Real ist seit mittlerweile mehr als 15 Jahren Teil der österreichischen Immobilienwirtschaft. Was kann ein professionelles Netzwerk heute leisten, das Unternehmen, klassische Branchenverbände oder soziale Netzwerke wie LinkedIn nicht leisten können?
Ein professionelles Netzwerk wie der Salon Real bringt seine Mitglieder abseits der täglichen Arbeit im Unternehmen persönlich zusammen, liefert an den Clubabenden fundiertes Wissen aus allen Themenbereichen der Immobilienwirtschaft, aber darüber hinaus auch der persönlichen Weiterentwicklung und fördert den direkten Austausch unter den Mitgliedern, indem es immer wieder Möglichkeiten zum Netzwerken bietet, dies beim informellen Teil der Clubabende, beim gemeinsamen Sport, auf Architekturreisen oder aber auch beim Feiern wie zB bei unserem alle 2 Jahre stattfindenden Back to Work Cocktail. Im persönlichen Gespräch sowie in Gruppenchats geben wir Wissen weiter und teilen Erfahrungswerte und unterstützen uns so wiederum beim täglichen Tun.
Eines der erklärten Ziele des Salon Real ist es, mehr Frauen in Entscheidungspositionen der Immobilienwirtschaft zu bringen und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Wo sehen Sie heute noch die größten strukturellen Hürden – und wo hat sich die Branche in den vergangenen Jahren tatsächlich verändert?
Genau. Die Sichtbarkeit all der höchst professionell arbeitenden Frauen in der Branche zu erhöhen, ist auf jeden Fall der erste Schritt, den wir als Verein machen können. Ein weiterer Schritt sind Role Models. Die Frauen, die bereits in Entscheidungspositionen sind, bestärken wiederum andere diesen nächsten Schritt zu tun. Strukturelle Hürden liegen darin, wie unsere Gesellschaft organisiert ist, und oft in den Entscheidungsgremien selbst. Sind diese Gremien offen für Frauen in Führungspositionen, ist schon viel gewonnen. Die Branche hat sich überall dort verändert, wo bereits gemischte Führungsteams am Werk sind.
Netzwerke werden häufig mit Kontakten und Veranstaltungen gleichgesetzt. Wann wird aus einem Kontakt aber tatsächlich ein wertvolles berufliches Netzwerk und welche Verantwortung haben erfolgreiche Frauen dabei gegenüber der nächsten Generation?
Natürlich bieten Netzwerke Kontakte und Veranstaltungen gehören auch dazu, wobei diese im Salon Real den Fokus auf branchenspezifischem Austausch haben. Das Netzwerk wird dann wertvoll, wenn jedes einzelne Mitglied in irgendeiner Form davon profitiert, weil es etwas Neues gelernt hat, weil es sich unterstützt fühlt, weil es motiviert wurde etc. Unsere Verantwortung ist es die nächste Generation heranzuführen, diesen engagierten jungen Frauen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen gleichzeitig als Role Model einen möglichen Weg zu weisen. Auch innerhalb des Vorstands haben wir diese Verantwortung schon wahrgenommen.
Der Salon Real vereint Frauen aus sehr unterschiedlichen Bereichen – von Projektentwicklung und Finanzierung über Recht und Architektur bis zu Marketing und Immobilienmanagement. Entstehen gerade aus dieser Interdisziplinarität auch neue Sichtweisen auf die großen Herausforderungen der Immobilienwirtschaft?
Das ist absolut richtig. Die vielen Themenbereiche der Immobilienwirtschaft zu sehen, ihre ganz eigenen Herausforderungen zu erkennen, bereichert uns, öffnet uns die Augen und lässt uns über den Tellerrand blicken, um dann ein größeres Ganzes zu sehen.
Wenn wir fünf oder zehn Jahre vorausblicken: Woran würden Sie erkennen, dass Initiativen wie der Salon Real wirklich erfolgreich waren? Ist das Ziel irgendwann erreicht, wenn Frauennetzwerke in dieser Form gar nicht mehr notwendig sind – oder werden sie dauerhaft eine wichtige Funktion haben?
Ein Erfolg wäre, wenn wir in fünf oder zehn Jahren tatsächlich bei 50:50 angelangt sind, auch in den Führungsebenen. Ich bin ein positiver Mensch und so glaube ich an die permanente Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Außerdem haben wir mit den Gesellschaften in den nordischen Ländern ja gute Vorbilder. Dass ein Frauennetzwerk innerhalb der nächsten Jahre obsolet sein wird, glaube ich allerdings nicht.
Sie sind selbst in verantwortungsvoller Position in der Immobilienwirtschaft und gleichzeitig Vorsitzende eines großen Frauennetzwerks. Welche Erfahrung haben Sie persönlich gemacht: Entstehen Karrieren stärker durch Leistung – oder entscheidet am Ende doch sehr häufig auch darüber, wer wen kennt, fördert und sichtbar macht?
Wie viele andere Frauen auch, bin ich noch den konventionellen Weg gegangen, nämlich durch Leistung aufzuzeigen und Chancen zu ergreifen, die geboten werden. Den jungen Frauen möchte ich mitgeben sich sichtbar zu machen, proaktiv Chancen zu suchen und den Wert von Mentoringprogrammen und Netzwerken zu erkennen und für sich zu nutzen. Wenn sich zudem ein:e Mentor:in im Unternehmen findet, ist das ein großes Glück.
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