Martin Hauer im Interview
"Am Ende großer Umbrüche ist der Wohlstand immer gewachsen"

| Tobias Seifried 
| 12.10.2026

Im LEADERSNET-Interview spricht Martin Hauer, Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und der RLB NÖ-Wien, über die verhaltene Investitionslaune in Österreich, die Notwendigkeit von Zuversicht und Leistung sowie den strategischen Ausbau neuer Partnerschaften. Zudem erläutert er, wie KI die Arbeitswelt verändert und warum gezielte Investitionen in Bildung den Wohlstand von morgen sichern.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Hauer, Sie sind nun seit etwas mehr als 100 Tagen als Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien im Amt. Durch welche berufliche Lebensgeschichte hat Sie Ihr Weg in diese verantwortungsvolle Position geführt?

Martin Hauer: Nach rund 15 Jahren bei Raiffeisen, diversen Stationen im öffentlichen Dienst sowie Studienaufenthalten in Paris und Boston war ich die letzten acht Jahre als Privatkundenvorstand in der Raiffeisenlandesbank für Wien zuständig. Seit 1. Juli darf ich nun als Generaldirektor die Geschicke der Gruppe leiten.

LEADERSNET: Um die Dimensionen greifbar zu machen: Wie groß ist die RLB NÖ-Wien heute, und wie positioniert sie sich am Markt?

Hauer: Die Raiffeisenlandesbank ist die größte Regionalbank im Osten Österreichs. Wir beschäftigen über 1.000 Mitarbeiter:innen und sind in Wien mit rund 250.000 Privatkund:innen unter der etablierten Marke Stadtbank stark verankert. Darüber hinaus bildet die Raiffeisenlandesbank im engen Zusammenwirken mit der Raiffeisen-Holding ein sehr großes Beteiligungsportfolio, das unsere gesamte Gruppe auszeichnet.

LEADERSNET: Als starke Partnerin der heimischen Wirtschaft spüren Sie unmittelbar, wie es den Betrieben geht. Wie bewerten Sie den aktuellen Status quo der Wirtschaft in Österreich?

Hauer: Wir befinden uns in einer sehr schwierigen und herausfordernden Situation, wie auch die jüngsten Wirtschaftsdaten zeigen. Die Inflation steigt weiter an. Einerseits sehen wir eine spürbare Zurückhaltung bei den Investitionen der Unternehmer:innen. Da müssen wir sehr genau aufpassen, dass wir in Österreich keinen kompletten Investitionszyklus versäumen, während sich ringsherum wieder viel mehr abspielt. Andererseits verbrauchen Privatkund:innen ihre Spareinlagen zunehmend für den täglichen Konsum. All das zeigt, dass die Wirtschaft einen kräftigen Anschub und vor allem wieder mehr Vertrauen braucht.

LEADERSNET: Sie sprechen das Thema Vertrauen an – mangelt es der heimischen Wirtschaft aktuell schlicht an Risikobereitschaft?

Hauer: Ich würde nicht von einer zu geringen Risikobereitschaft sprechen, sondern schlicht von mangelndem Vertrauen in das, was kommt. Zu wenig Vertrauen ist jedoch Gift für eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung.

LEADERSNET: Welche Hebel kann eine Bank wie Raiffeisen ansetzen, um der Wirtschaft Stabilität und neue Impulse zu geben? Reicht es aus, Zuversicht auszustrahlen?

Hauer: Reine positive Stimmung ist natürlich nicht genug, aber sie ist eine wesentliche Voraussetzung, um über Mundpropaganda Dinge in Bewegung zu setzen. Als Banken sind wir so etwas wie der Treibstoff für den Wirtschaftsmotor: Wir ermöglichen Investitionen und geben Unternehmen als Sparringspartner Orientierung. Zudem sind wir durch unsere Beteiligungen – ob in der Landwirtschaft, in der Infrastruktur oder im Medienbereich – extrem nah am Puls der Wirtschaft und können mit gutem Beispiel vorangehen. Nicht zuletzt sind wir ein großer Arbeitgeber, der durch Sicherheit am Arbeitsplatz vorausschauendes Handeln und Investitionsbereitschaft ermöglicht.

LEADERSNET: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich auch Banken stetig wandeln. So bietet die Raiffeisenlandesbank mittlerweile sogar Stromtarife an. Wo geht die Reise bei den Geschäftsmodellen hin?

Hauer: Wir müssen uns kontinuierlich weiterentwickeln. Der Wirtschaftsstandort braucht drei wesentliche Faktoren: Erstens müssen wir uns wieder bewusst machen, dass Leistung etwas Schönes und Erfüllendes ist. Zweitens muss sich Leistung durch vernünftige Rahmenbedingungen und effizienten Umgang mit Steuergeld auch auszahlen. Und drittens dürfen sich Unternehmen nicht auf der Politik ausruhen, sondern müssen alte Zöpfe abschneiden, effizienter werden und über den Tellerrand blicken. Getreu unserem Anspruch, Bestleistungen für unsere Kund:innen zu erbringen, gehen wir dorthin, wo andere noch nicht sind – wie etwa mit unserem neuen Stromtarif oder unseren Kooperationen im Gesundheits- und Pflegebereich. Wir orientieren uns konsequent an echten Kundenbedürfnissen und verstehen uns als mehr als nur eine klassische Bank.

LEADERSNET: Künstliche Intelligenz und Digitalisierung krempeln die Arbeitswelt rasant um. Wie schätzen Sie diese Transformation für die Zukunft ein?

Hauer: Ich sehe das sehr optimistisch. Unternehmen, die sich rechtzeitig auf KI einstellen und ihre Mitarbeiter:innen im Umgang schulen, erlangen einen echten Wettbewerbsvorteil. Es gibt ein sehr treffendes Zitat dazu: "Künstliche Intelligenz wird niemandem den Arbeitsplatz wegnehmen, aber es könnte jemand tun, der besser damit umgehen kann." Genau deshalb schulen wir unsere Teams, damit Effizienzen gehoben und Prozesse optimiert werden können. Dieser Wandel muss dabei organisch aus der Mitarbeiterschaft heraus entstehen.

LEADERSNET: Welchen konkreten Schulterschluss und Appell richten Sie an Wirtschaft und Politik, um den Wohlstand abzusichern?

Hauer: Wir müssen insgesamt enger zusammenrücken und unternehmensübergreifend voneinander lernen – Österreich ist als Wirtschaftsstandort schlicht zu klein, als dass jede:r alles im Alleingang machen sollte. An die Politik gerichtet lautet mein zentraler Wunsch: Wir müssen massiv mehr in Bildung und unsere Kinder investieren. Viele junge Talente suchen ihr Glück andernorts in der Welt, weil es hier noch Aufholbedarf gibt. Wenn wir in den Bildungsbereich und in Lehrberufe investieren, schaffen wir das beste Fundament für die Zukunft.

LEADERSNET: Abschließende Frage: Dürfen wir uns auf die Zukunft freuen oder müssen wir ihr mit Sorge begegnen?

Hauer: Wir dürfen uns absolut darauf freuen! Ein Blick in die Menschheitsgeschichte zeigt: Auf große Umbrüche und Veränderungen folgte am Ende stets mehr Wohlstand, Weiterentwicklung und ein lebenswerteres Leben. Man muss die Chancen ergreifen, die diese Welt bietet.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.raiffeisen.at

www.raiffeisenholding.com

Zur Person

Martin Hauer ist seit 1. Juli 2026 Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.

Der promovierte Jurist blickt auf langjährige und vielfältige Führungserfahrung innerhalb und außerhalb des Raiffeisensektors zurück. Seit seinem Eintritt in die Gruppe im Jahr 2011 hatte er verschiedene Managementpositionen inne – zunächst als Generalsekretär, später als Generalbevollmächtigter für das Retailgeschäft und ab 2018 als Vorstandsdirektor für Privatkunden & KMU, in welcher Funktion er maßgeblich die Entwicklung des Retailgeschäfts in Wien vorantrieb. Darüber hinaus blickt er auf zahlreiche Funktionen im nationalen wie internationalen Umfeld zurück.

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Martin Hauer ist seit 1. Juli 2026 Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.

Der promovierte Jurist blickt auf langjährige und vielfältige Führungserfahrung innerhalb und außerhalb des Raiffeisensektors zurück. Seit seinem Eintritt in die Gruppe im Jahr 2011 hatte er verschiedene Managementpositionen inne – zunächst als Generalsekretär, später als Generalbevollmächtigter für das Retailgeschäft und ab 2018 als Vorstandsdirektor für Privatkunden & KMU, in welcher Funktion er maßgeblich die Entwicklung des Retailgeschäfts in Wien vorantrieb. Darüber hinaus blickt er auf zahlreiche Funktionen im nationalen wie internationalen Umfeld zurück.

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