Wie Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig absichern und zugleich in neue Geschäftsfelder vorstoßen können, stand im Mittelpunkt des Wirtschaftstalks "Stärke. Stabilität. Wachstum.", zu dem Leitbetriebe Austria vergangenen Dienstag, dem 6. Oktober, ins Headquarter von ISS Österreich geladen hatte. Begrüßt wurden die Teilnehmer:innen von Leitbetriebe-Austria-Geschäftsführerin Monica Rintersbacher und Gastgeber Erich Steinreiber, CEO von ISS Österreich. Auf einen wissenschaftlichen Impuls zur Innovationsfähigkeit folgten Einblicke in zwei ganz unterschiedliche Wachstumswege aus der Unternehmenspraxis.
Jubiläumsjahr im Zeichen der neuen Arbeitswelt
Rintersbacher unterstrich zum Auftakt den Wert des direkten Austauschs zwischen Betrieben und erinnerte an die Initiative "Neue Welt der Arbeit", die Leitbetriebe Austria 2023 ins Leben gerufen hat. ISS Österreich ist dabei als Fokusgruppenpartner an Bord. Im Kern geht es der Initiative um die Frage, wie sich die Produktivität steigern lässt und dabei die Anliegen beider Seiten, also der Unternehmen wie der Beschäftigten, berücksichtigt werden können.
Für den Gastgeber hatte die Veranstaltung zusätzliches Gewicht, denn ISS Österreich feiert heuer sein 70-jähriges Bestehen (LEADERSNET berichtete). Als wichtigste Erfolgsfaktoren des Unternehmens nannte Steinreiber die Kund:innen und die Mitarbeiter:innen. Chancen für die Zukunft sieht er vor allem in Innovation, Digitalisierung und dem Einsatz neuer Technologien.
Warum sich Unternehmen laufend erneuern müssen
Den wissenschaftlichen Rahmen der Veranstaltung steckte Reinhard Prügl, Professor für Family Business und Leiter des Instituts für Familienunternehmen an der Wirtschaftsuniversität Wien, ab, wobei er festhielt: "Fürs langfristige Überleben einer Organisation ist Innovation eine wirkliche Kernzutat." Damit Neuerungen im Betrieb auch tatsächlich greifen, braucht es laut Prügl das Zusammenspiel aus einer klaren Strategie, einer passenden Unternehmenskultur sowie geeigneten Prozessen und Werkzeugen. Erfolgreich sei vor allem, wer die Weiterentwicklung bestehender Leistungen mit dem Aufbau neuer Angebote und Geschäftsmodelle verknüpfe.
Besonderes Gewicht legte Prügl auf die Kultur. Gefragt sei ein Umfeld, das Neuem gegenüber offen ist und in dem Mitarbeiter:innen ihre Ideen aktiv einbringen können. Darüber hinaus beleuchtete er in seinem Vortrag die Herausforderungen rund um die Unternehmensnachfolge sowie den wachsenden Stellenwert von Kooperationen, Partnerschaften und Zukäufen.
Wachstum durch Vertrauen und Partnerschaften
Wie solche Wege in der Praxis aussehen können, schilderte Steinreiber gemeinsam mit Ulrike Kellner-Haslauer, Geschäftsführerin von compact electric. Beispielsweise liegen die Wurzeln von ISS Österreich in einem kleinen Wiener Reinigungsunternehmen, und heute beschäftigt der Facility-Services-Anbieter österreichweit bereits mehr als 7.000 Menschen. Aus dem ursprünglichen Kerngeschäft entwickelte sich Schritt für Schritt ein breites Leistungsspektrum, in dem technische Dienstleistungen einen immer größeren Platz einnehmen. Zusätzlich erweitert das Unternehmen sein Portfolio gezielt über Zukäufe. "So sind wir eigentlich gewachsen mit dem Vertrauen der Kund:innen, die uns etwas zugetraut haben", erzählte Steinreiber und nannte ein Beispiel aus der Stahlindustrie. Für dieses Unternehmen war ISS zunächst ausschließlich in der Reinigung tätig, inzwischen verantwortet der Dienstleister dort auch die Qualitätskontrolle der Endprodukte.
Einen anderen Weg ging compact electric. Das Wiener Familienunternehmen ist seit 2025 Teil der Klenk & Meder Gruppe (LEADERSNET berichtete), wie Kellner-Haslauer berichtete. Der Schritt habe neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnet und zusätzliche Kompetenzen unter einem Dach gebündelt, sodass Leistungen aus Elektrotechnik und Gebäudeautomatisierung nun aus einer Hand angeboten werden können. Großen Wert legte die Geschäftsführerin darauf, die gewachsene Unternehmenskultur zu bewahren und den Mitarbeiter:innen eine langfristige Perspektive zu bieten.
Drohnen an der Fassade und Roboter im Verteilerbau
Breiten Raum nahm in der Diskussion auch der Vormarsch von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik ein. Kellner-Haslauer plädierte dabei für sichere und unabhängige technologische Lösungen sowie eine engere Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft. Bei compact electric werde derzeit geprüft, ob humanoide Roboter künftig im Verteilerbau zum Einsatz kommen können.
ISS Österreich wiederum testet unter anderem Drohnen für die Fensterreinigung sowie autonome Reinigungsroboter, die Abläufe weiterentwickeln und das Personal bei bestimmten Aufgaben entlasten sollen. "Es wird in unserem Bereich aus meiner Sicht der Mensch immer die wichtigste Ressource bleiben", betonte Steinreiber. Allerdings würden sich Berufsbilder durch den technologischen Wandel verändern und damit auch die Anforderungen an Mitarbeiter:innen und Führungskräfte.
LEADERSNET war beim Wirtschaftstalk. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.
www.leitbetriebe.at
www.issworld.com
www.compactelectric.at
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