Fotos von den Cable Days 2026
Medienexperten diskutierten über KI, finanziellen Druck und Plattformmacht

| Tobias Seifried 
| 12.10.2026

Bei den 19. Cable Days tauschten sich Vertreter:innen der Medien- und Telekombranche über die Zukunft des heimischen Medienstandorts aus. Im Mittelpunkt standen neue Geschäftsmodelle und faire Wettbewerbsbedingungen.

Wie können österreichische Medien angesichts wachsender Plattformkonkurrenz, technologischer Veränderungen und wirtschaftlicher Herausforderungen langfristig erfolgreich bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt der 19. Cable Days, die am 8. und 9. Oktober im Design Center Linz stattfanden. Die vom Fachverband Telekom|Rundfunk der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) veranstaltete Branchenveranstaltung brachte Kabelnetzbetreiber, Rundfunkveranstalter und Dienstleister zusammen.

Neben der Zukunft des Medienstandorts standen neue Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz (KI), die technische Verbreitung von Medieninhalten sowie regulatorische und sicherheitsrelevante Themen auf dem Programm.

Breitenecker fordert mehr mediale Eigenständigkeit

In seiner Keynote beschäftigte sich Medienmanager Markus Breitenecker, der demnächst einen neuen Top-Job in Deutschland antritt (LEADERSNET berichtete), mit der Frage, wie österreichische und europäische Medien ihre Eigenständigkeit gegenüber internationalen Plattformen behaupten können. Entscheidend seien dabei der direkte Zugang zum Publikum, die Refinanzierung journalistischer Angebote und das Vertrauen der Nutzer:innen.

Reichweite allein sei künftig kein ausreichender Erfolgsmaßstab. Vielmehr müssten Medienunternehmen ihre Zielgruppen langfristig an sich binden. Eigene Formate, regionale Inhalte und journalistische Persönlichkeiten könnten dabei ebenso helfen wie eigene digitale Plattformen.

Breitenecker sprach sich zudem für eine stärkere europäische Zusammenarbeit bei technischen Lösungen aus. Gegenüber KI-Anbietern brauche es gemeinsame Verhandlungsmacht und eine angemessene Vergütung für die Nutzung journalistischer Inhalte.

Auffindbarkeit und Finanzierung als zentrale Herausforderungen

Karl Petermichl, Leiter Distribution des ORF, beleuchtete die Bedeutung der technischen Verbreitung. Medieninhalte müssten über unterschiedliche Geräte und Empfangswege zugänglich und leicht auffindbar bleiben. Besonders bei modernen Fernsehgeräten würden Betriebssysteme und Benutzeroberflächen zunehmend beeinflussen, welche Angebote Nutzer:innen zuerst sehen.

Auch Christian Stögmüller, Präsident des Verbandes Österreichischer Privatsender (VÖP), verwies auf den wirtschaftlichen Druck auf heimische Medienunternehmen. Während die Kosten für regionalen Journalismus bei österreichischen Anbietern verblieben, würden sich Werbeerlöse und Marktmacht zunehmend zu internationalen Plattformen verlagern.

Stögmüller forderte daher faire Wettbewerbsbedingungen, eine verlässliche Medienförderung und stärkere Unterstützung bei der digitalen Transformation. Auch die Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern müsse weiterentwickelt werden.

Branchentalk über Plattformmacht und neue Geschäftsmodelle

Im anschließenden Branchentalk diskutierten neben Breitenecker auch Christoph Dovits (RTL | Sky Österreich), Inga Moser von Fielseck (Amazon), Philipp König (Kronehit) und Anja Tretbar (Magenta Telekom) über die Zukunft des Medienstandorts.

Dabei ging es unter anderem um die Finanzierung journalistischer Inhalte, die Verantwortung internationaler Plattformen und den Umgang mit KI. Unterschiedliche Auffassungen zeigten sich insbesondere hinsichtlich des Ausmaßes notwendiger regulatorischer Eingriffe.

Während Breitenecker für eine gezielte Stärkung europäischer Medien eintrat, verwies Moser von Fielseck auf die Rolle von Amazon als Auftraggeber lokaler Produktionen und internationaler Distributionspartner. Tretbar betonte die Chancen durch regionale Inhalte, technologische Kompetenz und neue Geschäftsmodelle. Regulatorische Vorgaben sollten vergleichbare Tätigkeiten unabhängig von deren Finanzierung gleich behandeln.

Aus der Radiobranche wurde zudem vor einer zunehmenden Konzentration digitaler Übertragungswege gewarnt. Dovits wiederum verwies auf Entwicklungsmöglichkeiten europäischer Medienangebote im deutschsprachigen Raum.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Cybersecurity

Am zweiten Veranstaltungstag standen rechtliche und technologische Entwicklungen im Mittelpunkt. Matthias Traimer, Abteilungsleiter für Medienangelegenheiten im Bundesministerium, beschäftigte sich mit der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-RL).

Wolfgang Feiel von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) erläuterte Entwicklungen rund um den Digital Networks Act (DNA) und die Telekommunikationsbranche. Stefan Tödling berichtete über Erfahrungen aus der Cybersecurity-Praxis, während Lukas Helm von Zero3 die Bedeutung der Quantenphysik für sichere Datenübertragung beleuchtete.

Den Abschluss der zweitägigen Veranstaltung bildete ein Resümee von Helga Tieben, Geschäftsführerin des Fachverbandes Telekom|Rundfunk.

Die Diskussionen verdeutlichten, dass die Zukunft des österreichischen Medienstandorts nicht allein von journalistischen Inhalten abhängt. Ebenso entscheidend sind der Zugang zum Publikum, eine leistungsfähige technische Infrastruktur und wirtschaftliche sowie regulatorische Rahmenbedingungen.

Fotos von den Cable Days sehen Sie in den Galerien hier (Fachtagung) und hier (Networking/Cable Night).

www.cabledays.at

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