Kampf gegen Verschwendung
Österreichs Handel rettet Lebensmittel in großem Stil

Der Anteil des Handels am gesamten Lebensmittelabfall in Österreich ist seit 2020 von sieben auf sechs Prozent gesunken. Neue Zahlen zeigen zugleich, wo die größten Mengen anfallen.

Lebensmittelverschwendung bleibt in Österreich ein beträchtliches Problem. Zuletzt fielen laut aktuellen Daten des Landwirtschafts- und Umweltministeriums im Gesamtjahr insgesamt 1.175.206 Tonnen Lebensmittelabfälle an. Mehr als die Hälfte davon entstand mit 629.353 Tonnen in privaten Haushalten. Auf den Handel entfielen 71.275 Tonnen und damit sechs Prozent der Gesamtmenge. 2020 waren es noch rund sieben Prozent. Insgesamt ging die Menge der Lebensmittelabfälle in Österreich gegenüber 2020 um drei Prozent zurück.

"Jedes gerettete Lebensmittel zählt"

Für Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will zeigen die Zahlen, dass die Maßnahmen der Branche Wirkung entfalten. "Lebensmittel sind wertvoll. Sie wegzuwerfen kostet Geld und Ressourcen. Daher haben unsere Händler großes Interesse daran, die Lebensmittelrettung in den 9.400 Verkaufsstandorten weiter voranzutreiben", sagt Will. Besonders verweist er auf den rückläufigen Anteil des Handels: "Erfreulicherweise ist der Handelsanteil am Lebensmittelabfall von 7 auf 6 Prozent gesunken. Damit hat der Handel seinen Anteil um rund 14 Prozent reduziert. Österreichweit ging die Gesamtmenge der Lebensmittelabfälle über alle Sektoren um 3 Prozent zurück. Jedes gerettete Lebensmittel zählt." 

Nach Angaben des Handelsverbands spendet die Branche jährlich rund 22.000 Tonnen Lebensmittel an Sozialorganisationen. Das entspricht laut Verband mehr als 44 Millionen Mahlzeiten. Eine zentrale Rolle spielen dabei Kooperationen mit Einrichtungen wie Die Tafel Österreich. 

Billa spendet mehr als 7,1 Millionen Kilogramm

Wie groß die Mengen bei einzelnen Handelsunternehmen sind, zeigt das Beispiel Billa. Billa, Billa Plus und die selbstständigen Kaufleute spendeten von Jänner bis Ende August 2026 österreichweit 7.117.145 Kilogramm Lebensmittel an karitative Einrichtungen. Nach Angaben des Unternehmens entspricht das knapp 17 Millionen Mahlzeiten-Äquivalenten (LEADERSNET / KEYaccount berichtete).

Daneben setzt Billa auf unterschiedliche Maßnahmen, um Lebensmittel weiterzuverwenden. In den ersten acht Monaten wurden 140.161 Gebäck-Rettersackerl und 695.458 Obst- und Gemüse-Rettersackerl verkauft. Dazu kamen mehr als 1,3 Millionen Kilogramm "Wunderlinge". Mehr als zwei Millionen Kilogramm Brot und Backwaren wurden gemeinsam mit dem Futtermittelerzeuger Königshofer zu Tierfutter verarbeitet.

Seit September beteiligen sich zudem 30 Billa und zehn Billa Plus Märkte in Wien an einem Projekt zur Weitergabe von Frischfleisch an karitative Organisationen. In den ersten acht Monaten 2026 wurden im Rahmen des Projekts 1.586 Kilogramm Fleisch gespendet (LEADERSNET / KEYaccount berichtete).

Hofer rettete 1.600 Tonnen

Einen anderen Ansatz verfolgt Hofer gemeinsam mit Unverschwendet, einem österreichischen Unternehmen, das sich auf die Rettung und Weiterverarbeitung überschüssiger Lebensmittel spezialisiert hat. Die 2022 gestartete Eigenmarke "Rettenswert" verarbeitet Lebensmittel, die aufgrund von Überschüssen oder optischen Abweichungen ansonsten möglicherweise nicht genutzt würden. In vier Jahren wurden nach Angaben von Hofer mehr als 1.600 Tonnen Lebensmittel verarbeitet. Insgesamt entstanden bisher 38 Produkte in 90 verschiedenen Sorten. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Obst und Gemüse. Auch Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Kerne werden verwendet. Mindestens eine Zutat jedes "Rettenswert"-Produkts stammt laut Hofer aus geretteten Beständen von landwirtschaftlichen Betrieben, Sortieranlagen oder der Lebensmittelproduktion (LEADERSNET / KEYaccount berichtete).

Haushalte bleiben größter Hebel

Trotz der Aktivitäten des Handels zeigen die aktuellen Zahlen, dass der größte Teil der Lebensmittelabfälle an anderer Stelle entsteht. Private Haushalte waren 2024 für 54 Prozent der gesamten Menge verantwortlich. Pro Person werden laut Handelsverband jährlich rund 69 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen, davon wären rund 37 Kilogramm vermeidbar. Der Warenwert dieser vermeidbaren Abfälle wird mit etwa 400 Euro pro Person und Jahr beziffert.

Der Handelsverband unterstützt deshalb die Kampagne "Mach's wie Oma: Rette Lebensmittel!" des Landwirtschafts- und Umweltministeriums. Sie richtet sich vor allem an 18- bis 30-Jährige. Die heimischen Lebensmittelhändler wollen die Kampagne über ihre Kommunikationskanäle verbreiten.

www.handelsverband.at

www.billa.at

www.hofer.at

www.unverschwendet.at

www.tafel-oesterreich.at

www.koenigshofer-futtermittel.at

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