Fotos von der Pressekonferenz
Die Tafel Österreich und Billa weiten Frischfleischspenden aus

Seit 1. September beteiligen sich 40 Märkte in Wien. Wie das Modell funktioniert und was es sozialen Einrichtungen bringt, zeigten die Partner bei einer Pressekonferenz im "Häferl" der Stadtdiakonie Wien.

Ein paar Tische, einfache Holzsessel, weiße Gewölbedecken. An der Wand hängen Plakate von der Tafel Österreich, der Stadtdiakonie und Billa. Das Häferl im sechsten Wiener Gemeindebezirk ist kein klassischer Ort für eine Pressekonferenz. Für das Thema dieses Vormittags passt er allerdings ziemlich genau: In dem als "Wirtshaus für alle" geführten Lokal erhalten armutsbetroffene und wohnungslose Menschen an jedem Öffnungstag eine frisch gekochte Mahlzeit. Und seit einiger Zeit landet dabei immer häufiger auch Fleisch auf dem Teller.

Der Grund dafür ist ein Pilotprojekt von Billa und der Tafel Österreich, das im April 2025 mit fünf Billa- und drei Billa Plus-Märkten in Wien gestartet wurde. Frisches Fleisch, das bislang aufgrund seines unmittelbar bevorstehenden Verbrauchsdatums nicht ohne Weiteres gespendet werden konnte, wird seither unter festgelegten Bedingungen an soziale Einrichtungen weitergegeben.

Nach mehr als einem Jahr Testbetrieb ziehen die Partner nun Konsequenzen aus den Erfahrungen: Seit 1. September beteiligen sich 30 Billa- und zehn Billa Plus-Märkte in Wien an dem Projekt. Weitergegeben werden Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch aus dem Selbstbedienungsbereich.

Mehr als zwei Tonnen in der Testphase

In der Pilotphase wurden laut den Beteiligten bereits mehr als zwei Tonnen Frischfleisch an karitative Einrichtungen verteilt. Der Prozess wurde von Billa und der Tafel Österreich gemeinsam mit der Lebensmittelbehörde entwickelt. Gespendet wird ausschließlich Fleisch am Tag des Verbrauchsdatums. Besonders sensible Produkte wie Faschiertes und Innereien sind von der Weitergabe ausgenommen. Die Abholung übernehmen die Tafel Österreich beziehungsweise die beteiligten Einrichtungen. Dabei muss die Kühlkette durch Kühlfahrzeuge oder entsprechende Kühlboxen durchgehend eingehalten werden.

Auch die weitere Verwendung ist genau geregelt: Die jeweilige soziale Einrichtung entscheidet, ob das Fleisch noch vor Erreichen des Verbrauchsdatums verkocht, im Verhältnis eins zu eins weitergegeben oder tiefgekühlt wird. Geld darf dafür nicht verlangt werden. Aus Gründen der Lebensmittelsicherheit darf das Fleisch nur weitergegeben werden, solange es noch am selben Tag vollständig verarbeitet oder verkauft wird.

"Fleisch hat eine besondere Wertigkeit, gleichzeitig gelten im Fleischbereich besonders strenge gesetzliche Vorgaben und Hygienevorschriften", sagte Billa-Vorstand Robert Nagele bei der Pressekonferenz. Der Testbetrieb habe gezeigt, welches Potenzial in dem Projekt stecke.

Zweiter Fleischtag im "Häferl"

Wie sich die zusätzlichen Warenmengen in der Praxis auswirken, zeigt sich unmittelbar am Veranstaltungsort. Das Häferl der Stadtdiakonie Wien verzeichnet nach eigenen Angaben bis zu 400 Besucher:innen pro Tag. Steht ein Fleischgericht auf dem Speiseplan, werden teilweise deutlich mehr als 400 Portionen ausgegeben.

Durch die zusätzlichen Frischfleischspenden konnte die Einrichtung mittlerweile einen zweiten Fleischtag pro Woche einführen. Tobias Riener, Leiter des Häferls, bezeichnete Fleisch als "besonders kostbares Lebensmittel", das von den Besucher:innen sehr geschätzt werde. Die Spenden hätten zugleich mehr Flexibilität bei der Menügestaltung ermöglicht.

Alexandra Gruber, Geschäftsführung von der Tafel Österreich, verwies gleichzeitig auf eine Entwicklung, die soziale Einrichtungen vor neue Herausforderungen stelle: Durch optimierte Prozesse im Handel würden weniger Lebensmittel überschüssig, während der Bedarf an kostenfreier Lebensmittelhilfe gestiegen sei. Deshalb müssten zusätzliche Warenquellen erschlossen werden. Die Tafel Österreich gab nach eigenen Angaben allein 2025 mehr als 1.500 Tonnen gerettete Lebensmittel an über 85.000 Menschen in ganz Österreich weiter.

Lebensmittelrettung soll ausgeweitet werden

Für Billa ist das Fleischprojekt Teil eines größeren Maßnahmenpakets zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Nahezu jeder Billa- und Billa Plus-Markt arbeitet laut Unternehmen mit zumindest einer karitativen Einrichtung zusammen. Für 2025 nennt das Unternehmen Spenden im Gegenwert von mehr als 23 Millionen Mahlzeiten-Äquivalenten.

KEYaccount/LEADERSNET war auch mit einem Fotografen vor Ort. Alle Bilder finden Sie hier

www.tafel-oesterreich.at

www.billa.at

www.diakonie.at

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