Sparbuch, Wertpapierdepot bei der Hausbank oder Trading-App: Bei der zweiten Ausgabe von Business Above ging es um die Frage, wem die junge Generation ihr Geld anvertraut und welche Angebote ihren Erwartungen an Einfachheit, Sicherheit und Selbstbestimmung entsprechen.
Gastgeber Viktor Lisowski (Ceba Gruppe, Foodsavers) lud dazu in die Executive Lounge am Erste Campus. Auf dem Podium diskutierten Gerda Holzinger-Burgstaller von der Erste Bank, Markus Lang von Speed Invest, der frühere Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll, der nun an der Spitze des ÖFB steht, von Leipnik-Lundenburger Invest sowie Thomas Steiner von der Oesterreichischen Nationalbank. Die Moderation übernahm Unternehmer Marcello Demner von DMB.
"Junge Menschen wollen ihre finanziellen Entscheidungen schnell, digital und eigenverantwortlich treffen. Gleichzeitig wünschen sie sich Vertrauen, Sicherheit und kompetente Orientierung", sagte Viktor Lisowski. Mit der Veranstaltungsreihe wolle er unterschiedliche Perspektiven auf dieses Spannungsfeld zusammenbringen.
Banken müssen bei der Nutzungserfahrung aufholen
Gerda Holzinger-Burgstaller zeigte sich überzeugt, dass traditionelle Banken auch für die Gen Z relevant bleiben können. Neo-Broker hätten keine grundsätzlich neuen Finanzprodukte geschaffen, diese jedoch einfacher zugänglich und digital besser nutzbar gemacht. Bei der Customer Journey hätten klassische Institute daher Aufholbedarf.
Einen Vorteil der etablierten Banken sieht Holzinger-Burgstaller weiterhin im persönlichen Kontakt. Gerade in unsicheren Phasen sei individuelle Beratung gefragt. Auch künstliche Intelligenz werde diese ihrer Einschätzung nach nicht vollständig ersetzen. Junge Kund:innen würden zwar unterschiedliche KI-Modelle nutzen, könnten deren Vertrauenswürdigkeit jedoch nicht immer beurteilen. Beim Bildungssystem sieht sie daher Reformbedarf im Umgang mit der Technologie.
Markus Lang erwartet hingegen keine klare Entscheidung zwischen Hausbank und Neo-Broker. Vielmehr würden Kund:innen je nach Anwendungsfall unterschiedliche Anbieter wählen – etwa die klassische Bank für das Gehaltskonto und eine Trading-App für Wertpapiergeschäfte. Digitale Anbieter hätten insbesondere bei der Benutzerführung Vorteile.
Mit künstlicher Intelligenz erwartet der Investor kurzfristig weitreichende Veränderungen, wobei Regulierung und Verantwortung zentrale Fragen bleiben würden. "Wo soll Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren herkommen, wenn nicht aus Innovation? Wir müssen mutiger werden", so Lang.
Traditionelles und digitales Banking dürften parallel bestehen
Für Josef Pröll geht es nicht mehr darum, ob neue Anbieter die klassische Hausbank vollständig ersetzen. Entscheidend sei vielmehr, welche Rolle die jeweiligen Geschäftsmodelle künftig einnehmen. Persönliche Beratung werde weiterhin gefragt bleiben, während traditionelle Institute ihre technologischen Möglichkeiten stärker nutzen müssten.
Österreich begegne neuen Technologien häufig mit Skepsis, sagte Pröll. Gerade bei künstlicher Intelligenz seien Sorgen spürbar, weshalb Politik und Wirtschaft stärker für Innovationen und deren sinnvollen Einsatz werben müssten.
Auch Thomas Steiner sieht Neo-Banken vor allem als Impulsgeber für etablierte Institute. Digitale Anbieter würden viele Leistungen erbringen, die es im klassischen Bankgeschäft bereits gebe, zwängen dieses jedoch zur Weiterentwicklung. Finanzbildung sei dabei nicht ausschließlich Aufgabe des Staates, sondern beginne auch in den Familien.
Moderator Marcello Demner fasste die Entwicklung mit dem wachsenden Wunsch nach Eigenständigkeit zusammen: "Die Devise 'do it yourself' gewinnt aktuell." Mit KI stehe zugleich die nächste technologische Veränderung bevor, auf die traditionelle Banken reagieren müssten.
Unterstützt wurde die zweite Ausgabe von der TPA Group und der Wiener Wirtschaftskanzlei Akela. Thomas Haneder, Managing Partner der TPA Group, verwies darauf, dass auch die Steuerberatung neue Technologien und veränderte Perspektiven stärker berücksichtigen müsse. Akela-Gründungspartner Martin Kollar kündigte an, das Format weiterhin zu unterstützen.
Gäste aus Wirtschaft, Finanzbranche und Politik
Der Einladung folgten Andreas Bertl (Uniqa Capital Markets), Zeljko Drmic (McShark), Johannes Edlbacher (PwC), Christina Eremit (Eremit Display), Leo Exner (Avalon Invest), Michael Flandorfer (Fairplane), Thomas-Peter Gerold-Siegl (Kiwi Wien), Aleksandar Gros und Daniel Gros (GPF Global), Marcel Haar (Frequentis), Thomas Haneder (TPA), Laszlo Helbig (TV Salon) und der frühere Bundesminister Norbert Hofer. Mit dabei waren außerdem Georg Höhne (Kronos Advisory), Roland Jacubetz (Erste Bank Private Banking), Fabian Kasztler (Junge Industrie Wien), Rudi Klausnitzer (DMC Group), Kevin Klug (Baker Tilly), Martin Kollar (Akela), Gerhard Kornfeld (Kornfeld Industrie Beteiligung), Hadil Krenn (Own It Now), Christoph Lehner (Arnold Investments), Marc Lager (DLA Piper), Andreas Maleschek (WSK Bank), Igor Ostojic (Erste Bank), Paolo Pontasch (CBRE Private Wealth) und Adolf Potzmann (Marchfelder Bank). Ebenfalls begrüßt wurden Wolfgang Rosenberger (Landzeit Autobahn-Restaurants), Tim Schächtner (Shisu Burger, Lido Bar), Benedikt Schindelar (LGT Private Banking), Gerald Sinabell (TPA), Martin Skelo (Industriellenvereinigung), Carl Ludwig Schönfeldt (Curawell), Jürgen Teubenbacher (Robin Mood), Wolfgang Wagner (EHL), Andreas Weilhartner (GrECo Group) und Kristina Zwirner (Manstein Zeitschriftenverlag).
Fotos von der zweiten "Business Above"-Ausgabe sehen Sie in der Galerie.
www.businessabove.at
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