Die Städte Linz und Wels wollen ihre wirtschaftlichen Potenziale künftig stärker gemeinsam nutzen. Dazu präsentierten die Bürgermeister Dietmar Prammer (Linz) und Andreas Rabl (Wels) gemeinsam mit dem Präsidenten der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ), Thomas Bründl, und deren Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch ein 13-Punkte-Programm. Grundlage ist die von der Stadt Linz und der IV OÖ beauftragte Studie "Zukunftsprofil für das Wirtschafts- und Innovationsökosystem Linz-Wels" unter Leitung von JKU-Professor Robert M. Bauer, für die 70 Gespräche mit Führungskräften regionaler Leitbetriebe geführt wurden.
Wirtschaftsregion mit hoher industrieller Bedeutung
Der Großraum Linz-Wels zählt rund 600.000 Einwohner:innen und umfasst neben den beiden Städten unter anderem Leonding, Traun, Marchtrenk, Ansfelden und Pasching. Mit einem durchschnittlichen regionalen Einkommen von knapp 43.000 Euro liegt Linz-Wels österreichweit an der Spitze. Das Bruttoregionalprodukt pro Kopf erreichte 2023 rund 66.000 Euro und damit einen der höchsten Werte des Landes.
Für den Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer ist die engere Zusammenarbeit ein wesentlicher Schritt. "Diese Zusammenarbeit ist ein Novum: Zwei Statutarstädte arbeiten über Stadtgrenzen hinweg an einer gemeinsamen Vision für den Wirtschaftsraum Linz-Wels", so Prammer. Ziel sei es, vorhandene Kompetenzen stärker miteinander zu verknüpfen und gemeinsam mit Unternehmen neue Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.
Auch der Welser Bürgermeister Andreas Rabl sieht Handlungsbedarf. Bei Betriebsansiedlungen stehe die Region zunehmend im internationalen Wettbewerb. Unternehmen würden Standorte europaweit vergleichen, weshalb ein gemeinsamer Auftritt wichtiger werde. "Mit dem Kirchturmdenken von gestern werden wir die Herausforderungen von morgen nicht lösen", betont Rabl.
Gemeinsame Betriebsflächen und weniger Bürokratie
Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen. Vorgesehen sind eine engere Abstimmung zwischen den Stadtverwaltungen, digitale Genehmigungsverfahren sowie die gemeinsame Nutzung von Sachverständigenressourcen. Dadurch sollen betriebliche Vorhaben rascher abgewickelt werden können. Darüber hinaus ist die Einrichtung einer gemeinsamen Flächenentwicklungsagentur geplant. Diese soll geeignete Industrie- und Gewerbeflächen erfassen, entwickeln und vermarkten. Auch die internationale Standortvermarktung soll künftig stärker koordiniert werden. Unter der Bezeichnung "Linz-Wels Metropolitan Area" wird ein gemeinsamer Auftritt bei internationalen Wirtschaftsveranstaltungen und Fachmessen angestrebt.
IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl begrüßt insbesondere die Zusammenarbeit über politische und kommunale Grenzen hinweg. Für internationale Unternehmen seien Faktoren wie Infrastruktur, verfügbare Arbeitskräfte und Investitionsmöglichkeiten ausschlaggebend. "Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob sich ein Unternehmen für Linz oder Wels entscheidet, sondern ob die Investition überhaupt in Österreich stattfindet", so Bründl.
Zukunftstechnologien sollen neue Geschäftsfelder eröffnen
Die vorgestellte Strategie setzt neben der Weiterentwicklung bestehender Industriebetriebe auf zwei technologische Schwerpunkte. Unter "Industrial Intelligence" wird die Verbindung von industrieller Produktion mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz verstanden. Dazu gehören beispielsweise intelligente Fertigungssysteme, digitale Zwillinge und datenbasierte Prozessoptimierungen.
Der zweite Schwerpunkt, "Clean Technologies", umfasst unter anderem Wasserstofftechnologien, Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien und klimafreundliche Produktionsverfahren. Als regionale Beispiele werden in der bereits erwähnten Studie "Zukunftsprofil für das Wirtschafts- und Innovationsökosystem Linz-Wels" unter anderem Emmi AI, voestalpine greentec steel und Fronius International genannt.
Die Untersuchung zeigt allerdings auch Herausforderungen auf. Dazu zählen eine schleichende Deindustrialisierung, die Abhängigkeit von der deutschen Automobilindustrie sowie ein bislang wenig entwickeltes Start-up-Ökosystem. Mit dem Konzept einer "doppelten industriellen Erneuerung" sollen deshalb bestehende wirtschaftliche Stärken gesichert und gleichzeitig neue Geschäftsfelder erschlossen werden.
IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch verweist dabei auf den internationalen Konkurrenzdruck: "Unsere Unternehmen können sich ihre Konkurrenten nicht aussuchen. Sie müssen weltweit bei Technologie, Qualität, Innovation und Produktivität an der Spitze mitspielen."
Ausbildung, Verkehr und politische Abstimmung
Weitere Maßnahmen betreffen die Qualifizierung von Fachkräften und den Ausbau der Infrastruktur. Gemeinsam mit der Johannes Kepler Universität, der FH Oberösterreich, den HTLs und der Industrie sollen Ausbildungsschwerpunkte in AI Engineering, Industrial Intelligence und Aerospace Engineering aufgebaut beziehungsweise gebündelt werden. Vorgesehen ist zudem eine Weiterentwicklung der technischen Ausbildung im Sinne einer "Mechatronik 2.0". Auch die frühzeitige Förderung technischer und naturwissenschaftlicher Kompetenzen ist Teil des Programms.
Im Verkehrsbereich soll der öffentliche Verkehr zwischen Linz, Wels und den umliegenden Gemeinden verbessert werden. Geplant sind höhere Taktfrequenzen, attraktivere Fahrzeiten für Pendler:innen sowie ein Ausbau überregionaler Verbindungen, beispielsweise in Richtung München.
Zur Koordination der Vorhaben ist eine politische Steuerungsgruppe unter Beteiligung der Gemeinden und des Landes Oberösterreich vorgesehen. Ergänzend sollen gemeinsame Veranstaltungsformate wie ein Linz-Wels-Innovationsgipfel den Austausch zwischen Wirtschaft, Forschung und Politik fördern.
Für die Umsetzung brauche es laut Haindl-Grutsch auch Unterstützung durch Land und Bund, insbesondere bei Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie Forschung und Hochschulen.
LEADERSNET war bei der Veranstaltung. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.
www.oberoesterreich.iv.at
www.linz.at
www.wels.at
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