Grünes Licht für Carbon Capture and Storage
Österreich hebt CO2-Speicherverbot für Industriebetriebe auf

| Tobias Seifried 
| 21.09.2026

Für Zement-, Kalk- und Stahlhersteller soll die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid künftig möglich werden. Diese prozessbedingten Emissionen lassen sich selbst mit erneuerbarer Energie nicht vollständig vermeiden.

Österreich will die geologische Speicherung von CO₂ ermöglichen und damit einen weiteren Baustein der Industriestrategie 2035 umsetzen. Vor allem für energieintensive Branchen wie Zement, Kalk und Stahl soll damit die Möglichkeit geschaffen werden, schwer vermeidbare Emissionen abzuscheiden und dauerhaft unterirdisch zu speichern.

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht darin insbesondere eine Frage der Planungssicherheit. Wer heute in ein Zementwerk oder eine Stahlanlage investiere, müsse wissen, ob dort auch in 15 Jahren noch produziert werden könne. Bei bestimmten industriellen Prozessen entstehe CO₂ unabhängig von der verwendeten Energie. "Mit der Aufhebung des Speicherverbots geben wir diesen Betrieben eine Perspektive am Standort Österreich", so Hattmannsdorfer.

Warum Ökostrom allein nicht ausreicht

Bei der Zementherstellung entsteht CO₂ beim Erhitzen von Kalkstein und damit unabhängig davon, ob fossile oder erneuerbare Energie eingesetzt wird. Ähnliches gilt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums für Teile der Kalk- und Stahlproduktion. Dass entsprechende Technologien bereits in der Praxis erprobt werden, zeigt ein aktuelles Projekt in Oberösterreich: Scheuch betreibt im Zementwerk Kirchdorf eine Pilotanlage, die CO₂ direkt aus dem industriellen Abgasstrom abscheidet und Erkenntnisse für einen Einsatz in größerem Maßstab liefern soll (LEADERSNET berichtete).

Carbon Capture and Storage (CCS) geht einen Schritt weiter: Das abgeschiedene CO₂ wird verdichtet, transportiert und in geeigneten geologischen Formationen dauerhaft eingelagert. Dafür kommen unter anderem ausgeförderte Erdgaslagerstätten infrage.

Der Gesetzesentwurf soll der geologischen CO₂-Speicherung zudem ein überragendes öffentliches Interesse einräumen. Damit soll die notwendige Rechtsgrundlage geschaffen werden, um entsprechende Projekte planen und genehmigen zu können. Mit einer breiteren industriellen Verfügbarkeit der Technologie rechnet das Ministerium ab Mitte der 2030er-Jahre.

Auch Emissionshandel spielt eine Rolle

Für Industriebetriebe hat CCS auch eine finanzielle Dimension. So fallen für abgeschiedenes und dauerhaft gespeichertes CO₂ laut Ministerium keine entsprechenden Zertifikatskosten im europäischen Emissionshandel an. Die Regierung verspricht sich davon bessere Voraussetzungen für langfristige Investitions- und Standortentscheidungen.

Hattmannsdorfer bezeichnet die Aufhebung des Speicherverbots als "dritten Umsetzungsschritt unserer Industriestrategie innerhalb einer Woche". Zuvor wurden der Industriestrompreis und die Erweiterung des Standortabsicherungsgesetzes auf den Weg gebracht. Damit werde die Entlastung laut Wirtschaftsminister "von rund 60 auf über 500 Betriebe ausgeweitet". Direkt oder indirekt hingen rund 600.000 Arbeitsplätze von diesen Unternehmen ab.

Die Industriestrategie 2035 umfasst insgesamt 117 Maßnahmen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind davon mittlerweile mehr als 37 Prozent umgesetzt oder befinden sich in Umsetzung.

www.bmwet.gv.at

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