Fotos des Netzwerkabends
Austrian Leading Sights diskutiert in Kufstein über neue Erlösquellen

Rund 30 Teilnehmer:innen tauschten sich im Rahmen des Workshops aus, der vor einem angespannten Hintergrund stattfand: Viele Mitgliedsbetriebe melden sinkende Besucherzahlen, während in Wien über eine neue Kulturabgabe diskutiert wird.

Mit einer Besichtigung der Festung Kufstein, einem gemeinsamen Abendessen und einem fachlichen Austausch über den Handel in touristischen Einrichtungen brachte Austrian Leading Sights am 11. und 12. September Vertreter:innen seiner Mitgliedsbetriebe in Tirol zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Shops in Museen und Sehenswürdigkeiten gestaltet, organisiert und wirtschaftlich weiterentwickelt werden können.

Das Thema gewinnt angesichts rückläufiger Frequenzen zusätzliche Bedeutung. Laut einer aktuellen Mitgliederbefragung von Austrian Leading Sights verzeichnete ein Großteil der teilnehmenden Institutionen im bisherigen Jahresverlauf weniger Besucher:innen als im Vergleichszeitraum 2025. Zugleich spricht sich der Verein gegen den in Wien diskutierten Kultureuro aus, der Eintrittskarten zusätzlich verteuern könnte.

Ladengestaltung beeinflusst das Kaufverhalten

Beim Workshop stellten Vertreter:innen der Schönbrunn Group drei unterschiedliche Shopkonzepte vor. Dabei ging es unter anderem darum, wie Warenplatzierung, Düfte und Musik das Kaufverhalten beeinflussen können. Das MuseumsQuartier Wien gab Einblicke in die organisatorische und betriebliche Führung seiner Verkaufsflächen sowie in die Positionierung des Sortiments. Emanuel Präauer, Geschäftsführer der Festung Kufstein, präsentierte das Handelskonzept der gastgebenden Sehenswürdigkeit. Tourismusberater Richard Bauer stellte zudem die Ergebnisse einer Befragung vor, die den aktuellen Entwicklungsstand der Shops innerhalb der Mitgliedsbetriebe abbilden soll.

Ergänzt wurden die Beiträge durch Perspektiven aus dem Einzelhandel. Markus Knoflach, Vertriebsleiter bei Josef Manner & Comp. AG, berichtete aus der Praxis der nach Vereinsangaben 15 Manner-Shops in Österreich und ging auf Sortimentsgestaltung sowie Kooperationen ein. Jeremy Ensor, Managing Director von Wild Republic, behandelte die Konzeption von Verkaufsflächen, die Präsentation von Produkten und häufige Fehler bei der Umsetzung.

Mitglieder melden rückläufige Besucherzahlen

Der Austausch in Kufstein erfolgte vor einem schwierigen Branchenhintergrund. Einer aktuellen Befragung von Austrian Leading Sights zufolge meldeten 80 Prozent der teilnehmenden Institutionen sowohl für Juli als auch für August 2026 weniger Besucher:innen als in den jeweiligen Vorjahresmonaten. Rund 40 Prozent davon hätten einen Rückgang von mehr als zehn Prozent verzeichnet. 

Seit Jahresbeginn hätten 88 Prozent der befragten Mitglieder ein Minus gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum registriert. Besonders deutlich sei die Entwicklung in Wien. Rückgänge seien jedoch auch aus Tirol, Salzburg, Niederösterreich, dem Burgenland und Kärnten gemeldet worden.

Nächtigungsrekord erreicht nicht alle Ausflugsziele

Laut Statistik Austria verzeichneten die heimischen Beherbergungsbetriebe im Juli 2026 rund 19,46 Millionen Nächtigungen und damit um 4,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Ankünfte stieg um 9,3 Prozent. Von Mai bis Juli erreichten die Nächtigungen mit 41,87 Millionen einen neuen Höchstwert für diesen Zeitraum. Auch Wien verbuchte ein Plus: In der Bundeshauptstadt lagen die Nächtigungen von Mai bis Juli um 5,1 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres (LEADERSNET berichtete). 

Die amtliche Statistik erfasst jedoch Ankünfte und Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben, nicht die Frequenz von Museen, Kulturinstitutionen und Ausflugszielen. Steigende Gästezahlen führen daher nicht zwangsläufig zu höheren Besucherzahlen bei einzelnen Sehenswürdigkeiten.

Widerstand gegen Wiener Kultureuro wächst

Vor diesem Hintergrund spricht sich Austrian Leading Sights gegen den derzeit diskutierten Wiener Kultureuro aus. Die Stadt prüft eine neue Landesabgabe auf Eintrittskarten für Konzerte, Theater und Museen. Neben einer fixen Abgabe von einem Euro steht Medienberichten zufolge ein prozentueller Aufschlag von etwa 12,5 Prozent zur Diskussion. Die konkrete Ausgestaltung ist noch offen – die Einnahmen sollen laut Stadt zweckgebunden der Kultur zugutekommen.

Kritik kommt auch von der Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft (IGÖV). Sie warnt vor höheren Ticketpreisen, möglichen Besuchsrückgängen und Wettbewerbsnachteilen bei internationalen Tourneen. Nach Berechnungen des Verbandes könnte die Abgabe jährlich bis zu 120 Millionen Euro einbringen und einen Rückgang der Wiener Wertschöpfung um rund 500 Millionen Euro auslösen.

Internationale Vermarktung bleibt ein Schwerpunkt

Neben der Entwicklung zusätzlicher Angebote und Erlösquellen setzt Austrian Leading Sights auf die internationale Vermarktung seiner Mitglieder. Bereits beim sechsten Vereinskongress im Oktober 2025 standen ausländische Gästemärkte und die Internationalisierung des Tourismus im Mittelpunkt (LEADERSNET berichtete).

Im März 2026 präsentierte sich der Verein auf der ITB Berlin (LEADERSNET berichtete). Seit Juli wirbt zudem eine großformatige Inszenierung am Flughafen Wien bei internationalen Reisenden für heimische Kultur- und Ausflugsziele (LEADERSNET berichtete).

Einen Eindruck von der Netzwerkveranstaltung in Kufstein können Sie sich mittels Galerie verschaffen. 

www.austrianleadingsights.at

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