Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Juni erstmals seit 2023 die Leitzinsen angehoben hatte (LEADERSNET berichtete), legten die Währungshüter bei ihrer Sitzung im Juli zunächst eine Zinspause ein (LEADERSNET berichtete). Nun folgt der nächste Schritt: Zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht die EZB die Leitzinsen.
Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag, alle drei Leitzinssätze, um jeweils 25 Basispunkte anzuheben. Mit Wirkung vom 16. September 2026 steigt der Zinssatz für die Einlagefazilität auf 2,50 Prozent. Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte erhöht sich auf 2,65 Prozent, jener für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,90 Prozent.
Als Grund für die erneute Straffung nennt die EZB den anhaltenden Inflationsdruck. Der Konflikt im Nahen Osten trägt nach Einschätzung der Notenbank dazu bei, dass die Teuerung voraussichtlich noch längere Zeit deutlich über dem mittelfristigen Zielwert von zwei Prozent bleiben wird.
Inflation steigt auf 3,3 Prozent
Im August erreichte die Inflationsrate im Euroraum 3,3 Prozent (LEADERSNET berichtete), nach 2,9 Prozent im Juli (LEADERSNET berichtete). Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Energie aus. Hier erhöhte sich die Teuerungsrate von 10,3 Prozent im Juli auf 14,3 Prozent im August. Als wesentliche Faktoren nennt die EZB höhere Raffineriemargen für flüssige Brennstoffe sowie gestiegene Preise für Energierohstoffe.
Ohne Energie und Nahrungsmittel ging die Inflation hingegen leicht von 2,5 auf 2,4 Prozent zurück. Bei Dienstleistungen verringerte sich die Teuerungsrate von 3,3 auf 3,0 Prozent, während sie bei Waren von 0,9 auf 1,2 Prozent stieg.
Die EZB geht davon aus, dass der Inflationsdruck vorerst erhöht bleibt. Höhere Energiepreise dürften sich schrittweise auch auf die Kerninflation und die Lebensmittelpreise auswirken. Gegen Ende 2027 soll sich die Gesamtinflation wieder in Richtung des Zielwerts bewegen.
Inflationsprognosen für 2027 und 2028 angehoben
Auch die neuen Projektionen zeigen, dass die Teuerung länger erhöht bleiben dürfte. Im Basisszenario rechnen die Fachleute der EZB für 2026 mit einer durchschnittlichen Gesamtinflation von 3,0 Prozent. Für 2027 werden 2,5 Prozent und für 2028 2,1 Prozent erwartet.
Gegenüber den Berechnungen vom Juni blieb die Prognose für 2026 unverändert, während die Erwartungen für 2027 und 2028 nach oben korrigiert wurden. Bei der Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel geht die EZB im Basisszenario für 2026 von 2,5 Prozent aus. Für 2027 werden 2,6 Prozent und für 2028 2,3 Prozent erwartet.
Mit der erneuten Zinserhöhung verfolgt der EZB-Rat weiterhin das Ziel, die Inflation auf mittlere Sicht bei zwei Prozent zu stabilisieren.
Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähiger
Gleichzeitig fallen die Wachstumserwartungen für die kommenden Jahre etwas günstiger aus als bisher angenommen. Für 2026 prognostiziert die EZB ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaftsleistung des Euroraums um 1,4 Prozent und 2028 um 1,5 Prozent zulegen.
Für 2027 und 2028 wurden die Prognosen gegenüber Juni nach oben revidiert. Nach Einschätzung der EZB ist dafür vor allem ausschlaggebend, dass sich die Wirtschaft des Euroraums widerstandsfähiger entwickelt als erwartet.
Unsicherheit bleibt hoch
Trotz der verbesserten Wachstumserwartungen bleibt der weitere Ausblick von großer Unsicherheit geprägt. Bei der Inflation sieht die EZB die Risiken vor allem auf der Oberseite, während die Risiken für das Wirtschaftswachstum nach unten gerichtet sind.
Wie stark sich der Energieschock letztlich auf Wachstum und Inflation auswirkt, hängt laut EZB unter anderem von seiner Intensität und Dauer sowie von indirekten Auswirkungen und möglichen Zweitrundeneffekten ab. Die von den Fachleuten erstellten Szenarien zeigen daher eine breite Spanne möglicher Entwicklungen.
Freud und Leid
Für Sparer:innen sind steigende Leitzinsen grundsätzlich gute Nachrichten, auch wenn die Teuerungsrate weiterhin deutlich über den Zinssätzen liegt und sich Banken mit der Weitergabe höherer Zinsen Zeit lassen.
Für Kreditnehmer:innen bedeuten höhere Zinsen hingegen zusätzliche Belastungen. Bei bestehenden Bankkund:innen betrifft das vor allem jene, die einen Kredit mit variablem Zinssatz abgeschlossen haben. Auch Unternehmen müssen mit höheren Finanzierungskosten rechnen, wenn sie für Investitionen oder Expansionsvorhaben neue Kredite aufnehmen.
Weiterer Zinskurs bleibt offen
Ob nach der zweiten Zinserhöhung des Jahres weitere Schritte folgen, lässt die EZB offen. Über den angemessenen geldpolitischen Kurs soll weiterhin von Sitzung zu Sitzung und abhängig von der aktuellen Datenlage entschieden werden.
Maßgeblich seien dabei die Inflationsaussichten und die damit verbundenen Risiken vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschafts- und Finanzdaten. Zudem berücksichtige der EZB-Rat die Entwicklung der zugrunde liegenden Inflation und die Stärke der geldpolitischen Transmission.
Auf einen bestimmten Zinspfad für die kommenden Monate legt sich die Zentralbank ausdrücklich nicht im Voraus fest.
www.ecb.europa.eu
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