Fotos von der FEEI-Jahrespressekonferenz
Elektroindustrie sieht erste Erholung und fordert neue Impulse für den Standort

Nach der Rezession zeigen sich erste positive Entwicklungen. Gleichzeitig bleiben Kosten, internationale Unsicherheiten und Wettbewerbsdruck zentrale Herausforderungen für die Branche. Der FEEI plädiert daher für gezielte Maßnahmen in den Bereichen Innovation, Investitionen und europäische Wertschöpfung.

Die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie verzeichnet nach zwei Jahren rückläufiger Entwicklung erste positive Signale. Auftragseingänge, Produktionswert und Umsatz konnten sich 2025 wieder verbessern und erreichten laut dem Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) erneut das Niveau von 2022. Auch die aktuellen Entwicklungen im Jahr 2026 würden diesen Trend bestätigen. 

Trotz dieser vorsichtigen Erholung bleibt die Situation angespannt. Die Beschäftigungszahlen gingen 2025 erneut zurück. Die Branche verlor im Vergleich zum Vorjahr rund 1.500 Arbeitsplätze, was einem Rückgang von 2,0 Prozent entspricht. Gleichzeitig belasten internationale Spannungen, hohe Standortkosten und der zunehmende globale Wettbewerb die Unternehmen. 

"Die aktuellen Zahlen sind ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung. Die Industrie braucht jetzt Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig stärken", sagt FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun.

Internationale Konkurrenz fordert Standortpolitik 

Für den Fachverband Elektro- und Elektronikindustrie müsse die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs und Europas stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Branche sei besonders exportorientiert: Acht von zehn erwirtschafteten Euro würden im Ausland erzielt. Damit stehe die österreichische Elektroindustrie unmittelbar im internationalen Vergleich. 

Gleichzeitig zählt Österreich laut FEEI zu den teuersten Industriestandorten innerhalb der Europäischen Union. Die hohen Arbeitskosten würden die Unternehmen zusätzlich unter Druck setzen und die Notwendigkeit wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen verstärken.

Moderate Lohnabschlüsse als Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit

Eine wichtige Rolle für die Standortentwicklung spielt aus Sicht des FEEI auch der jüngste Kollektivvertragsabschluss der Branche. Mit einer durchschnittlichen IST-Erhöhung von 2,32 Prozent liege dieser unter der rollierenden Inflation von 3,3 Prozent. 

Hesoun sieht darin ein Beispiel für ausgewogene Lösungen zwischen den Interessen der Beschäftigten und den Anforderungen der Unternehmen: "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten braucht es ausgewogene Lösungen, die sowohl die Kaufkraft der Beschäftigten als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen berücksichtigen. Der jüngste KV-Abschluss zeigt, dass dies möglich ist."

Kritische Infrastruktur soll widerstandsfähiger werden

Neben der Wettbewerbsfähigkeit rückt für den FEEI zunehmend die Widerstandsfähigkeit industrieller Strukturen in den Fokus. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass Europa bei Energieversorgung, digitalen Netzwerken, Lieferketten und technologischen Schlüsselbereichen verwundbar sei. 

Die Elektro- und Elektronikindustrie spiele dabei eine zentrale Rolle, da Unternehmen der Branche Technologien für Stromversorgung, Digitalisierung und industrielle Prozesse bereitstellen.

"Resilienz entscheidet darüber, ob unsere Stromnetze, Kommunikationssysteme und industriellen Wertschöpfungsketten auch in Krisenzeiten funktionieren. Investitionen in kritische Infrastruktur und technologische Schlüsselkompetenzen müssen daher höchste Priorität haben", erklärt Hesoun und fordert in diesem Zusammenhang die Umsetzung des Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes.

Öffentliche Beschaffung als Instrument für europäische Wertschöpfung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt für den FEEI auf der öffentlichen Beschaffung. Die öffentliche Hand verfüge mit ihren jährlichen Investitionen über einen wichtigen Hebel, um Innovation, europäische Produktion und Versorgungssicherheit zu unterstützen. 

Nach Ansicht des Fachverbands sollten bei Vergaben künftig nicht ausschließlich die Kosten entscheidend sein. "Öffentliche Beschaffung darf nicht ausschließlich nach dem niedrigsten Preis erfolgen. Kriterien wie Qualität, Innovationskraft und europäische Wertschöpfung müssen deutlich stärker berücksichtigt werden", fordert Hesoun. 

Als Beispiel verweist der FEEI auf die Auswirkungen des "Made in Europe-Bonus". Die vom Wirtschaftsministerium veröffentlichten Zahlen zur Photovoltaik-Förderung (LEADERSNET berichtete) würden zeigen, dass bereits knapp jeder zweite Förderantrag in Österreich auf europäische Komponenten wie Wechselrichter, PV-Module oder Stromspeicher setze.

Klimaziele und industrielle Stärke verbinden

Der FEEI sieht darin auch ein Beispiel dafür, dass Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung gemeinsam verfolgt werden können. Besonders für energieintensive Industrien sei die Möglichkeit zur CO₂-Speicherung (CCS) ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Der Fachverband unterstütze den Vorschlag des Wirtschaftsministers, Klimagesetz, CCS-Gesetz und UVP-Novelle gemeinsam umzusetzen. "Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung dürfen kein Widerspruch sein. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die beides ermöglichen: ambitionierte Klimaziele und eine starke Industrie in Österreich", sagt Hesoun.

Mehr privates Kapital für Innovation erforderlich

Neben Infrastrukturmaßnahmen sieht der FEEI auch die stärkere Nutzung privaten Kapitals als entscheidenden Faktor für die Zukunft des Industriestandorts. Österreich verfüge zwar über ausreichende finanzielle Mittel, jedoch würden diese laut Fachverband noch nicht ausreichend in produktive Investitionen fließen. 

"Österreich verfügt über ausreichend Kapital, aber zu wenig davon gelangt in produktive Investitionen. Wer Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit stärken will, muss Finanzbildung fördern und bessere Anreize für langfristige Veranlagungen schaffen", erklärt Hesoun.

Der FEEI spricht sich daher für eine stärkere Finanzbildung, eine Weiterentwicklung des Kapitalmarkts sowie Maßnahmen aus, um privates Kapital gezielter für Innovation, Digitalisierung und industrielle Transformation einzusetzen.

Jetzt entscheidende Weichen stellen

Die aktuellen Konjunkturdaten würden laut FEEI zeigen, dass die Branche eine Stabilisierung erreicht habe. Damit daraus eine nachhaltige Erholung entstehen könne, seien jedoch weitere politische und wirtschaftliche Maßnahmen notwendig. 

"Die Industrie ist das Fundament für Wohlstand, Innovation und Versorgungssicherheit. Jetzt gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Europa seine Zukunft aktiv gestaltet, statt nur auf Krisen zu reagieren", so Hesoun abschließend.

Einen Eindruck von der Jahrespressekonferenz können Sie sich hier machen. 

www.feei.at

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