Die ersten Lebkuchen liegen bereits seit August in den Supermarktregalen, und mit den ersten kühlen Herbsttagen rückt auch der Advent wieder in Sichtweite. Was lange als Vorlaufzeit zur eigentlichen Wintersaison galt, ist für den heimischen Tourismus inzwischen ein eigenes Geschäftsfeld: Im November 2025 etwa zählte Österreich 5,7 Millionen Nächtigungen und damit den höchsten November-Wert seit 1974. Im Dezember kamen 13,9 Millionen dazu – ein Plus von 9,9 Prozent. Getragen wird diese Entwicklung vor allem von internationalen Gästen. Wie stark der heimische Adventtourismus inzwischen auch über Österreich hinaus wahrgenommen wird, zeigt sich heuer in Wels, denn die oberösterreichische Stadt erhielt für ihr Gesamtkonzept jüngst eine internationale Auszeichnung.
Internationale Jury zeichnete Welser Gesamtkonzept aus
Konkret wurde Wels mit dem Titel "European City of Christmas 2026" in der Kategorie der Städte zwischen 10.000 und 100.000 Einwohner:innen geehrt. Damit reiht sich die oberösterreichische Stadt neben das spanische Barcelona, das heuer als "European Capital of Christmas" geehrt wurde, und das maltesische Kirkop, welches nun den Titel "European Village of Christmas" tragen darf. Gefallen ist die Entscheidung bereits am 25. November 2025 im irischen Waterford, den Vorsitz des siebenköpfigen Gremiums führte dort die frühere EU-Kommissarin Danuta Hübner. Die feierliche Preisverleihung folgte am 13. Dezember 2025 in Vilnius.
Ausschlaggebend war für die Jury nicht ein einzelner Programmpunkt, sondern das Zusammenspiel aus Weihnachtskultur, Brauchtum, Bürgerbeteiligung, Familienfreundlichkeit und der Inszenierung der kompletten Innenstadt. Ausdrücklich hervorgehoben wurden das LED-Konzept, die Märkte, der Lichterpfad und das "Himmlische Wolkenreich" im Ledererturm. "Mit der Welser Weihnachtswelt feiern wir Weihnachten mit dem Christkind wie früher. Aus einem kleinen Weihnachtsmarkt wurde in 20 Jahren eine ganze Weihnachtswelt, die Tradition und Heimat in den Vordergrund stellt", erklärt Welser Bürgermeister Andreas Rabl.
Eine ganze Innenstadt wird zur Weihnachtswelt
Den Mittelpunkt bildet die Bergweihnacht am Stadtplatz, auf dem ein Hüttendorf, Kunsthandwerk, Chöre und Blasmusik zusammenkommen. 2026 kommen eine rund 550 Quadratmeter große Echt-Eisfläche und eine neue Christkindbühne mit täglichem Programm dazu, am Minoritenplatz entsteht zudem ein neuer Kunsthandwerksmarkt. Dazu kommen der Winterzauber im Pollheimerpark mit Fahrgeschäften und Lichtinszenierungen, der Gösser Biergarten Advent und der Ledererturm, in dem seit 18 Jahren das Christkind wohnt und jährlich rund 7.500 Wunschzettel beantwortet werden. Rund 120 Standbetreiber:innen sind im Einsatz, über 350 Geschäfte und Gastronomiebetriebe ziehen mit.
Verbunden werden die Schauplätze über den Welser Lichterpfad, der 2026 auf 2,2 Kilometer und 31 Lichtinstallationen anwächst. Mehr als 850.000 LED-Lichtpunkte, rund 70 Kilometer Lichterketten und über 100.000 Kristalle sind dafür im Einsatz, finanziert über zwölf Unternehmenskooperationen. Der Rundgang ist kostenlos zugänglich, Figuren und Installationen erzählen Geschichten, ein Rätsel richtet sich eigens an Kinder. Insgesamt investiert die Stadt heuer knapp eine halbe Million Euro in Ausbau und Infrastruktur, allein die Welser Christkind GmbH steuert mehr als 250.000 Euro bei.
Wirtschaftlich schlägt sich das messbar nieder: Für die Fußgängerzonen wurden in den vergangenen Jahren auf Basis von Handydatenmessungen rund 800.000 Frequenzen und knapp eine Million Besucher:innen ausgewiesen, die Tourismusregion Wels zählt im November und Dezember rund 40.000 Nächtigungen. "Nicht der Weihnachtsmarkt bringt die Menschen in die Stadt – die ganze Stadt wird zum Weihnachtsmarkt", bringt es Peter Jungreithmair, Geschäftsführer der Welser Christkind GmbH und des Tourismusverbandes Region Wels, auf den Punkt.
Advent als eigenes Reisemotiv
"Der Advent ist ein eigenständiges Reisemotiv – kein Beiwagerl zum Winter – und begeistert neue Gäste für Österreich. Brauchtum ist dabei nicht bloß Programmpunkt, sondern gelebter Alltag, was internationale Gäste besonders schätzen", meint Astrid Steharnig-Staudinger, CEO der Österreich Werbung. Die Zahlen des vergangenen Jahres stützen diese These, so besuchten 44 Prozent aller Österreich-Gäste im Dezember 2025 einen Advent- oder Weihnachtsmarkt, wie die Gästebefragung "T-Mona" zeigt. Die meisten kommen aus Deutschland (32 %), erst dahinter folgen die Inlandsgäste (22 %), überdurchschnittlich vertreten sind außerdem Italien, die USA und Großbritannien. Als Reisegründe nennen sie Sehenswürdigkeiten (41 %), Atmosphäre und Flair (40 %), Ortsbild und Architektur (33 %) sowie Tradition und Brauchtum (30 %). Wer im Advent anreist, ist im Schnitt rund 50 Jahre alt, häufig als Paar unterwegs, bleibt mit 4,7 Nächten etwas kürzer als der Dezember-Gast insgesamt und nächtigt am liebsten im Hotel. Auffällig ist der hohe Anteil an Erstbesucher:innen: Mit 21 Prozent liegt er fast doppelt so hoch wie im Dezember-Durchschnitt. Um diese Vielfalt sichtbar zu machen, bündelt die Österreich Werbung die heimischen Angebote heuer auf einer eigenen Landingpage – auch, damit sie in KI-gestützter Reiseplanung auffindbar sind.
Wie Oberösterreich vom Adventtourismus profitiert
Für Oberösterreich ist die Vorweihnachtszeit doppelt relevant, weil sie den Ganzjahrestourismus stützt und überdurchschnittlich viel Geld in die Region bringt. "Aus Gästebefragungen wissen wir, dass Adventgäste im Schnitt mehr als 265 Euro pro Person und Aufenthaltstag ausgeben. Zum Vergleich: oberösterreichweit und über das gesamte Jahr gerechnet sind es durchschnittlich gut 200 Euro", erläutert Andreas Winkelhofer, Geschäftsführer von Oberösterreich Tourismus. Neben dem Marktbesuch nutzen die Gäste ihren Aufenthalt für Shopping, Museen und Gastronomie. In den Monaten November und Dezember verbuchten die oberösterreichischen Beherbergungsbetriebe zuletzt mehr als eine Million Nächtigungen, ein Zuwachs von rund 30 Prozent binnen zehn Jahren.
Woher die Besucher:innen kommen und was sie anzieht, hat eine Studie im Auftrag von Oberösterreich Tourismus untersucht. Etwa ein Drittel stammt aus dem Bundesland selbst, der Rest reist aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland an. Beim Motiv gibt es kaum Unterschiede nach Alter oder Herkunft: An erster Stelle stehen Ambiente und echtes Weihnachtsflair, dahinter folgen Tradition und regionales Handwerk. "Über die Attraktivität eines Weihnachtsmarktes entscheidet also nicht die Größe oder die Zahl der Stände, sondern Qualität, Regionalität und Gestaltung", so Winkelhofer abschließend.
LEADERSNET war bei der Pressekonferenz dabei. Eindrücke finden Sie in unserer Galerie.
www.oberoesterreich-tourismus.at
www.wels.at
www.austria.info
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