Fotos der Präsentation
"Eiserner Vorhang" zeigt posthum Werk von Herbert Brandl

Ein Werk zwischen Abstraktion und Figuration prägt in der Saison 2026/27 die Brandschutzwand der Wiener Staatsoper. Die verantwortliche Jury hielt auch nach dem plötzlichen Tod des österreichischen Künstlers an ihrer Entscheidung fest.

Noch bevor sich auf der Hauptbühne der Wiener Staatsoper der eigentliche Vorhang hebt, rückt in dieser Spielzeit die bildende Kunst in den Mittelpunkt. Der 176 Quadratmeter große "Eiserne Vorhang" wird 2026/27 mit einem Werk von Herbert Brandl bespielt. Es ist der 29. Beitrag der gleichnamigen Ausstellungsreihe, die von museum in progress (mip) konzipiert und gemeinsam mit der Wiener Staatsoper sowie der Bundestheater-Holding umgesetzt wird. 

Brandl hatte den Auftrag nach Angaben der Organisator:innen rund zwei Jahre vor seinem Tod erhalten und bereits mit der Arbeit daran begonnen. Nachdem der Künstler im Juli 2025 unerwartet verstorben war (LEADERSNET berichtete), entschieden die verantwortliche Jury, museum in progress, dem Estate des Künstlers und die Wiener Staatsoper, an der Auswahl festzuhalten. Der internationalen Jury gehören der schwedische Kurator und Museumsleiter Daniel Birnbaum, die Schweizer Kunsthistorikerin Bice Curiger sowie der Schweizer Kurator Hans-Ulrich Obrist an. Brandls Arbeit wurde am 9. September 2026 in der Wiener Staatsoper präsentiert und ist bis Ende Juni 2027 vor und nach den Aufführungen sowie während den Pausen zu sehen. 

Zwischen Landschaft und Abstraktion

Herbert Brandl wurde 1959 in Graz geboren und studierte ab 1978 an der damaligen Hochschule für angewandte Kunst in Wien. In seinen häufig großformatigen Arbeiten bewegte er sich zwischen gegenständlichen Landschaftsdarstellungen und abstrakter Malerei. Kräftige Farben, dynamische Pinselbewegungen und atmosphärische Verdichtungen wurden zu wiederkehrenden Merkmalen seiner Bildsprache. International war Brandl unter anderem bei der Biennale von São Paulo 1989 und der documenta IX in Kassel 1992 vertreten. 2007 bespielte er den österreichischen Pavillon bei der Biennale in Venedig. Am 27. Juli 2025 starb Brandl im Alter von nur 66 Jahren in Wien. 

Doch auch die für die Staatsoper ausgewählte Arbeit trägt seine charakteristische Handschrift. Die in Blau und Weiß gehaltene Komposition lässt sowohl abstrakte Farbräume als auch Assoziationen an Himmel, Wasser oder alpine Landschaften zu. Damit setzt Werk jene offene Bildsprache fort, die Brandls Malerei über Jahrzehnte prägte.

Seit 1998 eine Bühne für Gegenwartskunst

Die Ausstellungsreihe "Eiserner Vorhang" wurde 1998 ins Leben gerufen. Seither wird die Brandschutzwand zwischen Zuschauerraum und Bühne in jeder Spielzeit mit einer zeitgenössischen künstlerischen Arbeit bespielt. Das jeweilige Motiv wird auf ein PVC-Netz übertragen und mithilfe von Magneten befestigt, sodass das denkmalgeschützte Originalbild unberührt bleibt. Den Auftakt machte die US-amerikanische Künstlerin Kara Walker. In den folgenden Jahren waren unter anderem Arbeiten von Marie Lassnig, Jeff Koos, Cy Twombly, David Hockney, Martha Jungwirth, Anselm Kiefer und Pipilotti Rist zu sehen. In der Saison 2025/26 gestaltete zudem der ghanaische Künstler El Anatsui die Fläche. 

Das Projekt entstand auch vor dem Hintergrund einer Debatte über das ursprüngliche Bild "Orpheus und Eurydike" von Rudolf Hermann Eisenmenger. Der Maler war während der NS-Zeit in die nationalsozialistische Kulturpolitik eingebunden. Die wechselnden zeitgenössischen Arbeiten überdecken sein Werk während der jeweiligen Spielzeit, ohne es dauerhaft zu verändern. Eisenmengers Biografie und die Entstehungsgeschichte des Vorhangs dokumentieren das Haus der Geschichte Österreich und museum in progress.

LEADERSNET begleitete die Präsentation des "Eisernen Vorhangs". Einen Eindruck können Sie mittels Galerie gewinnen.

www.wiener-staatsoper.at

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