Wien Museum und die Mode
Farbenspiel: Wie sechs Farben vier Jahrhunderte Mode erzählen

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 28.09.2026

Rund 350 Kleidungsstücke aus der Modesammlung des Wien Museums zeigen, wie Farben über Jahrhunderte hinweg Macht, Status und Identität sichtbar gemacht haben.

Farbe war nie nur Dekor. Sie war Statussymbol, Kampfansage, Glaubensbekenntnis – und manchmal reines Gift. Mit "Farbenspiel. Mode aus vier Jahrhunderten" widmet sich das Wien Museum erstmals seit über 15 Jahren wieder einer großen Mode-Ausstellung und blättert dafür durch die eigene, einzigartige Modesammlung: rund 350 Objekte, vom Arbeitskleid bis zur Ballrobe, vom Dessous bis zum Bürokostüm. Sie alle erzählen dieselbe Geschichte aus sechs verschiedenen Blickwinkeln – den sechs alten heraldischen Farben Rot, Weiß, Schwarz, Blau, Grün und Gelb.

Getragene Mode statt Inszenierung

Was die Schau von klassischen Modeausstellungen unterscheidet: Gezeigt wird echte, getragene Kleidung – keine Kostümbilder, sondern gelebte Ästhetik in natürlichen wie künstlichen Farbtönen. Neben anonymen Alltagsstücken stehen Entwürfe bekannter Wiener Namen wie Gertrud Höchsmann, Adele List, Fred Adlmüller, Helmut Lang, Schella Kann und Susanne Bisovsky. Die Bandbreite reicht vom streng reglementierten 18. Jahrhundert bis in die farblich anarchische Gegenwart – ein Panorama zwischen Nostalgie und Innovation, Luxus und Armut, Heiligkeit und Weltlichkeit.

Mode nach Farben. Modesammlung, 2025.
Mode nach Farben. Modesammlung, 2025. © TimTom, Wien Museum

Jede Farbe hat ihre eigene Geschichte

Rot etwa war einst Königen und Kardinälen vorbehalten, weil das kostbare Karminrot aus Hunderttausenden Läusen gewonnen wurde – heute steht die Farbe vor allem für Selbstbewusstsein und Sichtbarkeit. Grün wiederum blieb im Mittelalter selten und zwiespältig, weil strenge Zunftregeln das Mischen von Blau und Gelb verboten; im 19. Jahrhundert kam mit arsenhaltigen Farbstoffen sogar der Ausdruck "Giftgrün" auf. Auch Gelb hatte lange ein Imageproblem: Als Farbe von Verrat und Ausgrenzung mussten im Mittelalter bestimmte gesellschaftliche Randgruppen gelbe Kennzeichen tragen, bevor die Farbe in den 1920er-Jahren zum Symbol des Aufbruchs wurde. Blau dagegen ist heute die beliebteste Kleiderfarbe der Welt – nicht zuletzt wegen der Blue Jeans, deren Ursprung im französischen Nîmes liegt, dem Namensgeber des Denim-Stoffs.

Mode nach Farben. Modesammlung, 2025.
Mode nach Farben. Modesammlung, 2025. © TimTom, Wien Museum

Kuratiert aus zwei Perspektiven

Kuratiert wird die Ausstellung von Michaela Lindinger und Regina Karner, die gemeinsam die kulturhistorische und modehistorische Perspektive zusammenführen. Ausstellungsarchitektur und -grafik stammen von Mark und Hamann sowie Larissa Cerny, die Produktion verantwortet Isabelle Exinger-Lang. Begleitend erscheint im Hirmer Verlag ein 196-seitiger Katalog mit sechs Ausklappseiten, der die Modesammlung auch über die Laufzeit der Schau hinaus zugänglich macht.

Farbenspiel. Mode aus vier Jahrhunderten
Wien Museum
1. Oktober 2026 bis 28. März 2027
www.wienmuseum.at

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Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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