Kaffee hat in Österreich eine lange kulturelle Tradition. Besonders eng ist sie mit der Wiener Kaffeehauskultur verbunden, deren Anfänge bis ins späte 17. Jahrhundert zurückreichen. Das erste historisch belegte Etablissement dieser Art eröffnete Johannes Diodato im Jahr 1685. Später entwickelten sich die Kaffeehäuser zu gesellschaftlichen Treffpunkten sowie zu wichtigen Orten des literarischen, politischen und intellektuellen Austauschs.
Hinter dem Kaffeekonsum
Die hiesige Liebe und Treue zum Kaffee reicht so weit, dass die Wiener Kaffeehauskultur seit 2011 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO-Komission einen Platz gefunden hat. Und ebendiese historische Verbundenheit zeigt sich bis heute im Alltag der Österreicher:innen.
Für viele Menschen hierzulande ist Kaffee nämlich weniger ein Mittel gegen die Müdigkeit als ein festes Genussritual. Diese und weitere Erkenntnisse gehen aus dem aktuellen Marketagent "Kaffeereport 2026" hervor, der gemeinsam mit der niederösterreichischen Kaffeerösterei Kanzi Kaffee (LEADERSNET berichtete u.a. hier und hier) erstellt wurde und laut dem 62 Prozent der Befragten angeben, Kaffee zu trinken, weil er ihnen schmeckt. Damit liegt der Genuss als Konsumgrund deutlich vor der Gewohnheit mit 41 Prozent sowie dem Wunsch nach Wachheit oder zusätzlicher Energie mit 39 Prozent.
"Kaffee ist weit mehr als ein Wachmacher, er ist ein tägliches Genussritual. Die Österreicher:innen greifen nicht nur zur Tasse, um Energie zu tanken, sondern um sich einen Moment für sich selbst zu gönnen oder Zeit mit anderen zu verbringen. Genau diese emotionale Bedeutung macht Kaffee so einzigartig", so Thomas Schwabl, Gründer von Geschäftsführer von Marketagent.
Sieben von zehn trinken täglich Kaffee
Rund 70 Prozent der Befragten greifen laut Umfrage täglich zur Kaffeetasse, 48 Prozent sogar mehrmals pro Tag. Elf Prozent verzichten vollständig auf Espresso, Cappuccino und andere Kaffeegetränke. Unter jenen, die zumindest gelegentlich Kaffee trinken, bezeichnen sich trotzdem 79 Prozent selbst als Kaffeeliebhaber:innen.
Wie fest das Getränk in den persönlichen Routinen verankert ist, zeigt auch die Frage nach einem möglichen Verzicht. Für 63 Prozent der Kaffeetrinker:innen wäre es nach eigenen Angaben schwierig, auf das schwarze Heißgetränk zu verzichten.
Mehr als nur ein Getränk
Neben Geschmack und Gewohnheit spielt laut Erhebung die emotionale und soziale Funktion eine wesentliche Rolle. Jeweils 87 Prozent der Kaffeetrinker:innen verbinden den Duft von Kaffee mit positiven Gefühlen beziehungsweise betrachten das Getränk als kleine Auszeit im Alltag. 83 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Kaffee Menschen zusammenbringt. Aus Geselligkeit – etwa mit Familie, Freund:innen oder Kolleg:innen – trinken ihn immerhin 35 Prozent.
Danach gefragt, wie die Teilnehmer:innen Kaffee mit menschlichen Eigenschaften beschreiben würden, bezeichneten ihn 27 Prozent als Genießer, der sich Zeit nimmt. 26 Prozent nennen ihn als verlässlichen Freund und 23 Prozent sehen darin einen stillen Begleiter im Hintergrund.
Cappuccino liegt vor Espresso und Verlängertem
Unter den zumindest gelegentlichen Kaffeetrinker:innen erreicht der Cappuccino den höchsten Wert. 50 Prozent trinken ihn zumindest fallweise. Dahinter folgen Espresso (36 %) sowie Verlängerter beziehungsweise schwarzer Kaffee (35 %). Auch Eiskaffee kommt auf einen Anteil von 31 Prozent.
Bei der Zubereitung mit Milch zeigen sich ebenfalls klare Vorlieben. 63 Prozent trinken ihren Kaffee üblicherweise mit Kuhmilch (53 %) oder einer pflanzlichen Alternative (8 %). Wobei der Anteil pflanzlicher Alternativen bei der Gen Z bei 16 Prozent liegt.
Rund ein Drittel der 1.000 befragten Personen trinken hingegen ihren Kaffee schwarz. Bei Männern liegt der entsprechende Anteil mit 40 Prozent höher als bei Frauen mit 28 Prozent. Zusätzliche Süße kommt bei 35 Prozent in die Tasse, während 65 Prozent auf Zucker, Süßstoff und ähnliche Zusätze verzichten.
Milde Röstungen treffen den Geschmack der Mehrheit
Beim Röstungsprofil entscheiden sich 42 Prozent für einen milden und ausgewogenen Geschmack. Dunkle, schokoladige Röstungen folgen mit 31 Prozent. Helle, fruchtige Kaffees mit stärker wahrnehmbarer Säure sprechen neun Prozent an, während 17 Prozent keine eindeutige Präferenz angeben.
"Die meisten suchen keinen extremen Spezialitätencharakter, sondern einen Kaffee, der rund, harmonisch und alltagstauglich ist", erklärt Oliver Kanzi von Kanzi Kaffee (Hier geht's zum LEADERSNET-Interview). "Gleichzeitig wächst das Interesse an Qualität, Herkunft und handwerklicher Röstung. Das ist eine spannende Entwicklung für die Kaffeebranche."
Preis-Leistung und Qualität bestimmen die Auswahl
Bei der Kaffeeauswahl führt das Preis-Leistungs-Verhältnis knapp vor der Qualität. Ersteres ist für 87 Prozent wichtig, Letztere für 86 Prozent. Auch Intensität beziehungsweise Stärke erreicht mit 83 Prozent einen hohen Stellenwert, das Aroma kommt laut Umfrage auf 81 Prozent. Zertifizierungen und Gütesiegel sind für 57 Prozent relevant. Die Marke erreicht 54 Prozent, das Herkunftsland 47 Prozent. Insgesamt bezeichnen sich 64 Prozent der Befragten bei Kaffee als wählerisch.
Für die Zubereitung zu Hause wünschen sich 47 Prozent einen Kaffeevollautomaten mit ganzen Bohnen. Kapsel- oder Padmaschinen folgen mit 18 Prozent knapp vor Siebträgermaschinen mit 17 Prozent.
Barista-Handwerk findet mehr Interesse als Nachahmer:innen
Sieben von zehn Kaffeetrinker:innen interessieren sich laut Erhebung sehr oder eher für Barista-Kunst. Damit verbinden die Befragten vor allem Qualität und Sorgfalt, handwerkliches Können sowie besonderen Geschmack. Knapp ein Viertel denkt dabei zugleich an höhere Preise.
83 Prozent schätzen es, wenn Kaffee mit Sorgfalt und Können zubereitet wird. 73 Prozent sind der Ansicht, dass gute Baristas einen spürbaren Unterschied beim Ergebnis machen. Selbst tiefer in die Zubereitung einsteigen möchten allerdings deutlich weniger. Nur 44 Prozent würden gerne lernen, Kaffee wie ein:e Barista zuzubereiten.
Genussritual mit festen Gewohnheiten
Der Kaffeereport zeichnet also das Bild einer ausgeprägten, zugleich aber wenig experimentellen Kaffeekultur. Kaffee ist für viele Menschen in Österreich fest im Alltag verankert und erfüllt mehrere Funktionen. So steht er für Geschmack und Genuss, schafft kurze Pausen und begleitet soziale Begegnungen.
Bevorzugt werden milde, ausgewogene Röstungen sowie vertraute Zubereitungsarten wie Cappuccino und Espresso. Beim Kauf zählen vor allem Preis-Leistungs-Verhältnis und Qualität, während Herkunft und Zertifizierungen eine geringere Rolle spielen. Das Interesse an Barista-Handwerk ist zwar groß, selbst tiefer in die Zubereitung einsteigen möchte jedoch weniger als die Hälfte. Damit verbindet der österreichische Kaffeekonsum traditionelle Gewohnheiten mit einem grundsätzlichen Interesse an sorgfältiger Zubereitung – ohne dass Spezialitätenkaffee bereits den Geschmack der Mehrheit bestimmt.
www.kanzikaffee.at
www.marketagent.com
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