Fotos des Events
Michael Ludwig eröffnete Wiener Weinlese nach Rekordhitze

Bei der traditionellen Bürgermeister-Weinlese am Schwarzenbergplatz berichteten Vertreter des Weinguts Mayer am Pfarrplatz von erwarteten Ertragseinbußen. Gleichzeitig rechnen sie mit gesunden Beeren und hohen Mostgewichten.

Zwischen Ringstraßenarchitektur und dichtem Stadtverkehr wachsen am Schwarzenbergplatz rund 70 Rebstöcke. Seit etwa 150 Jahren wird die kleine Rebfläche im Vorgarten des Palais Wiener von Welten bewirtschaftet. Heute gilt sie als kleinster Weingarten Wiens und dient traditionell als Schauplatz für den symbolischen Auftakt zur Wiener Weinlese.

Wie bereits im Vorjahr griff Bürgermeister Michael Ludwig auf Einladung von Hans Schmid und Weingutsleiter Thomas Podsednik auch heuer selbst zur Gartenschere (LEADERSNET berichtete) und erntete am Dienstag, 1. September 2026, die Trauben der innerstädtischen Rebfläche, die vom Weingut Mayer am Pfarrplatz betreut wird. Begleitet wurde er von Dompfarrer Toni Faber sowie Vertreter:innen des Wiener Weinbaus – darunter Norbert Walter, Winzer, Präsident des Wiener Weinbauverbandes und der Landwirtschaftskammer Wien sowie Obmann des Wiener Bauernbundes, Landesjägermeister von Wien und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Österreich.

Herausfordernde Zeiten

Die diesjährige Lese steht im Zeichen eines außergewöhnlich heißen und trockenen Sommers. Nach Angaben von GeoSphere Austria erreichte die Temperatur an der Messstation Hohe Warte im Juni 2026 mit 39,7 Grad einen neuen Höchststand. Die Hitzewelle zählte in Wien zu den stärksten seit Beginn der Aufzeichnung. Insgesamt wurden an 157 von 277 Wetterstationen in Österreich neue Juni-Höchstwerte gemessen.

Rund ein Viertel weniger Ertrag erwartet

Die Witterungsverhältnisse haben nach Angaben des Weinguts deutliche Spuren in den Weingärten hinterlassen. "Die extreme Trockenheit und eine in dieser Intensität und Dauer noch nie dagewesene Hitzewelle haben unseren Weinreben in diesem Sommer das Äußerste abverlangt", erklärte Hans Schmid, "und wir rechnen für das laufende Jahr mit Ertragseinbußen von rund 25 Prozent". Neben der Trockenheit habe auch die gezielte Verringerung der Traubenmenge zu den Einbußen beigetragen. In manchen Weingärten sei die Traubenlast händisch reduziert worden, um die Rebstöcke zu entlasten. 

Während die Menge geringer ausfallen dürfte, erwarten Schmid und Podsednik eine hohe Konzentration der Trauben. "Die Beeren sind kerngesund und der Most hat hohe Gradationen, da die Rebstöcke ihre ganze Kraft in die wenigen Trauben stecken können. 2026 hat damit das Zeug zu einem denkwürdigen Jahrgang mit dichten, konzentrierten und langlebigen Weinen!", so die Gastgeber. Ob sich diese frühe Einschätzung bestätigt, wird sich erst nach Abschluss der Lese und der Weinbereitung beurteilen lassen. Zum Vergleich; 2025 wurden in Wien laut Statistik Austria 30.200 Hektoliter Wein produziert. Damit lag die Produktionsmenge um 38 Prozent über jener des schwachen Vorjahres und um 27 Prozent über dem Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre. 

Amerikanische Rebzikade erneut in Wien nachgewiesen

Neben Hitze und Trockenheit beschäftigt die Winzer:innen die Amerikanische Rebzikade. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Wien gibt es seit 2024 vereinzelte Nachweise in Ertragsanlagen. Auch 2026 wurden Exemplare gefunden, ein Massenauftreten wie in anderen Bundesländern wurde bislang jedoch nicht registriert. Die Rebzikade kann den Erreger der Goldgelben Vergilbung der Rebe, fachsprachlich Flavescence dorée, übertragen. Die meldepflichtige Pflanzenkrankheit ist in der Europäischen Union als Quarantäneschaderreger eingestuft. Wird ein Befall nachgewiesen, müssen die betroffenen Weinstöcke gerodet werden.

Weinbauverband fordert Wassermanagementplan

Norbert Walter sieht die Betriebe durch bereits gesetzte Anpassungsmaßnahmen grundsätzlich vorbereitet. Dazu zählen Tröpfchenbewässerung, Begrünung und Humusaufbau. Gleichzeitig fordert er eine gemeinsame Strategie von Stadt und Landwirtschaft. 

"Die jüngsten Entwicklungen treffen uns nicht unvorbereitet, denn wir setzen schon seit Jahren aktiv Schritte, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Dazu gehört eine Tröpfchenbewässerung, bei der mit sehr geringem Wassereinsatz gezielt nur die Rebe selbst bewässert wird. Darüber hinaus hat der Wiener Weinbau mit 47 Prozent den höchsten Anteil aller Bundesländer an biologisch bewirtschaften Rebflächen, was unter anderem durch Humusaufbau und Begrünung in den Weingärten zu einer verbesserten Wasserversorgung der Reben führt. Jetzt brauchen wir jedoch möglichst rasch einen umfassenden Wassermanagement- und Wassersicherungs-Plan für die Wiener Stadtlandwirtschaft. Der Klimawandel wird in Zukunft immer häufiger zu Trockenheit und Hitzeperioden führen und darauf müssen wir uns schon heute in einer gemeinsamen Strategie von Stadt Wien und Landwirtschaft optimal vorbereiten", so Walter. 

Ludwig ruft zur Unterstützung der Heurigen auf

Bürgermeister Michael Ludwig verwies bei der Weinlese auf die Bedeutung der regionalen Landwirtschaft für die Versorgung der Stadt. "Die Versorgungssicherheit der Wiener:innen mit frischen und regionalen Lebensmitteln ist uns ein wichtiges Anliegen", erklärte Ludwig, "das gilt für Gemüse, Obst und Getreide genauso wie für den Weinbau."

Die Stadt müsse nach Ansicht des Stadtoberhauptes geeignete Rahmenbedingungen für eine ressourcenschonende Produktion schaffen. Gleichzeitig sieht Ludwig auch die Konsument:innen in der Verantwortung. "Jede:r kann einen Beitrag leisten, indem regionale Produkte nachgefragt und die Wiener Weinbaubetriebe sowie ihre Heurigen unterstützt werden. Das stärkt die Wertschöpfung vor Ort und hilft den Betrieben unmittelbar."

Die Wiener Heurigenkultur ist seit 2019 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes eingetragen. Die Auszeichnung bezieht sich auf die gesellschaftlichen Praktiken, das Wissen und die Traditionen rund um die Wiener Heurigen.

Einen Eindruck von der Bürgermeister-Weinlese können Sie mittels Galerie gewinnen. 

www.pfarrplatz.at

www.wien.gv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV