Neue Studie der Initiative "Jetzt Tun!"
Österreichs Unternehmen trauen sich selbst mehr zu als dem Standort

| Larissa Bilovits 
| 30.08.2026

Nicht einmal vier von zehn befragten Betrieben haben ein klares Zukunftsbild für 2035. Eine neue Studie legt offen, was den Wandel bremst und welche Unternehmen beim KI-Einsatz hinterherhinken.

Wie fit ist die österreichische Wirtschaft für das kommende Jahrzehnt? Dieser Frage ist die von der Transformations- und Zukunftsexpertin Ruth Moss gegründete Plattform "Jetzt Tun!" in Kooperation mit LEADERSNET nachgegangen (LEADERSNET berichtete). Im Juli und August 2026 beteiligten sich 253 heimische Unternehmen an der Online-Befragung, 69 Prozent davon KMU, wobei 63 Prozent der Antwortenden der obersten Führungsebene angehören. Was sich dabei offenbarte, war eine deutliche Kluft in der Wahrnehmung: Die Betriebe halten sich selbst nämlich für sehr viel besser gerüstet als den Wirtschaftsstandort, in dem sie arbeiten. Auf einer sechsstufigen Skala bewerten sie ihre eigene Zukunftsfitness mit 4,47 Punkten, jene der österreichischen Wirtschaft insgesamt nur mit 3,37.

"Diese Zahlen sind ein Weckruf. Österreichs Unternehmen sind mutiger und veränderungsbereiter, als man glaubt. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob unsere Betriebe zukunftsfit sind. Sie lautet: Ist es Österreich auch?", so Ruth Moss, Psychologin für Transformation und Zukunftsentwicklung und Gründerin der Initiative "Jetzt Tun!".

Hoher Veränderungsdruck trifft auf unklare Zielbilder

Dass Transformation für die Betriebe keine abstrakte Zukunftsfrage ist, zeigt die Erhebung an mehreren Stellen. Rund zwei Drittel (66,9 %) erleben ihren Markt derzeit als stark oder sehr stark im Wandel. Der Veränderungsdruck im eigenen Haus erreicht einen Mittelwert von 4,63 von 6 Punkten. Defensiv fällt die Grundhaltung dennoch nicht aus: 61 Prozent rechnen für die kommenden zehn Jahre in ihrer Branche mit mehr Chancen als Risiken.

Auch innerhalb der Unternehmen stehen Veränderungen an. 45 Prozent gehen davon aus, dass sich ihr Geschäftsmodell bis 2035 grundlegend ändern wird. 60 Prozent halten zumindest eine deutliche Anpassung ihrer Organisationsstruktur für nötig, darunter elf Prozent, die einen radikalen Umbruch für notwendig halten. Ein klares Zielbild ist allerdings noch nicht überall vorhanden – so geben nur 38,2 Prozent an, ein klares Bild davon zu haben, wie ihr Unternehmen 2035 erfolgreich sein kann.

Digitalisierung (61,6 %) und Künstliche Intelligenz (57,0 %) werden am häufigsten als starke oder sehr starke Einflussfaktoren eingestuft, gefolgt von Regulatorik mit 51,2 Prozent. Nachhaltigkeit und Klimawandel (29,6 %) sowie der Generationenwechsel (28,5 %) erhalten deutlich seltener eine der beiden höchsten Bewertungen.

Beim KI-Einsatz zeigt sich eine Größenschere

Der hohen Bedeutung von KI steht ein durchschnittlicher Reifegrad von 2,6 von fünf Punkten gegenüber. 48 Prozent der befragten Betriebe befinden sich noch auf der Stufe von Einzelinitiativen oder Pilotprojekten. 26 Prozent haben die Standardisierung erreicht, bei der KI strategisch verankert ist und erste Abteilungen einheitlich mit entsprechenden Tools arbeiten. Weitere 23 Prozent setzen die Technologie bereits skaliert ein. Lediglich 2,8 Prozent arbeiten KI-zentriert, haben die Technologie also zum Kern ihres Geschäftsmodells gemacht.

GRAFIK: KI-Reifegrad der österreichischen Unternehmen© Jetzt Tun!

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede nach Unternehmensgröße und Eigentümerstruktur. Unternehmen ab 5.000 Mitarbeitenden erreichen einen KI-Reifegrad von 3,19 Punkten, internationale Konzerntöchter kommen auf 3,02. KMU liegen dagegen nur bei 2,54 Punkten.

Von der Technologie erwarten sich die Befragten in erster Linie Produktivitätsgewinne (71,1 %) und Kostensenkungen (46,6 %). Personalabbau nennt mit 24,9 Prozent knapp ein Viertel. Betriebe unter 50 Beschäftigten sehen in KI zudem deutlich häufiger als Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden eine Chance auf Wissenszuwachs und neue Geschäftsmodelle.

Führung und Beteiligung entscheiden über die Umsetzung

Bei den häufigsten Ursachen für das Scheitern von Transformations- und Change-Projekten rücken organisatorische und zwischenmenschliche Fragen in den Vordergrund. An der Spitze stehen die fehlende Einbindung der Mitarbeitenden (38,3 %), fehlende Führung (35,1 %) und eine fehlende Umsetzungsstrategie (34,3 %). Dahinter folgen der Konflikt zwischen kurzfristigen Geschäftszielen und langfristiger Transformation (33,1 %) sowie Angst vor Veränderung und zu viele Parallelprojekte mit jeweils 32,3 Prozent. Fehlende Kompetenzen werden mit 13,3 Prozent am seltensten genannt.

GRAFIK: Woran Transformationsprojekte scheitern© Jetzt Tun!

Je nach Unternehmensgröße fallen die Gewichtungen unterschiedlich aus: Ab 5.000 Beschäftigten gilt die Vielzahl paralleler Projekte mit 56,2 Prozent als häufigste Ursache für das Scheitern. In Unternehmen mit 1.000 bis 4.999 Mitarbeitenden rückt dagegen die Unternehmenskultur mit 42,9 Prozent stärker in den Vordergrund.

Die größte Skepsis gilt dem Standort

Wie weit die Bewertungen des eigenen Betriebs und der heimischen Wirtschaft auseinanderliegen, zeigt auch die Verteilung der Antworten. 52 Prozent ordnen ihr Unternehmen auf den beiden höchsten Zukunftsfitness-Stufen ein, bei der österreichischen Wirtschaft tun dies lediglich 14,8 Prozent. Umgekehrt landen nur vier Prozent der eigenen Betriebe auf den beiden niedrigsten Stufen, beim Standort sind es 20,4 Prozent. Abgeschrieben wird Österreich damit aber nicht: Die Mehrheit von 64,8 Prozent siedelt die heimische Wirtschaft im Mittelfeld an.

GRAFIK: Wer hält sich selbst für zukunftsfit?© Jetzt Tun!

Die Bewertungslücke zeigt sich in fast allen untersuchten Untergruppen. Während sie im Gesamtschnitt 1,10 Punkte beträgt, fällt sie bei KMU mit 1,19 Punkten noch größer aus. Diese bewerten ihre eigene Zukunftsfitness mit 4,40 nahezu wie der Gesamtschnitt, jene der österreichischen Wirtschaft aber nur mit 3,21. Besonders skeptisch blicken Start-ups und Eigentümer:innen auf den Standort.

Als mögliche Erklärung führt der Ergebnisreport an, dass Menschen und Organisationen das eigene, besser kontrollierbare Umfeld tendenziell optimistischer beurteilen als ein abstraktes Gesamtsystem. Ob die Unterschiede tatsächlich auf mangelndes Vertrauen in Politik, Verwaltung oder Standortbedingungen zurückgehen, wurde in der Befragung allerdings nicht gesondert erhoben. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass die Auswertung ungewichtet erfolgte, einzelne Untergruppen nur kleine Fallzahlen aufweisen und die Stichprobe technologieaffiner ausfällt als der österreichische Wirtschaftsdurchschnitt. Die Ergebnisse sind daher als Einschätzungen der teilnehmenden Betriebe und nicht als repräsentative Bestandsaufnahme der gesamten österreichischen Unternehmenslandschaft zu verstehen.

"Zukunftsfitness ist kein Zufall und keine Frage der Unternehmensgröße. Sie entsteht dort, wo Führung, klare Strategie und die Bereitschaft, Mitarbeitende wirklich einzubinden, mit der Zuversicht in eine erfolgreiche Zukunft zusammenkommen. Das können Unternehmen umsetzen – aber Österreich muss es als Wirtschaftsstandort vorleben", so Moss abschließend.

www.jetzttun.at

Über die Studie

Für die Untersuchung "Wie zukunftsfit ist Österreich?" wurden im Juli und August 2026 österreichische Unternehmen online zu ihrer Einschätzung der eigenen und der gesamtwirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit befragt. An der Umfrage nahmen 253 Unternehmen teil, 69 Prozent davon KMUs. 63 Prozent gehören der obersten Führungsebene (Geschäftsführung, Vorstand, Eigentümer:innen) an.

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Über die Studie

Für die Untersuchung "Wie zukunftsfit ist Österreich?" wurden im Juli und August 2026 österreichische Unternehmen online zu ihrer Einschätzung der eigenen und der gesamtwirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit befragt. An der Umfrage nahmen 253 Unternehmen teil, 69 Prozent davon KMUs. 63 Prozent gehören der obersten Führungsebene (Geschäftsführung, Vorstand, Eigentümer:innen) an.

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