Fotos & Video "Peter & Paul"
"Die Zeiten, in denen Kredite nach Sympathie vergeben wurden, sind vorbei"

In der neuen "Peter & Paul"-Sendung sprechen Jürgen Krenn (Head of Financial Sales, Crif Austria) und Ernst Huber (Vorstand, Schelhammer Capital Bank) unter anderem über strengere Regeln für Ratenkäufe und Kleinstkredite. Zudem erklären sie, welche Kreditpraktiken Kund:innen teuer zu stehen kommen können und warum diese mitunter auch vor sich selbst geschützt werden müssen.

Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Verbraucherkreditrichtlinie". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Jürgen Krenn (Head of Financial Sales, Crif Austria) und Ernst Huber (Vorstand, Schelhammer Capital Bank). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten von Crif und somit bei einem der Gäste, der damit zum Gastgeber wurde.

Neue Regeln für Ratenkäufe und Kleinstkredite

Mit der neuen EU-Verbraucherkreditrichtlinie werden die Vorgaben für Konsumkredite ausgeweitet und die Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung verschärft. In Österreich erfolgt die Umsetzung durch das Verbraucherkreditgesetz 2026, das am 20. November 2026 in Kraft tritt (LEADERSNET berichtete). Was sich durch die neuen Vorgaben für kreditgebende Unternehmen verändert, erläutert Jürgen Krenn, der bei Crif Austria den Bereich Financial Sales verantwortet. Der Informationsdienstleister unterstützt diese Unternehmen mit Daten und statistischen Modellen bei der Beurteilung von Kreditrisiken sowie der Betrugsvermeidung; am Wiener Standort arbeiten laut Krenn rund 90 Personen. Einen wesentlichen Einschnitt durch die neue Richtlinie sieht er im weiter gefassten Kreditbegriff: Auch Kleinstkredite, Ratenkäufe und Zahlungsaufschübe im Onlinehandel würden stärker erfasst. Dass keine Zinsen verrechnet werden, bedeute dabei nicht automatisch, dass eine Finanzierung außerhalb der Regeln liege. Für bislang weniger regulierte Anbieter steige damit der Prüfaufwand. Zugleich sieht Krenn darin eine Angleichung der Wettbewerbsbedingungen für den heimischen Bankenstandort.

Warum er die Ausweitung für notwendig hält, erläutert Ernst Huber, Vorstand der Schelhammer Capital Bank. Das 1832 gegründete Institut ist Wiens älteste Privatbank, konzentriert sich auf das Anlage- und Private-Banking-Geschäft und ist mit der Marke Dadat auch im Direktbankgeschäft tätig. Aus seiner Sicht wurde in der Vergangenheit teilweise zu wenig darauf geachtet, ob Privatkund:innen eine Finanzierung tatsächlich zurückzahlen können. "Ich glaube, es war mehr als notwendig, bei der Kreditvergabe nachzujustieren und etwas strenger vorzugehen – auch, um die Kund:innen teilweise vor sich selbst zu schützen."

Die Datenlage entscheidet

Für Krenn bilden verlässliche und transparent aufbereitete Bonitätsdaten die Grundlage, um Zahlungsausfälle zu reduzieren und Kreditentscheidungen nachvollziehbar zu machen. Gerade diese Nachvollziehbarkeit gewinne durch die Richtlinie an Bedeutung, da Entscheidungsprozesse auf Nachfrage offengelegt werden sollen. Digitale Werkzeuge sollen zugleich helfen, die umfangreicheren Prüfungen rasch abzuwickeln. Die stärkere Nutzung von Bonitätsdaten sieht Krenn dabei vor allem als Beitrag zum Schutz der Konsument:innen: "Ich glaube, die Angst vor dem gläsernen Menschen ist etwas unbegründet und sehr aufgebauscht."

Auch für Huber ist die Datenlage das entscheidende Kriterium. In seiner Bank würden jedoch trotz automatisierter Abläufe Mitarbeiter:innen vor einer Zu- oder Absage noch einmal über den Antrag schauen. Persönliches Empfinden spiele dabei keine Rolle: "Dass jemand einen Kredit bekommt, nur weil er einem sympathisch ist, gibt es definitiv nicht mehr. Diese Zeiten sind vorbei." Strenge Maßstäbe habe die Bank schon bisher angelegt, weshalb Huber durch die Richtlinie keine unmittelbare Veränderung ihrer Kreditvergabe erwarte. Die zusätzlichen Anforderungen machten die Abläufe allerdings komplexer und kostenintensiver.

Zwischen Überregulierung und Konsumentenschutz

Warum er strengere Vorgaben trotz des Mehraufwands befürwortet, erläutert Huber am Beispiel mancher Kreditanbieter. Diese würden Kund:innen nach der Aufnahme eines Konsumkredits dazu animieren, über die Kreditkarte zusätzlich Geld aufzunehmen. Für diese weiteren Schulden werde ein doppelt so hoher Zinssatz verlangt wie für den ursprünglichen Kredit. Seiner Schilderung nach werde jedoch zuerst der günstigere Konsumkredit zurückgezahlt, die teureren Kreditkartenschulden blieben dadurch länger bestehen und verursachten weiter hohe Zinskosten. "Solche Praktiken grenzen teilweise an Straßenraub modernster Art", kritisiert Huber. Grundsätzlich stehe Huber Vorgaben aus Brüssel skeptisch gegenüber, betont aber: "In diesem Fall liegt die Regulierung aus meiner Sicht im Interesse der Kund:innen."

"Die Kreditvergaben werden in Hinkunft sicherlich verantwortungsvoller", ist auch Krenn überzeugt. Zwar könnten genauere Prüfungen bei Kleinstkrediten und Ratenkäufen als zusätzliche Hürde empfunden werden – zugleich seien sie aber eine Hilfestellung für die eigene Haushaltsführung. Entscheidend sei, ob sich Konsument:innen eine Finanzierung auch über die gesamte Laufzeit leisten können. Mit den neuen Vorgaben verbindet er deshalb die Hoffnung auf mehr finanzielle Stabilität und weniger Überschuldung: "Das wird einen Qualitätsschub für die finanzielle Gesundheit der Bevölkerung bringen."

Was Jürgen Krenn und Ernst Huber zum Thema "Verbraucherkreditrichtlinie" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal vom Crif Business Breakfast beim Salzburg Summit 2026.

Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.

Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.

www.crif.at

www.schelhammer.at

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