Fotos des Pressegesprächs
Spar sieht Stromnetz als Engpass für Ausbau seiner E-Lkw-Flotte

Zehn elektrisch betriebene Lastkraftwagen beliefern seit April 2026 die Märkte in fünf Bundesländern. Nach den bisherigen Betriebserfahrungen rückt nun die verfügbare Anschlussleistung an den Logistikstandorten in den Fokus.

Spar will seine Lieferlogistik schrittweise elektrifizieren, sieht den weiteren Ausbau jedoch durch die verfügbaren Netzkapazitäten begrenzt. Bei einem gemeinsamen Pressetermin mit Mobilitätsminister Peter Hanke erklärte das Unternehmen, dass sich elektrisch betriebene Lastkraftwagen auch bei Kühltransporten, im Anhängerbetrieb und auf längeren Strecken bewährt hätten.

Seit April 2026 setzt Spar zehn E-Lkw an vier Standorten im regulären Lieferbetrieb ein (LEADERSNET berichtete). Die Fahrzeuge beliefern Märkte in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Oberösterreich. Getestet wurden nach Unternehmensangaben nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern auch Tourenplanung, Ladefenster, Energiemanagement und Flottensteuerung.

E-Lkw übernehmen Kühltransporte und längere Touren

Die Fahrzeuge verfügen laut Spar über eine Batteriekapazität von rund 600 Kilowattstunden und erreichen unter geeigneten Bedingungen Reichweiten von bis zu 400 Kilometern. Damit sollen sie auch längere Liefertouren ohne Zwischenladung bewältigen können. Die tatsächliche Reichweite hängt allerdings unter anderem von Beladung, Kühlleistung, Anhängerbetrieb, Strecke und Witterung ab.

"Unsere E-Lkw haben ihre Praxistauglichkeit unter den Anforderungen der Lebensmittel-Logistik bewiesen. Wir sind bereit, die Elektrifizierung unserer Lieferlogistik weiter voranzutreiben", erklärt Spar-Vorstand Marcus Wild. Leistungsfähige Stromanschlüsse und ausreichende Netzkapazitäten würden dabei zunehmend zum entscheidenden Faktor. Nach Angaben des Unternehmens funktionierten die temperaturgeführten Transporte auch während der Hitzeperioden des Sommers 2026. Die E-Lkw übernehmen demnach dieselben Aufgaben wie vergleichbare Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb.

Spar nennt 12,5 Megawatt Anschlussbedarf in St. Pölten

Besonders deutlich werde der Infrastrukturbedarf am Logistikstandort St. Pölten. Perspektivisch sollen dort bis zu 90 schwere Fahrzeuge elektrifiziert werden, darunter 60 unternehmenseigene Lkw. Da mehrere Fahrzeuge innerhalb kurzer betrieblicher Zeitfenster geladen werden müssten, wäre nach Berechnungen von Spar eine Anschlussleistung von bis zu 12,5 Megawatt erforderlich. Rund acht Megawatt davon würden allein auf die Elektromobilität entfallen. "Der eigentliche Flaschenhals liegt inzwischen beim Stromnetz", sagt Alois Huber, Geschäftsführer von Spar Wien, Niederösterreich und nördliches Burgenland. Für die vollständige Elektrifizierung der Flotte am Standort müssten die derzeit verfügbaren Netzkapazitäten laut Huber etwa verdreifacht werden.

Am Standort produziert Spar nach eigenen Angaben über eine Photovoltaikanlage mit 1,4 Megawatt Leistung einen Teil des benötigten Stroms selbst. In den Sommermonaten sollen damit bis zu 25 Prozent des durchschnittlichen Strombedarfs gedeckt werden. 

Ministerium förderte Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur

Das Mobilitätsministerium unterstützte die Anschaffung der zehn E-Lkw und der dazugehörigen Ladeinfrastruktur. "Die Elektrifizierung des Güterverkehrs schreitet voran. Mit eMOVE Austria schaffen wir die Rahmenbedingungen für den Umstieg und unterstützen Betriebe dabei. Unternehmen wie Spar zeigen, dass Elektromobilität auch im anspruchsvollen Logistikbetrieb zunehmend Realität wird. Das Mobilitätsministerium hat diesen Umstieg bzw. die Anschaffung der E-Lkw mit 2,2 Millionen Euro unterstützt – eine Investition in den emissionsfreien Güterverkehr und damit in eine klimaneutrale und von fossilen Energieträgern unabhängige Zukunft. Bis 2035 schaffen wir 1.200 Schnellladepunkte für Nutzfahrzeuge am hochrangigen Straßennetz und setzen damit klare Impulse für den elektrifizierten Güterverkehr", sagt Hanke. 

Die geförderten Fahrzeuge sollen innerhalb ihrer ersten fünf Betriebsjahre insgesamt 3,75 Millionen Kilometer ohne direkte Abgasemissionen zurücklegen. Das Ministerium erwartet dadurch gegenüber herkömmlichen Diesel-Lkw eine Einsparung von rund 2.500 Tonnen CO₂. Spar selbst beziffert die durchschnittliche Einsparung auf rund 52 Tonnen CO₂ pro Fahrzeug und Jahr. Hochgerechnet auf zehn Fahrzeuge und fünf Jahre ergäben sich daraus rund 2.600 Tonnen. 

Elektrifizierung soll auch Dieselverbrauch reduzieren

Neben der Klimabilanz führt Spar die geringere Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen als Argument für die Umstellung an. Würden sämtliche 90 Lkw am Standort St. Pölten elektrifiziert, könnten laut Unternehmensberechnungen jährlich rund 3,5 Millionen Liter Diesel eingespart werden.

Elektrisch betriebene Lastkraftwagen verursachen während der Fahrt keine direkten Abgasemissionen und sind üblicherweise leiser als vergleichbare Diesel-Lkw. Für eine umfassende Klimabilanz müssen allerdings auch die Stromerzeugung sowie die Herstellung von Fahrzeugen und Batterien berücksichtigt werden. "Mit der vollständigen Umstellung der 90 Lkw in St. Pölten könnten wir jedes Jahr rund 3,5 Millionen Liter Diesel einsparen und uns unabhängiger von Dieselimporten machen", so Huber abschließend. 

Einen Eindruck vom Pressegespräch können Sie mittels Galerie gewinnen.

www.spar.at

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