Optifin-Report 2026
Österreicher fragen höhere Kreditsummen für Immobilien an

| Redaktion 
| 31.08.2026

Der aktuelle Optifin-Report zeigt zugleich erhebliche regionale Unterschiede, einen steigenden Anteil von Kaufanfragen und weiterhin hohe Anforderungen beim Eigenkapital.

Wer in Österreich eine Finanzierung für eine Immobilie anfragt, wünscht sich im Median einen Kredit von 250.000 Euro. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte sich dieser Wert auf rund 255.000 Euro und erreichte damit den höchsten Stand der seit 2019 betrachteten Zeitreihe. Das geht aus dem aktuellen Optifin-Report "Wie Österreich finanziert 2026" hervor, für den mehrere tausend anonymisierte Finanzierungsanfragen ausgewertet wurden.

Als Wunschsumme bezeichnet Optifin dabei jenen Betrag, den Interessent:innen im Zuge ihrer Anfrage nennen. Sie entspricht somit nicht zwingend der Summe, die später tatsächlich von einer Bank finanziert wird.

Die Verteilung der angefragten Beträge fällt unterschiedlich aus. 17 Prozent der Finanzierungswünsche liegen unter 100.000 Euro. Weitere 13 Prozent betreffen Summen von mindestens 500.000 Euro. Mit einem Anteil von 27 Prozent entfällt die größte Gruppe auf Finanzierungswünsche zwischen 300.000 und 500.000 Euro. Beträge von weniger als 50.000 Euro machen hingegen weniger als zwei Prozent der Anfragen aus.

Deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern

Besonders groß sind die regionalen Abweichungen. An der Spitze liegt Vorarlberg mit einer medianen Wunschsumme von 300.000 Euro. Im Burgenland werden dagegen lediglich 175.000 Euro angefragt. Die Differenz beträgt damit 125.000 Euro beziehungsweise 71 Prozent.

Wien befindet sich mit 250.000 Euro im Mittelfeld. Laut Report hängt dies unter anderem mit der Art der finanzierten Immobilien zusammen. In der Bundeshauptstadt entfalle ein besonders hoher Anteil der Anfragen auf Eigentumswohnungen, während in Westösterreich häufiger Hausprojekte finanziert würden.

Optifin-Geschäftsführer Mario Schantl sieht die regionalen Unterschiede auch in der Beratungspraxis. "Das Gefälle überrascht uns in der Beratung nicht: In Vorarlberg oder Tirol ist ein Einfamilienhaus unter 600.000 Euro kaum zu finden", sagt Schantl. Entsprechend hoch seien dort die gewünschten Finanzierungssummen. Im Burgenland bekomme man für 175.000 Euro hingegen noch ein sanierungsfähiges Haus mit Grundstück.

Kaufanfragen legen wieder zu

Veränderungen zeigen sich auch beim Zweck der Finanzierung. Über den gesamten betrachteten Zeitraum beziehen sich 68 Prozent der Anfragen auf den Kauf einer Immobilie. Umschuldungen kommen auf 17 Prozent, Sanierungen beziehungsweise Modernisierungen sowie Neubauten auf jeweils rund sieben Prozent.

Im Jahresvergleich verliert die Umschuldung allerdings deutlich an Bedeutung. Ihr Anteil ging von 18,5 Prozent im Jahr 2024 über 17,4 Prozent 2025 auf 12,8 Prozent im Jahr 2026 zurück. Laut Optifin hätten in der Hochzinsphase viele Kreditnehmer:innen eine Umschuldung angestrebt. Mit der Entspannung bei den Zinsen habe dieser Druck nachgelassen.

Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der Kaufanfragen 2026 auf 71 Prozent und damit auf den höchsten Wert der vergangenen drei Jahre. Beim Neubau zeigt sich hingegen kaum Dynamik. Etwas mehr als sieben Prozent der Anfragen entfallen auf diesen Bereich.

Kreditwünsche bleiben trotz Zinsanstiegs stabil

Bemerkenswert ist aus Sicht der Auswertung die längerfristige Entwicklung der gewünschten Finanzierungssumme. Obwohl sich die Kreditzinsen seit 2021 zeitweise nahezu verdreifacht haben, bewegte sich der Median seit 2019 in einer vergleichsweise engen Spanne zwischen 220.000 und 255.000 Euro.

2023, als das Zinsniveau besonders hoch war und die KIM-Verordnung vollständig wirkte, sank die Wunschsumme auf 232.000 Euro. Nach dem Auslaufen der KIM-Verordnung mit 30. Juni 2025 stieg sie wieder. Im ersten Halbjahr 2026 wurden schließlich rund 255.000 Euro erreicht.

Schantl interpretiert die relativ konstante Finanzierungssumme dahingehend, dass Interessent:innen eher ihr Immobilienprojekt als ihr vorgesehenes Budget verändern würden. "Wenn Zinsen und Preise steigen, wird kleiner, weiter draußen oder später gekauft, aber die Budgetgrenze im Kopf bleibt", so Schantl. 

Jänner ist der stärkste Monat für Finanzierungsanfragen

Auch im Jahresverlauf sind deutliche Unterschiede erkennbar. Der Jänner weist mit einem Indexwert von 120 gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 100 die meisten Anfragen auf. Im Dezember sinkt der Index hingegen auf 75 und damit auf seinen niedrigsten Stand.

Nach Einschätzung von Optifin spiegelten sich darin auch Kaufabsichten zu Jahresbeginn wider. Immobilienprojekte würden offenbar besonders häufig mit Beginn eines neuen Jahres in Angriff genommen.

Eigenmittel bleiben zentrale Hürde

Neben der gewünschten Kredithöhe untersucht der Report auch die verfügbaren Eigenmittel. Im Median planen Interessent:innen mit 50.000 Euro. Rund 45 Prozent kalkulieren mit einer Eigenmittelquote von weniger als 20 Prozent. Im Median wird laut Auswertung nahezu der vollständige Kaufpreis als Finanzierungssumme angefragt.

Hinzu kommt, dass Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer und Eintragungsgebühr in den Überlegungen teilweise noch nicht berücksichtigt seien.

Zwischen den ursprünglichen Vorstellungen und tatsächlich abgeschlossenen Finanzierungen besteht laut Optifin eine merkliche Differenz. In der Beratungspraxis würden erfolgreiche Finanzierungen meist mit 25 bis 35 Prozent Eigenmitteln abgeschlossen, erklärt Schantl. Nur ungefähr jeder sechste Abschluss komme mit weniger als 20 Prozent Eigenkapital zustande.

Geringe Eigenmittel würden eine Finanzierung zwar nicht grundsätzlich ausschließen. Die Vorstellung, sowohl den gesamten Kaufpreis als auch die Nebenkosten über einen Kredit abzudecken, müsse jedoch "in vielen Erstgesprächen realitätsnäher" gestaltet werden, so Schantl.

www.optifin.at

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