Die Haltbarkeit der Batterie gehört zu den entscheidenden Fragen beim Kauf eines Elektroautos – und insbesondere eines gebrauchten Stromers. Eine umfangreiche Auswertung aus Schweden liefert dazu nun neue Daten aus dem realen Fahrzeugbestand. Demnach fällt der Kapazitätsverlust moderner E-Auto-Akkus offenbar geringer aus, als vielfach angenommen. Zudem scheint sich die Alterung mit zunehmender Laufleistung zu verlangsamen.
Für die Analyse hat der schwedische Gebrauchtwagenanbieter Carla insgesamt 9.954 Batterietests ausgewertet, die zwischen 2022 und 2026 bei Elektroautos auf dem schwedischen Gebrauchtwagenmarkt durchgeführt wurden. Zum Einsatz kam dabei einmal mehr die Batteriediagnostik des österreichischen Spezialisten Aviloo.
Nach 100.000 Kilometern noch 92,4 Prozent
Die Ergebnisse zeigen zunächst einen vergleichsweise stärkeren Kapazitätsverlust zu Beginn der Fahrzeugnutzung. Bei Elektroautos mit einer Laufleistung von bis zu 10.000 Kilometern lag die durchschnittliche Batteriegesundheit bei 98,6 Prozent. Bei 50.000 Kilometern waren es noch 94,4 Prozent.
Selbst nach 100.000 Kilometern verfügten die untersuchten Batterien im Durchschnitt noch über 92,4 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität. Der durchschnittliche Kapazitätsverlust belief sich damit auf lediglich 7,6 Prozent.
Dass E-Auto-Akkus auch bei höheren Laufleistungen noch einen Großteil ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen können, haben bereits andere Untersuchungen gezeigt. So berichtete LEADERSNET etwa über einen Dauertest des VW ID.3 nach 160.000 Kilometern sowie über eine Untersuchung, bei der die Langlebigkeit von Elektroauto-Batterien selbst Expert:innen überraschte.
Alterung verläuft offenbar nicht linear
Besonders interessant ist laut Carla der Verlauf der Degradation. Demnach deutet die Auswertung darauf hin, dass Batterien ihre Kapazität nicht über die gesamte Lebensdauer hinweg mit gleichbleibender Geschwindigkeit verlieren.
Während in den ersten Kilometern ein deutlicherer Rückgang festzustellen gewesen sei, flache die Kurve anschließend zunehmend ab. Zwischen 70.000 und 100.000 Kilometern sank die durchschnittliche Batteriegesundheit demnach nur noch um rund einen Prozentpunkt. Die Ergebnisse legen den Autor:innen zufolge somit nahe, dass sich die Batterien nach den ersten Nutzungsjahren gewissermaßen stabilisieren, anstatt ihre Kapazität kontinuierlich im selben Tempo einzubüßen.
Daten bei sehr hohen Laufleistungen noch dünn
Allerdings hat die Aussagekraft der Untersuchung ihre Grenzen. Zwar umfasst das Datenmaterial auch Fahrzeuge mit deutlich mehr als 100.000 Kilometern Laufleistung, deren Zahl nimmt jedoch stark ab. Bei 120.000 Kilometern standen beispielsweise nur noch 39 Fahrzeuge für die Auswertung zur Verfügung, oberhalb von 130.000 Kilometern waren es lediglich einzelne Exemplare.
Carla konzentriert sich deshalb bei seinen Schlussfolgerungen hauptsächlich auf Laufleistungen bis 100.000 Kilometer, für die eine wesentlich breitere Datenbasis vorliegt.
Zudem bedeutet der ermittelte Durchschnittswert nicht, dass sämtliche Elektroauto-Batterien gleich schnell altern. Laut den Studienautor:innen gebe es Unterschiede zwischen Herstellern, Modellen und eingesetzten Batterietechnologien.
Interessant für den Gebrauchtwagenmarkt
Gerade für Käufer:innen gebrauchter Elektroautos sind die Ergebnisse relevant. Denn der Zustand der Batterie und ein möglicherweise kostspieliger Kapazitätsverlust zählen zu den Unsicherheitsfaktoren bei der Entscheidung für einen gebrauchten Stromer. Die schwedischen Daten sprechen zumindest dafür, dass moderne E-Auto-Batterien auch nach längerer Nutzung einen hohen Anteil ihrer ursprünglichen Kapazität behalten können.
Dabei lohnt auch der Vergleich mit Plug-in-Hybriden: Hier zeigte eine andere Untersuchung, dass deren deutlich kleinere Akkus teilweise stärker von Alterung betroffen sein können als jene reiner Elektroautos (LEADERSNET berichtete).
www.carla.se
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