Fotos von der Präsentation
Dieser selbstfahrende E-Bus soll bald in Österreich im Linienverkehr fahren

| Tobias Seifried 
| 13.08.2026

ÖBB-CEO Andreas Matthä und Minister Peter Hanke haben einen "Robo"-Elektro-Postbus für 32 Fahrgäste vorgestellt. Nach baldigen Tests in Alpbach soll das Fahrzeug künftig im regulären Öffiverkehr eingesetzt werden.

Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte ÖBB Postbus am Donnerstag (13. August) gemeinsam mit dem türkischen Technologiepartner Otokar den vollelektrischen Autonomous e-Centro C. Das Fahrzeug verfügt über eine vollautomatisierte Fahrfunktion nach sogenanntem SAE Level 4 und kann die Fahraufgabe innerhalb eines klar definierten Einsatzbereichs grundsätzlich selbstständig übernehmen. Nach aktueller österreichischer Rechtslage muss dennoch eine geschulte Sicherheitsperson an Bord sein. 

Der Niederflurbus bietet Platz für bis zu 32 Fahrgäste und verfügt über eine Rollstuhlrampe. Seinen ersten österreichischen Praxiseinsatz absolviert der E-Bus beim European Forum Alpbach 2026 (24. August bis 4. September) auf einer definierten Strecke. Danach ist der Einsatz im regulären Linienbetrieb am Campus Wolfurt geplant. Dort soll das Fahrzeug Unternehmen im Industriepark mit der S-Bahn verbinden.

Potenzial für den öffentlichen Verkehr

Mobilitätsminister Peter Hanke sieht in der automatisierten Mobilität einen wichtigen Baustein für ein moderneres, sichereres und effizienteres Verkehrssystem. Besonders großes Potenzial ortet er im öffentlichen Verkehr – etwa auf der ersten und letzten Meile, in ländlichen Regionen oder zu Zeiten, in denen ein klassischer Linienbetrieb schwer darstellbar ist. "Österreich soll diese Entwicklung nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten", betonte Hanke am Donnerstag. Dabei gehe es auch darum, Wertschöpfung im Land zu halten und österreichisches Know-how international sichtbar zu machen. Automatisierte Mobilität sei damit nicht nur verkehrspolitisch relevant, sondern zugleich eine Chance für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Österreich.

Den Weg dafür hatte Hanke bereits im Frühjahr geebnet. Im April präsentierte der Mobilitätsminister die nächste Phase für automatisiertes Fahren in Österreich. Nach jahrelanger Forschung soll die Technologie zunehmend aus dem isolierten Testumfeld in den realen Verkehrsalltag überführt werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf vollautomatisierten Bussen und deren perspektivischer Integration in den regulären Linienbetrieb (LEADERSNET berichtete).

Auch ÖBB-CEO Andreas Matthä unterstrich bei der Präsentation die strategische Bedeutung der Technologie. "Autonomes Fahren ist keine Zukunftsvision mehr, sondern eine Technologie mit großem Potenzial für den öffentlichen Verkehr", so Matthä. Anspruch der ÖBB sei es, die Entwicklung aktiv mitzugestalten und frühzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln. Der nun gestartete Pilotbetrieb soll dafür eine Grundlage schaffen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, neue Technologien verantwortungsvoll einzusetzen und langfristig zusätzliche beziehungsweise verbesserte Mobilitätsangebote für die Fahrgäste zu ermöglichen.

"Seit vielen Jahren investieren wir umfassend in Technologien für autonome Mobilität, die die Zukunft des öffentlichen Verkehrs prägen", erklärte Kerem Erman, Head of Commercial Vehicles bei Otokar. Das Unternehmen liefere dabei nicht nur das Fahrzeug, sondern eine integrierte Mobilitätslösung auf Basis eigener Engineering-Kompetenz und Software.

Erfahrungen aus Madrid fließen nach Österreich

Otokar kann bereits auf Erfahrungen im autonomen Linienverkehr zurückgreifen. Der Hersteller hat den e-Centro in Madrid in den regulären Betrieb überführt. Erkenntnisse aus dem dortigen Praxiseinsatz sollen nun auch in die österreichischen Projekte einfließen.

Für die ÖBB dient der Pilotbetrieb dazu, Erfahrungen mit der Technologie unter realen Bedingungen zu sammeln. Perspektivisch könnten autonome Mobilitätslösungen auf weiteren definierten Strecken, für Angebote auf der ersten und letzten Meile sowie in zusätzlichen Regionen Österreichs zum Einsatz kommen.

LEADERSNET war bei der Pressekonferenz. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.postbus.at

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