Comeback der "Firmenjäger"
Österreichische Unternehmen gehen wieder häufiger auf Einkaufstour

| Tobias Seifried 
| 12.08.2026

Hierzulande werden wieder mehr Firmen gekauft – doch die Milliarden-Deals fehlen. Eine Analyse zeigt, wer derzeit besonders häufig zugreift, welche Branchen gefragt sind und wieso ausländische Investoren wieder mehr Interesse zeigen.

Nach einem verhaltenen Umfeld ist am österreichischen Markt für Fusionen und Übernahmen wieder mehr Bewegung zu beobachten. Laut dem aktuellen EY-Parthenon M&A-Index Österreich wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 131 Unternehmenskäufe mit österreichischer Beteiligung angekündigt. Gegenüber den 118 Transaktionen im Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht das einem Plus von elf Prozent.

Beim Wert der Transaktionen zeige sich allerdings das gegenteilige Bild. Das veröffentlichte Deal-Volumen sank laut der Analyse von 17,3 Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro und damit um 67,6 Prozent. Der Rückgang sei allerdings vor allem auf die außergewöhnlich hohe Vergleichsbasis zurückzuführen. Das erste Halbjahr 2025 war von mehreren milliardenschweren Transaktionen geprägt.

"Der österreichische M&A-Markt sendet ein gemischtes, aber insgesamt positives Signal. Die Zahl der Transaktionen steigt, obwohl das geopolitische und damit gefolgt das wirtschaftliche Umfeld weiterhin anspruchsvoll ist", sagt Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY-Parthenon. Unternehmen würden vorsichtig bleiben und vor allem dort investieren, wo Übernahmen strategisch sinnvoll seien.

Nach starkem Jahresauftakt lässt Dynamik nach

Ganz gefestigt dürfte die Erholung allerdings noch nicht sein. Während im ersten Quartal 77 Transaktionen angekündigt wurden, waren es im zweiten Quartal nur noch 54.

Laut Alexander Zottl, Senior Manager bei EY-Parthenon Österreich, sei damit zwar mehr Aktivität zu beobachten, von einer Rückkehr zu einem Übernahmeboom könne jedoch keine Rede sein. Käufer:innen würden sich zunehmend auf Transaktionen konzentrieren, mit denen Geschäftsmodelle weiterentwickelt, neue Märkte erschlossen oder technologische Fähigkeiten ergänzt werden können.

Fünf Deals stehen für 4,9 Milliarden Euro

Dass größere Übernahmen weiterhin möglich sind, zeigen einige der prominentesten Transaktionen des bisherigen Jahres. Zu den größten angekündigten Deals zählt die Übernahme der irischen Permanent TSB Group Holdings durch die Bawag für rund 1,6 Milliarden Euro. 

Allein die fünf größten Transaktionen erreichten demnach zusammen ein veröffentlichtes Volumen von rund 4,9 Milliarden Euro. Damit entfällt der überwiegende Teil des gesamten Deal Values von 5,6 Milliarden Euro auf wenige Großtransaktionen.

Ausländische Käufer:innen greifen häufiger zu

Bemerkenswert entwickle sich laut Analyse das Interesse aus dem Ausland. Im ersten Halbjahr wurden 55 Übernahmen österreichischer Unternehmen durch internationale Käufer:innen angekündigt – 14,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit waren 42 Prozent aller untersuchten Transaktionen Inbound-Deals.

Auch wertmäßig spielten diese eine große Rolle: Rund 3,2 Milliarden Euro des gesamten veröffentlichten Transaktionsvolumens entfielen auf ausländische Direktinvestitionen in Österreich. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 2,3 Milliarden Euro.

"Österreich bleibt für internationale Käufer:innen attraktiv – vor allem dort, wo Unternehmen technologisches Know-how, spezialisierte Industriekompetenz oder starke Marktpositionen mitbringen", so Hufnagel.

Fast drei Viertel der ausländischen Investor:innen kamen aus Europa. Besonders aktiv waren Käufer:innen aus Deutschland mit 21 Transaktionen, gefolgt von Investor:innen aus den USA und Frankreich.

Heimische Unternehmen zieht es ebenfalls ins Ausland

Gleichzeitig gingen österreichische Unternehmen wieder häufiger selbst auf Einkaufstour. 52 Übernahmen im Ausland wurden im ersten Halbjahr angekündigt – ein Plus von 14,3 Prozent.

Deutschland blieb mit 19 Transaktionen der mit Abstand wichtigste Zielmarkt. Dahinter folgten Italien mit vier sowie Rumänien, Schweden und die USA mit jeweils drei Deals. Das veröffentlichte Volumen der Outbound-Transaktionen belief sich auf rund 1,6 Milliarden Euro, wobei die angekündigte Bawag-Übernahme in Irland den Wert maßgeblich beeinflusste.

Private Equity spielt nur eine Nebenrolle

Besonders deutlich fällt die Dominanz strategischer Käufer:innen aus. Von den insgesamt 131 Transaktionen entfielen 124 auf Unternehmen. Private-Equity- und Venture-Capital-Investor:innen waren hingegen lediglich an sieben Deals beteiligt und kamen damit auf einen Anteil von rund fünf Prozent.

"Strategische Investor:innen sind derzeit klar im Vorteil", sagt Zottl. Synergien, Marktzugang und industrielle Logik könnten von ihnen stärker in den Vordergrund gestellt werden. Private Equity bleibe zwar aktiv, agiere derzeit aber selektiv.

Industrie führt bei der Zahl der Übernahmen

Die meisten Transaktionen wurden EY zufolge im Industriesektor gezählt. Mit 38 Deals liegt dieser deutlich vor Technologie, Medien und Telekommunikation mit 25 sowie Immobilien und Bau mit 21 Transaktionen. Auf Consumer Products & Retail entfielen 18 Deals.

Beim Transaktionsvolumen dreht sich das Bild: Mit 2,9 Milliarden Euro lag der Finanzsektor an der Spitze, gefolgt vom Technologie-, Medien- und Telekommunikationsbereich mit 2,4 Milliarden Euro.

Für das zweite Halbjahr rechnen die Studienautor:innen nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Aktivitäten. Zinsen, Finanzierungskosten, geopolitische Risiken und die Konjunktur dürften Übernahmeentscheidungen weiterhin erschweren. Gleichzeitig würden Digitalisierung, Energiewende und der Druck zur Transformation Unternehmen dazu zwingen, ihre strategische Position weiterzuentwickeln.

"M&A bleibt dafür ein wichtiges Instrument – aber die Anforderungen an Transaktionslogik, Due Diligence und Integrationsfähigkeit steigen", so Hufnagel.

www.ey.com

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