Geopolitische Veränderungen, technologische Entwicklungen und neue Formen der Kriegsführung stellen auch Österreich vor neue sicherheitspolitische Fragen. Auf Einladung des Unternehmers Ali Rahimi kamen Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Oberst Markus Reisner von der Theresianischen Militärakademie und ORF-Korrespondent sowie Miliz-Oberstleutnant Christian Wehrschütz im Palais Széchényi mit führenden Vertreter:innen der Wirtschaft zusammen.
Im Zentrum des Austauschs stand die Frage, wie Österreich seine umfassende Landesverteidigung angesichts veränderter Bedrohungsszenarien weiterentwickeln kann. Dabei ging es nicht ausschließlich um militärische Fähigkeiten. Auch die intellektuelle und geistige Landesverteidigung sowie eine fundierte Auseinandersetzung mit geopolitischen Entwicklungen wurden thematisiert.
Tanner sieht dabei auch Wirtschaftstreibende als wichtige "Informationsoffizier:innen". Sie könnten zum gesellschaftlichen Diskurs sowie zur Einordnung internationaler Entwicklungen und ihrer möglichen Folgen beitragen.
Mehr Investition in die Streitkräfte
Das österreichische Bundesheer befindet sich laut den Ausführungen bei der Veranstaltung in einer Phase verstärkter Investitionen. Das Verteidigungsbudget hat sich gegenüber 2019 verdoppelt, so die Verantwortlichen. Zusätzliche Mittel würden unter anderem in die Luftverteidigung sowie in Drohnentechnologie und Systeme zur Drohnenabwehr fließen.
Tanner unterstrich zugleich, dass umfassende Landesverteidigung über die militärische Dimension hinausreiche. "Mit der Waffe in der Hand treten wir nicht gegen etwas an, sondern treten für unser System, unsere Werte und unsere Demokratie ein. Die Bereitschaft zur umfassenden Landesverteidigung basiert auf der Liebe zu unserem Land", sagte die Verteidigungsministerin.
Reisner verwies seinerseits auf die internationale Wahrnehmung österreichischer militärischer Expertise. Österreich habe hervorragend ausgebildete Offizier:innen hervorgebracht, deren Analysen auch über digitale Plattformen ein großes Publikum erreichten. "Auf YouTube hat rot-weiß-rote Expertise 21 Millionen Klicks erreicht und sich als inhaltliche Benchmark positioniert", betonte er.
Die Republik müsse sich nach Ansicht Reisners auf mögliche künftige Herausforderungen vorbereiten, auch wenn diese im besten Fall niemals eintreten würden. Zugleich müsse das Vertrauen in das Bundesheer weiter gestärkt werden.
Drohnen verändern die Kriegsführung
Einen Schwerpunkt der Diskussion bildete die rasante Entwicklung unbemannter Systeme. Nach Reisners Darstellung seien die Entwicklungszyklen bei Drohnen im Krieg in der Ukraine teilweise nur rund zwei Monate lang. Dem stünden deutlich längere Beschaffungsprozesse in Westeuropa gegenüber.
Die Theresianische Militärakademie könne technologisch bei der Entwicklung und beim Bau von Drohnen Schritt halten. Verzögerungen würden allerdings unter anderem durch regulatorische und bürokratische Vorgaben entstehen. Als Beispiel wurden fehlende Luftfahrzeuggenehmigungen genannt, die den Zeitraum zwischen Entwicklung und tatsächlichem Einsatz verlängerten.
Bei Übungen sei Österreich bereits in der Lage, wesentliche Aspekte der Kriegsführung in der Ukraine abzubilden. Eine besondere Rolle spiele dabei das elektromagnetische Feld. Auch alltägliche Geräte wie Mobiltelefone könnten unter entsprechenden Bedingungen zu einem Sicherheitsrisiko werden.
Wehrschütz verwies auf die zunehmende Automatisierung militärischer Auseinandersetzungen. "Wir erleben die Robotisierung als künftige Form der Kriegsführung. Technologie kämpft gegen Technologie, bevor der Mensch ins Spiel kommt", schilderte er seine Erfahrungen.
Klassische Systeme bleiben relevant
Neue Technologien würden konventionelle militärische Systeme nach Einschätzung Reisners nicht vollständig ersetzen. Vielmehr müssten bestehende Streitkräfte um zusätzliche technologische Fähigkeiten ergänzt werden.
"Panzer wird es weiterhin brauchen. In der Bedrohung durch Drohnen werden sie durch innovative Systeme wie Skyranger bestückt werden müssen", sagte Reisner. Gleichzeitig verwies er darauf, dass sich mögliche Konfliktfelder längst über den klassischen militärischen Raum hinaus ausgedehnt hätten. Der Weltraum, der Informationsraum und der Cyber Space spielten dabei eine zunehmend wichtige Rolle.
Auch der Schutz kritischer Infrastruktur wurde vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg thematisiert. Dieser könne durch die Zusammenarbeit zwischen Verteidigungs- und Innenministerium gewährleistet werden. Dafür seien allerdings auch gesetzliche Klärungen erforderlich, etwa wenn es um die Möglichkeiten der Exekutive zur Abwehr von Drohnen gehe.
Wirtschaft als Partner im Sicherheitsdiskurs
Gastgeber Ali Rahimi hob die Bedeutung eines regelmäßigen Austauschs zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen hervor. "Der intensive Dialog von Wirtschaft, Politik und Bundesheer ist die Voraussetzung, um Landesverteidigung als Gesellschaft umfassend und partnerschaftlich als gemeinsames Ziel zu denken", erklärte der Unternehmer.
Der Einladung ins Palais Széchényi folgten zahlreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Medien und Gesellschaft. Unter den Gästen waren unter anderem Lidia Baich (Geigerin), Helmut Bernkopf (Oesterreichische Kontrollbank), Reinhard Binder (Robin Consult), Philipp Bodzenta (The Coca-Cola Company), Bettina und Johann Breiteneder (Breiteneder Immobilien), Johannes Bruckenberger (ORF), Cornelia Doma (ProSiebenSat.1 Puls 4), Christine Dornaus (Bundesimmobiliengesellschaft), Toni Faber (Dompfarrer), S.E. Art Fisher (U.S. Embassy), Gerald Ganzger (Lansky, Ganzger & Partner), Bettina Glatz-Kremsner (Unternehmerin), Robert Glock (Unternehmer), Richard Grasl (Kurier Medienhaus), Thomas Gruber (ProSiebenSat.1 Puls 4), Elisabeth Gürtler (Hotel Sacher), Jürgen Hofer (Manstein Zeitschriftenverlag), Gerda Holzinger-Burgstaller (Erste Bank), Inge Klingohr (Interspot), Johanna und Karl Kolarik (Schweizerhaus), Georg Kraft-Kinz (Kraft Kinz Kraft), Atil Kutoglo (Designer), Johann Kwizda (Kwizda Holding), Alexander Langgruber (Yield Public Relations), Gabriel Lansky (Lansky, Ganzger & Partner), Martin Lenikus (Lenikus Unternehmensgruppe), Carola Lindenbauer (Künstlerin), Markus Mair (Styria Media Group), Kurt Mann (Der Mann), Ernst Minar (John Harris), Christian Rainer (Medienexperte), Maria Rauch-Kallat (Bundesministerin a.D., Unternehmerin), Gerald Schweighofer (Timber Group), Steinbruch), Karl-Heinz Strauss (Porr), Christian Töltl (IFP Wiener Neustadt) und Sigi Wolf (Unternehmer).
Zum Abschluss erhielt Tanner von Wehrschütz ein ungewöhnliches Gastgeschenk mit unmittelbarem Bezug zum Thema des Abends: eine in der Ukraine mittels 3D-Druck hergestellte Anti-Drohnenpistole.
LEADERSNET war bei der Veranstaltung. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.
www.bmlv.gv.at
www.rahimi.at
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