Der weltweite KI-Boom scheint sich zu einer der größten Infrastruktur-Investitionswellen der kommenden Jahrzehnte entwickeln. Bis 2050 könnten rund 31,6 Billionen US-Dollar (rund 28 Billionen Euro) in KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur fließen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle "Global Data Centre Outlook 2026–2050" von PwC.
Je nach Entwicklung der Nachfrage könnte der Kapitalbedarf allerdings erheblich davon abweichen. In einem Szenario mit stärkerem Wachstum wären laut PwC nahezu 50 Billionen US-Dollar erforderlich. Einschränkungen bei Chip-Lieferketten und strengere Exportkontrollen könnten das Investitionsvolumen dagegen auf 25,5 Billionen Dollar drücken.
Für Rudolf Krickl, CEO von PwC Österreich, ergibt sich daraus eine zentrale Standortfrage: "Wer KI-Investitionen fördern will, braucht leistungsfähige Stromnetze, rasche Genehmigungen und verlässliche Rahmenbedingungen." Österreich müsse Energieversorgung und digitale Infrastruktur gemeinsam weiterentwickeln, um Wertschöpfung im Land zu sichern.
Jährlicher Investitionsbedarf könnte auf 1,8 Billionen Dollar steigen
Für 2026 geht PwC von weltweiten Investitionen von rund 800 Milliarden US-Dollar aus. Bis 2050 könnte dieser Betrag auf jährlich 1,8 Billionen Dollar steigen.
Anders als bei klassischen Infrastrukturprojekten dürfte der Kapitalbedarf auch nach der Errichtung der Rechenzentren hoch bleiben. Chips, Server und andere IT-Komponenten müssten laut Studie typischerweise alle vier bis sechs Jahre erneuert werden.
Dadurch könnte der Anteil der IT-Ausstattung an den gesamten Investitionen von derzeit rund 70 auf 93 Prozent im Jahr 2050 steigen. Langfristig würde laut PwC auf jeden Dollar, der in den Bau eines Rechenzentrums fließt, ein weiterer Bedarf von rund zwölf Dollar für IT-Ausstattung folgen.
USA könnten fast jeden zweiten Investitionsdollar anziehen
Besonders stark dürfte sich der Ausbau in den USA konzentrieren. Im Basisszenario entfallen dort bis 2050 rund 15,1 Billionen Dollar beziehungsweise 48 Prozent der weltweiten Investitionen. Als Gründe nennt PwC unter anderem das leistungsfähige Chip-Ökosystem und die führende Rolle des Landes bei der Entwicklung großer KI-Modelle.
Für den asiatisch-pazifischen Raum prognostiziert die Studie Investitionen von 8,2 Billionen Dollar, wobei vor allem China und Indien eine wichtige Rolle spielen dürften.
Europa käme dagegen auf rund 5,6 Billionen Dollar. Damit würde sein Anteil an den weltweiten Investitionen laut PwC deutlich hinter dem Anteil der Region an der globalen Wirtschaftsleistung zurückbleiben.
Strom könnte über Europas Position im KI-Wettbewerb entscheiden
Zu den größten Herausforderungen für Europa zählt PwC begrenzte Stromkapazitäten, aufwendige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine fragmentierte Regulierung. Die Verfügbarkeit von bezahlbarem, verlässlichem und CO₂-armem Strom dürfte daher zunehmend darüber entscheiden, welche Standorte neue Rechenzentren anziehen können.
Innerhalb Europas könnten Deutschland, Großbritannien und Spanien die höchsten Investitionen verzeichnen, gefolgt von Frankreich und Schweden. Neben der Energieversorgung dürften schnelle Datenverbindungen, Sicherheit und vertrauenswürdige Hosting-Angebote für sensible Daten eine wichtige Rolle spielen.
Rechenzentren könnten zur strategischen Infrastruktur werden
Die Bedeutung entsprechender Kapazitäten dürfte laut PwC weit über die unmittelbaren Investitionen hinausreichen. Rechenzentren bilden eine wesentliche technische Grundlage für KI-Anwendungen in Unternehmen und Industrie – und könnten damit zunehmend beeinflussen, in welchen Regionen digitale Wertschöpfung stattfindet.
Thomas Inführ, Head of Automation & AI Solutions bei PwC Österreich, sieht darin auch eine Frage der europäischen digitalen Eigenständigkeit: "Fehlen diese Kapazitäten, wächst die Abhängigkeit von anderen Weltregionen."
Europa könne gleichzeitig von erneuerbaren Energien und hohen baulichen Standards profitieren. Entscheidend werde sein, diese Voraussetzungen in ausreichende Rechenzentrums- und Energieinfrastruktur zu übersetzen.
Chip-Lieferketten könnten Investitionen deutlich bremsen
Wie stark die Entwicklung von funktionierenden Lieferketten abhängen könnte, zeigt eines der PwC-Szenarien. Bei strengeren Exportbeschränkungen und Störungen der Chip-Versorgung könnte das kumulierte Investitionsvolumen bis 2050 von 31,6 auf 25,5 Billionen Dollar sinken.
Das wären 6,1 Billionen Dollar beziehungsweise knapp 20 Prozent weniger als im Basisszenario.
Umgekehrt könnte eine stärker als erwartete KI-Nachfrage den Kapitalbedarf auf annähernd 50 Billionen Dollar treiben. Die große Bandbreite der Szenarien zeigt damit vor allem, wie eng die weitere Entwicklung der KI-Infrastruktur mit Energieversorgung, Halbleiterproduktion, Lieferketten und regulatorischen Rahmenbedingungen verbunden sein dürfte.
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