Sarah Lamboj im Interview
"Der Produktionsort ist für den Großteil unserer Kunden kein Hindernis"

smart blickt hierzulande auf ein positives erstes Halbjahr zurück: vor allem dank des Flaggschiffs #5 und neuer B2B-Kunden. Mit dem #2 kehrt die Automarke zugleich zu ihren Wurzeln zurück. Im LEADERSNET-Interview spricht CEO Sarah Lamboj über Wachstum, E-Mobilität, Ladeinfrastruktur, EU-Zölle aufgrund der Produktion in China und die Erwartungen an den neuen Zweisitzer.

LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Lamboj, Smart hat sich in den vergangenen Jahren vom klassischen Kleinstwagenhersteller zur vollelektrischen Premium-Marke entwickelt. Wie fällt Ihre Bilanz für das erste Halbjahr 2026 in Österreich aus und wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?

Sarah Lamboj: Ich sehe das erste Halbjahr durchaus positiv. Wir konnten den Bestelleingang um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern, was mehrheitlich auf den smart #5 und neue Kund:innen im B2B-Bereich zurückzuführen ist. Das heurige Jahr steht für uns im Zeichen des Wachstums und der Vorbereitung auf den Launch des smart #2. Wir konnten in den letzten beiden Verkaufsjahren und dem Launch von drei Modellen vieles lernen, das wir jetzt weiter umsetzen. Immer mehr Kund:innen finden den Weg zu unseren Partnern und sitzen in unseren Autos. Ein Trend, den wir mit viel Power weiter vorantreiben wollen.

LEADERSNET: Wie werden die aktuellen Modelle #1, #3 und #5 von den österreichischen Kund:innen angenommen? Welche Zielgruppen erreichen Sie heute, die Smart früher vielleicht gar nicht im Blick hatte?

Lamboj: Die Resonanz auf unsere Modelle ist positiv. Mit dem smart #1 und dem smart #3 erreichen wir etwa einen 50:50 Split bei Privatkund:innen und Firmen. Mit dem Launch des smart #5 haben wir die Nachfrage bei Firmenkund:innen signifikant steigern können. smart war bekannt für seine Zweisitzer, mit den 3 neuen Modellen erweitern wir unser Portfolio und zeigen, dass wir für verschiedenste Lebenssituationen das passende Modell parat haben. Der smart #2 wird unsere Angebotspalette perfekt ergänzen. Wir können also quer durch die Gesellschaft eine breite Zielgruppe ansprechen und konnten so auch mit unseren Kund:innen wachsen. Ob Single, Familie, in der Stadt oder am Land, wir können Fans unserer Marke für diverse Lebenslagen ein Modell anbieten.

LEADERSNET: Die E-Mobilität entwickelt sich in Österreich zwar ständig weiter, das Wachstum könnte aber noch größer ausfallen. Was läuft aus Ihrer Sicht gut – und wo braucht es dringend bessere politische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen, damit mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen?

Lamboj: Positiv ist, dass die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen kontinuierlich steigt. Die Reichweiten sind heute alltagstauglich, die Ladeinfrastruktur wächst, und die Technologie entwickelt sich enorm schnell weiter. Man sieht auch, dass diverse politische Entscheidungen wie etwa die Streichung von Förderungen, etc. die Elektromobilität nicht stoppen. Die Neuzulassungen steigen weiter und das freut uns sehr. Elektromobilität ist in Österreich definitiv angekommen und wächst.

Gleichzeitig braucht der Markt Planungssicherheit. Kund:innen treffen bei einem Fahrzeug Kaufentscheidungen für viele Jahre. Deshalb sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, ein weiterer Ausbau der Ladeinfrastruktur und attraktive steuerliche Anreize wichtige Faktoren.

Besonders im Mehrparteienwohnbau sowie im Bereich des öffentlichen Ladens sehe ich noch Verbesserungspotenzial. Je einfacher und komfortabler das Laden wird, desto schneller wird sich die Elektromobilität im Massenmarkt durchsetzen.

LEADERSNET: smart produziert seine Fahrzeuge gemeinsam mit Geely in China. Wird dieser Produktionsstandort von Ihren Kund:innen eher als Vorteil – etwa aufgrund der technologischen Kompetenz – oder als Nachteil wahrgenommen? Und wie stark belasten die EU-Strafzölle Ihr Geschäft?

Lamboj: Wir erleben, dass Kund:innen heute vor allem auf Qualität, Technologie und das gesamte Nutzererlebnis achten. Die Zusammenarbeit zwischen Mercedes-Benz im Design und Geely im Bereich Technologie und Entwicklung verbindet aus unserer Sicht die jeweiligen Stärken beider Partner optimal. Der Produktionsort ist für den Großteil unserer Kund:innen kein Hindernis.

Natürlich beobachten wir die handelspolitischen Entwicklungen sehr genau. Zusätzliche Zölle stellen die gesamte Branche vor Herausforderungen. Gleichzeitig arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen und unseren Kund:innen weiterhin attraktive Produkte zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten.

LEADERSNET: Im Herbst feiert auf der Paris Motor Show der neue smart #2 seine Weltpremiere – ein Modell, mit dem Smart zu seinen Wurzeln als kompakter City-Car-Anbieter zurückkehrt. Welche Erwartungen verbinden Sie mit dem neuen Zweisitzer und wann wird er in Österreich erhältlich sein?

Lamboj: Der smart #2 ist für uns ein äußerst spannendes Projekt, weil er die DNA der Marke mit modernster Elektromobilität verbindet. Er bringt den Gedanken des urbanen, kompakten smart zurück, interpretiert ihn aber völlig neu. Viele Menschen verbinden mit smart nach wie vor das Thema City-Mobilität. Genau dort liegt enormes Potenzial, insbesondere in europäischen Städten. Deshalb sehen wir großes Interesse an diesem Fahrzeug.

Zum genauen Marktstart in Österreich werden wir zu einem späteren Zeitpunkt weitere Informationen bekanntgeben. Klar ist aber bereits heute: Der smart #2 wird eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung unserer Marke spielen und wird definitiv auch ein Volumenstreiber in Österreich werden.

LEADERSNET: Der neue #2 soll bei Reichweite, Ladeleistung und Digitalisierung einen deutlichen Technologiesprung machen. Welche Neuerungen werden die Kund:innen besonders überraschen – und mit welchen Verkaufszahlen rechnen Sie im ersten Jahr auf dem österreichischen Markt?

Lamboj: Mit dem smart #2 verfolgen wir das Ziel, die Vorteile eines kompakten Stadtautos mit modernster Technologie zu verbinden. Besonders wichtig werden dabei Digitalisierung, Konnektivität, intelligente Assistenzsysteme und eine Ladeperformance sein, die den Alltag noch einfacher macht. Die neue ECA-Plattform wurde gezielt für die nächste Generation kompakter Elektrofahrzeuge entwickelt. Übrigens wurde die Plattform intern bei smart entwickelt, auf das sind wir besonders stolz.

Konkrete technische Daten und Markterwartungen werden wir rund um die Weltpremiere kommunizieren. Grundsätzlich sehen wir jedoch großes Potenzial für ein Fahrzeug, das urbane Mobilität, modernes Design und Elektrotechnologie in dieser Form kombiniert. Wir erwarten rund 300 Kilometer Reichweite und eine DC-Schnellladung von zehn auf 80 Prozent in weniger als 20 Minuten. Das macht es zu einem Stadtauto, das auch über die Grenzen der Stadt als Kleinstwagen funktionieren kann.

LEADERSNET: Kleinstwagen gelten wegen hoher Entwicklungs- und Batteriekosten wirtschaftlich als schwierig. Kann man ein elektrisches Stadtauto heute überhaupt noch profitabel bauen – oder braucht es dafür völlig neue Geschäftsmodelle?

Lamboj: Die Frage ist nicht, ob man ein elektrisches Fahrzeug im sehr kompakten A-Segment bauen kann, sondern wie. Als eigenständiges Projekt ist das wirtschaftlich sehr anspruchsvoll. Mit den richtigen Partnerschaften, einer skalierbaren Architektur und einem starken Portfolio im Rücken kann ein solches Fahrzeug aber durchaus profitabel sein. Genau deshalb verfolgen wir bei smart diesen Ansatz und investieren wieder bewusst in das Segment, das unsere Marke ursprünglich geprägt hat.

Der Schlüssel liegt aus unserer Sicht nicht in einem völlig neuen Geschäftsmodell, sondern in der richtigen Kombination aus Skaleneffekten, modernen Plattformstrategien, technologischen Partnerschaften und einer klaren Positionierung.

LEADERSNET: Wenn Sie auf den österreichischen Markt insgesamt blicken: Wo sehen Sie Smart Ende 2026? Welche Ziele haben Sie sich für das Gesamtjahr gesetzt und was wird aus Ihrer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor sein, um sich im zunehmend härteren Wettbewerb der E-Automarken zu behaupten?

Lamboj: Unser Ziel ist es, smart weiter als eine der attraktivsten Premium-Elektromarken Österreichs zu etablieren. Wir wollen nachhaltig wachsen, die Bekanntheit unserer neuen Produkte steigern und gleichzeitig das Kundenerlebnis entlang der gesamten Customer Journey weiter verbessern. Darüber hinaus planen wir auch die Erweiterung unseres Vertriebsnetzes, sodass wir 2027 mehr Verkaufsstandorte in ganz Österreich haben. Der Wettbewerb wird zweifellos intensiver. Umso wichtiger ist eine klare Positionierung. Unsere Stärke liegt in der Verbindung aus ikonischem Design, modernster Elektrotechnologie, hoher Alltagstauglichkeit und einer starken europäischen Design-DNA. Der wichtigste Erfolgsfaktor wird sein, Kund:innen nicht nur ein Fahrzeug anzubieten, sondern ein überzeugendes Gesamterlebnis. Wer Innovation, Qualität und Emotion glaubwürdig verbindet, wird auch in einem zunehmend dynamischen Markt erfolgreich sein.

Ende 2026 würde ich mich freuen, wenn wir viele weitere smart Fahrer:innen auf den österreichischen Straßen haben und die Vorfreude auf den Marktstart vom smart #2 geschärft haben. Heuer und vor allem nächstes Jahr zählen für smart zu den wichtigsten, aber auch spannendsten Jahren überhaupt. Als Team freuen wir uns schon sehr darauf, die Rückkehr der Ikone zu feiern.

LEADERSNET: Vielen Dank.

www.smart.com/at

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