Nach Abschluss einer Compliance-Prüfung
ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber mit sofortiger Wirkung abberufen

| Redaktion 
| 05.08.2026

ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher zieht nach Abschluss einer Compliance-Prüfung personelle Konsequenzen. 

Wenige Wochen nach dem Ausscheiden von Oliver Böhm, dem langjährigen Geschäftsführer der Werbevermarktungstochter ORF-Enterprise (LEADERSNET berichtete), kommt es zu einer weiteren personellen Veränderung im ORF. Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat Peter Schöber mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführer von ORF III abberufen und beurlaubt. Zuvor waren die gegen ihn erhobenen Vorwürfe von der ORF-Compliance-Stelle und externen Fachleuten geprüft worden.

Prüfung der Vorwürfe abgeschlossen

Nach Angaben des ORF wurden die gegen Schöber erhobenen Vorwürfe von der unternehmenseigenen Compliance-Stelle und externen Fachleuten untersucht. Die Prüfung sei inzwischen beendet. Laut der Mitteilung kamen die Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass Schöber "in vielfacher Hinsicht Verhaltensweisen" gezeigt habe, die mit der Funktion einer Führungskraft im ORF nicht vereinbar seien. Nähere Einzelheiten zu den Ergebnissen veröffentlichte der ORF unter Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht.

Thurnher kündigte an, bei der nächsten Sitzung des Stiftungsrats ausführlicher zu dieser und zu weiteren Compliance-Angelegenheiten Stellung zu nehmen.

Gespräche über Ausscheiden aufgenommen

Parallel zur Abberufung und Beurlaubung wurden laut ORF Gespräche über Schöbers Ausscheiden aus dem Unternehmen eingeleitet. Medienberichten zufolge wurde er zudem angewiesen, keinen Kontakt zur Belegschaft von ORF III und zu Mitgliedern des Stiftungsrats aufzunehmen.

Die alleinige Geschäftsführung des Senders übernimmt bis auf Weiteres Kathrin Zierhut-Kunz. Für das Programm ist Lou Lorenz-Dittlbacher verantwortlich.

Beschäftigte erhoben mehrere Vorwürfe

Bereits im September 2024 hatten Medienberichten zufolge rund 60 Mitarbeiter:innen gegenüber der Compliance-Stelle Aussagen über Schöbers Führungsverhalten gemacht. Im Raum standen unter anderem Vorwürfe eines toxischen Arbeitsklimas, des Mobbings und möglicher Eingriffe in redaktionelle Entscheidungen. Darüber hinaus wurde der Verdacht geäußert, Arbeitszeitaufzeichnungen könnten manipuliert und kollektivvertragliche Regelungen umgangen worden sein. Die konkreten Untersuchungsergebnisse zu diesen einzelnen Punkten wurden vom ORF nicht öffentlich bekannt gegeben.

Der auf Grundlage der Aussagen erstellte Compliance-Bericht blieb zunächst unter Verschluss. Der damalige ORF-Generaldirektor Roland Weißmann soll eine Veröffentlichung Medienberichten zufolge mit dem Schutz von Persönlichkeitsrechten begründet haben. Nach ihrem Amtsantritt ließ Thurnher den Bericht erneut prüfen und an den Transparenzbeirat weiterleiten.

Zukunft des Senders bleibt Thema

Eine ursprünglich für Mittwoch vorgesehene Personalversammlung wurde laut Medienberichten kurzfristig auf den 12. August verschoben. Dabei soll auch über die weitere Entwicklung von ORF III gesprochen werden. Vor dem Hintergrund der Sparvorgaben war zuletzt über eine mögliche stärkere Eingliederung des Spartenkanals in das ORF-Haupthaus berichtet worden.

Peter Schöber leitete den Kultur- und Informationssender rund 15 Jahre lang als Geschäftsführer.

www.orf.at

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