Lebenswerk einer Neuen Wilden
Das Wesenhafte im Werk von Heliane Wiesauer-Reiterer im Wien Museum

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 08.09.2026

Dank einer großzügigen Schenkung der Künstlerin an das Wien Museum zeigt das musa einen hochrangigen Querschnitt durch das gesamte Œuvre der Universalkünstlerin.

Eine Universalkünstlerin zwischen den Medien

Die große Bandbreite ihrer technischen Möglichkeiten rechtfertigt Heliane Wiesauer-Reiterers Bezeichnung als "Universalkünstlerin". Sie arbeitet als Malerin, Grafikerin, Fotografin und Bildhauerin; ihre Formate reichen von kleinen Stücken bis zu monumentalen Arbeiten, und ihre Arbeitsweise kann in groß angelegten Serien, aber auch in Einzelstücken münden.

Fragmentierung und Reduktion auf den Kern

Fragmentierung, Gliederung, Teilung und Reduktion auf den Kern prägen Wiesauer-Reiterers Werk; es geht um Verdichtungen, um das wesenhafte Sein, das sich in der Konzentration auf Kopf, Torso oder abstrahierte Strukturen zeigt. Ihr Anliegen ist die Erfassung grundlegender emotionaler Zustände, durchzogen von leiser Melancholie. Die menschliche Figur erscheint häufig gekrümmt, fallend oder fragmentiert als Sinnbild der ausgesetzten Existenz.

Heliane Wiesauer-Reiterer, Im Raum kreisen, 1983
Heliane Wiesauer-Reiterer. Im Raum kreisen, 1983. © Bildrecht, Wien 2026. Foto: Leonhard Hilzensauer.

Landschaft, Architektur und die Kraft der Assoziation

Auch in Landschaften und Architekturen bildet sinnlich wahrnehmbare Realität den Ausgangspunkt, wird jedoch so weit geteilt und reduziert, bis nur noch eine Assoziation bleibt, die das Ganze enthält und sich leichter in den Erfahrungsschatz der Betrachter:innen einfügt. So entsteht bildliche Kommunikation von hohem Niveau.

Eine eigenständige Position zwischen den Bewegungen

Wiesauer-Reiterer ist eine der wenigen Malerinnen der "Neuen Wilden" der 1980er Jahre, eine Reduktionistin ohne dem Neo Geo der 1990er Jahre anzugehören, Materialkünstlerin ohne Zugehörigkeit zur Arte Povera und Spurensucherin, die im gefundenen Material individuelle Qualitäten erkennt. Stein etwa ist für sie Partner im Schaffensprozess: Seine Eigenart dient als Ausgangspunkt für Um- oder Neudeutungen.

Ausstellungsansichten
Ausstellungsansichten. © Klaus Pichler, Wien Museum.

Natur als Weggefährtin

Ihre tiefe Zuneigung zur Natur prägt alle Werkgruppen; auch die Fotografien tragen diese Mischung aus Bewunderung und Sorge und verfolgen Struktur und Reduktion durch Verkehrung, Spiegelung, Solarisation und Tonung. Als eine der bedeutenden Künstler:innen ihrer Generation ermöglicht sie Bilderfahrungen von außergewöhnlichem Tiefgang. Eine großzügige Schenkung an das Wien Museum erlaubt nun einen hochrangigen Querschnitt durch ihr gesamtes Œuvre.

Verdichtungen. Heliane Wiesauer-Reiterer
Wien Museum
2. Juli bis 29. November 2026
www.wienmuseum.at

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Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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