Herkunft entschlüsselt
Forscher lösen das Rätsel um den Dino-Killer-Asteroiden

Der gewaltige Brocken, der vor 66 Millionen Jahren das Ende der Urzeitechsen einleitete, zählt laut einer internationalen Studie, an der auch ein Österreicher beteiligt war, zu den seltensten Objekten des Sonnensystems.

Das Ende der Dinosaurier zählt zu den folgenreichsten Ereignissen der Erdgeschichte und beschäftigt die Forschung bis heute. Als Auslöser gilt seit Langem der Einschlag eines rund zehn Kilometer großen Asteroiden, der vor etwa 66 Millionen Jahren im heutigen Golf von Mexiko niederging und einen Großteil des irdischen Lebens auslöschte. Neue Untersuchungen zeigen, dass dieser Himmelskörper aus außergewöhnlich ursprünglichem und seltenem Material bestand und die Urzeitechsen damit wohl besonderes Pech hatten.

Krater auf der Halbinsel Yucatán

Die Grundlage für die heute gängige Annahme zur Auslöschung der Dinosaurier legten 1980 der Geologe Walter Alvarez und sein Vater, der Physiker Luis Alvarez. Sie brachten das Massensterben erstmals mit einem Meteoriteneinschlag in Verbindung. Demnach trübten enorme Staubmengen die Atmosphäre so weit ein, dass die Temperaturen weltweit einbrachen und ein sogenannter Impaktwinter folgte. Verstärkt wurde die Katastrophe durch Schwefel und Kohlendioxid, die beim Einschlag frei wurden und sowohl das Klima als auch die Chemie der Meere aus dem Gleichgewicht brachten. Ein Indiz lieferte der ungewöhnlich hohe Iridiumgehalt in der Kreide-Paläogen-Grenzschicht, der ohne einen massiven Impakt kaum denkbar ist.

Rund zehn Jahre später wurde der zur Theorie passende Einschlagskrater gefunden. Er liegt mit einem Durchmesser von 180 Kilometern im Norden der Halbinsel Yucatán und ist heute als Chicxulub-Krater bekannt. Seither untersuchen Fachleute nicht nur Bohrkerne aus dem Krater selbst, sondern vor allem die weltweit verstreuten Auswurfschichten, in denen sich außerirdisches Material besonders stark anreichert. Christian Köberl von der Universität Wien und weitere Impakt-Expert:innen konzentrieren sich dabei zunehmend auf Isotope, um Art und Herkunft des Einschlagkörpers zu bestimmen.

Kohlige Chondrite sind die Ausnahme

Dass es sich um einen sogenannten kohligen Chondriten handelte, konnte ein Team mit Köberl bereits vor zwei Jahren anhand von Ruthenium-Isotopen zeigen. Chondrite stellen mit rund 86 Prozent zwar die große Mehrheit aller Meteoriten, doch die kohlige Variante mit ihrem hohen Kohlenstoffanteil macht nur zwei bis drei Prozent aus. Innerhalb dieser Gruppe lassen sich je nach chemischer Zusammensetzung mehrere Untertypen unterscheiden.

Gemeinsam mit Kolleg:innen aus Frankreich, Belgien und Kanada bestimmte Köberl anschließend die Nickel-Isotope in Auswurfschichten rund um den Globus und verglich sie mit verschiedenen kohligen Chondriten. Das im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Ergebnis ordnet den Einschlagkörper einem CO-Chondriten zu. Für den mitbeteiligten Geologen Philippe Claeys von der Vrije Universiteit Brussel unterstreicht gerade diese Seltenheit, wie "unglücklich" die Dinosaurier dran waren.

Herkunft aus dem äußeren Asteroidengürtel

CO-Chondrite gelten als vergleichsweise trocken und enthalten wenig Wasser sowie kaum flüchtige Elemente. Sie stammen aus dem äußersten Bereich des Asteroidengürtels und damit aus der Nähe des Jupiters. Wird die Bahn eines solchen Körpers gestört, kann er ins innere Sonnensystem gelenkt werden und dort mit der Erde kollidieren.

Der Auslöser des großen Artensterbens zählt Köberl zufolge zu den ältesten Objekten des frühen Sonnensystems, die seit ihrer Entstehung unverändert geblieben und weder aufgeschmolzen noch thermisch umgewandelt worden sind. Fachleute sprechen deshalb von primitiven Meteoriten. Dass ausgerechnet ein derart seltenes Geschoss aus den entlegensten Winkeln des Sonnensystems die Erde traf, macht das Schicksal der Dinosaurier zu einem besonders unwahrscheinlichen Zufall.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV