Während vergangenes Wochenende der Fußballweltmeister gekürt wurde, verlieh der Verein Netzwerk Logistik (VNL) bereits Ende Juni in Linz seine Preise, und das bereits zum 18. Mal. Mit gurkerl.at und Lidl Österreich schafften es gleich zwei Lebensmittelhändler aufs Treppchen.
Die österreichische Diskont-Tochter der deutschen Schwarz-Gruppe erhielt die Silbermedaille für ihre Strategie "Zero Emission Supply Chain". Oliver Mayr, VNL-Netzwerkmanager, begründete die Auszeichnung wie folgt: "Die Jury war beeindruckt, wie konsequent Lidl Österreich die Dekarbonisierung seiner Lieferkette als ganzheitliche Systementscheidung umsetzt."Die Transformation beschränke sich nicht nur auf den Einsatz von Elektro-LKW, sondern umfasse die Neugestaltung von Transportnetzwerken, Ladeinfrastruktur und Betriebsprozessen. Besonders hervorzuheben sei die aktive Einbindung der Transportpartner, die gezielt befähigt werden, elektrische Transporte dauerhaft und wirtschaftlich zu betreiben. So werde das Transportnetzwerk etwa genutzt, um Waren CO₂-frei direkt bei lokalen landwirtschaftlichen Betrieben und Lieferanten abzuholen. "Damit zeigt das Projekt vorbildlich, wie die Transformation zu einer emissionsfreien Logistik gelingen kann", sagt Mayr. Benny Klein, aktuell noch Geschäftsleiter Vertrieb bei Lidl Österreich und ab Herbst CEO des Unternehmens, ergänzt: "Unsere ‘Zero Emission Supply Chain’ zeigt, wie moderner Handel und grüne Logistik Hand in Hand gehen."
Dazu setzt das Unternehmen auf batterieelektrische Fahrzeuge, obwohl zu Projektbeginn noch kaum serienreife Systeme am Markt verfügbar waren. Auch die eingesetzten IT-Lösungen wurden eigens von Lidl entwickelt. Aktuell sind bereits 20 E-LKW im Einsatz und legen damit 20 Prozent der Logistikkilometer emissionsfrei zurück.
Die gesamte Flottenumstellung soll eine Emissionseinsparung von 90 Prozent erreichen, der Zieleinlauf in vier Jahren erfolgen: Bis 2030 möchte Lidl in ganz Österreich eine emissionsfreie Filialbelieferung in Form eines geschlossenen und grünen Logistikkreislaufs von Produzent:innen bis zu den Konsument:innen realisiert haben. Die nächste Etappe will man noch bis Jahresende schaffen: Am Standort Großebersdorf sollen dann 30 Hochleistungsladestationen mit jeweils 800 kW Ladeleistung errichtet sein.
Für Pfand neues Land
Aber auch die Mitbewerber sind in diesem Bereich nicht untätig: Mitte Mai gab es am Hauptquartier der Rewe Group in Wiener Neudorf den ersten Spatenstich für das neue Logistikzentrum namens Alpha. 600 Millionen Euro werden dazu in die Hand genommen – bis dato die größte Einzelinvestition eines Privatunternehmens in Niederösterreich.
"Mit dem Logistikzentrum Wiener Neudorf investieren wir gezielt in die Zukunftsfähigkeit unserer Versorgung in Österreich und stärken gleichzeitig den Standort Wiener Neudorf nachhaltig", verkündet Rewe-Vorstand Marcel Haraszti. "Wir entwickeln hier eine hochmoderne Logistikdrehscheibe, die Effizienz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit vereint und unsere Lieferketten langfristig robuster macht."
Von dem circa 150.000 Quadratmeter großen Areal aus sollen künftig rund 2.500 Standorte mit mehr als 20.000 Artikeln aus dem Trockensortiment versorgt werden. Das Fundament bilden dabei automatisierte Hochregallager mit rund 87.000 Palettenplätzen, robotergestützte Kommissionierung sowie intelligente, digital gesteuerte Logistiksysteme.
Begonnen wird auf dem Gelände, das am Ende eine Nutzfläche von 135.600 Quadratmetern sowie eine Photovoltaikfläche von 69.500 Quadratmetern umfassen wird, auf der jährlich 2,8 Gigawattstunden Strom erzeugt werden sollen, mit dem neuen Wertstoffzentrum. Das hat Priorität, weil der Bedarf seit der Einführung des Einwegpfands noch einmal deutlich gestiegen ist: Mehr als 380 Millionen Pfandgebinde wurden im Vorjahr in allen Rewe-Firmen retourniert.
Das neue Zentrum, das voraussichtlich 2027 fertiggestellt wird, soll eine noch deutlich effizientere Sortierung und Rückführung ermöglichen. Rewe rechnet mit einer Verarbeitung von bis zu 66.000 Kisten Mehrweggebinden und rund 1,5 Millionen Einweggebinden pro Tag. Noch diesen Sommer sollen die weiteren Pläne für das Gesamtprojekt eingereicht werden, sodass der Bau wie geplant bis 2030 abgeschlossen werden kann.
Benzin-Flotten einmotten
Und was tut sich im Hinblick auf grüne Logistik derzeit bei Rewes größtem Rivalen? Auch so einiges: Spar will schließlich bis 2030 seine absoluten Emissionen halbieren. Im Zentrallager Wels ist ein vollautomatisches Lager- und Kommissioniersystem im Einsatz, das ein optimales Schlichtmuster errechnet und damit nicht nur Platz, sondern auch Transportkilometer und Emissionen einspart. Das Logistikzentrum im niederösterreichischen Ebergassing wiederum wurde bereits im Bau höchstzertifiziert (ÖGNI) und setzt auf Technologien wie Paletten-Kommissionierung und frei navigierende Roboter. Der Standort spart laut Spar durch die Nähe zur Hauptstadt Wien jährlich rund 900.000 LKW-Kilometer und rund 654 Tonnen CO₂.
Aber auch auf der Straße bewegt sich einiges: Seit April sind die ersten von insgesamt zehn neuen E-Lastwagen für Trocken- wie Kühltransporte unterwegs. Sie ersetzen die klassischen Dieselmodelle, da inzwischen Elektro-LKW auch inklusive Anhänger vollwertig im Regelbetrieb eingesetzt werden können, wo dies betrieblich und infrastrukturell sinnvoll ist.
Aktuell besteht die Tann-Flotte in Österreich aus rund 300 Fahrzeugen. 2027 sollen weitere E-LKW beschafft werden. Laut Spar kompensiert ein E-LKW im Schnitt über 52 Tonnen CO₂ pro Jahr im Vergleich zu einem ähnlichen Dieselmodell.
Diese Fahrzeuge werden nun an verschiedenen Standorten in den Logistikbetrieb integriert, um erste Erfahrungen im Regelverkehr zu sammeln und das Zusammenwirken der verschiedenen Logistikkomponenten zu testen. Folgerichtig wurden an den beteiligten Standorten Hochleistungsladestationen errichtet.
"Mit der schrittweisen Elektrifizierung unseres Fuhrparks gestalten wir unsere Logistik klimafreundlicher", erklärt Spar-Vorstand Marcus Wild. "Wir wollen Emissionen dort reduzieren, wo es technisch und infrastrukturell möglich ist, und gleichzeitig dieselbe Versorgungssicherheit für unsere Märkte gewährleisten."
So wurde bewusst darauf geachtet, dass die neuen Fahrzeuge nicht nur Emissionen einsparen, sondern auch den bestehenden logistischen Anforderungen gerecht werden. Spar setzt bereits seit den Neunzigerjahren auf elektrische Wechselstrom-Kühltechnologien, die bislang in vollelektrischen LKW technisch nur schwer zu integrieren gewesen seien. In den neuen E-LKW-Modellen sei diese Art von Kühltransport nun vollständig möglich. Die grüne Hoffnung ist, dass sich ähnliche Lösungen künftig auch in weiteren Bereichen umsetzen lassen.
www.lidl.at
www.spar.at
www.rewe-group.at
Kommentar veröffentlichen