Kreditgeschäft laut OeNB stabil
Nahost-Konflikt bremst Österreichs Banken bislang kaum

| Tobias Seifried 
| 21.07.2026

Laut einer aktuellen OeNB-Umfrage blieben sowohl die Kreditvergabe an Unternehmen als auch die Nachfrage nach Unternehmenskrediten zuletzt stabil – aber neue Risiken wachsen. Gleichzeitig steigt der Finanzierungsbedarf für Restrukturierungen, während private Wohnbaukredite weiter gefragt sind. 

Österreichs Banken trotzen dem Iran-Krieg. Denn laut einer am Dienstag veröffentlichten Analyse sind die von Ökonom:innen befürchteten Auswirkungen des Konflikts im Nahen und Mittleren Osten auf das österreichische Kreditgeschäft bislang ausgeblieben. Das geht aus der aktuellen Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) unter den führenden heimischen Banken hervor. Demnach blieben sowohl die Kreditangebotspolitik der Banken als auch die Nachfrage der Unternehmen im zweiten Quartal 2026 weitgehend stabil. Noch vor drei Monaten hatten die Institute mit spürbaren Verschlechterungen gerechnet.

Unternehmen finanzieren zunehmend Anpassungen

Ganz ohne Folgen bleibt das geopolitische Umfeld allerdings nicht. Laut den befragten Banken steigt insbesondere bei größeren Unternehmen der Finanzierungsbedarf für Restrukturierungsmaßnahmen. Der Nahost-Konflikt verstärke den bereits bestehenden Anpassungsdruck durch die schwache Konjunktur, strukturelle Veränderungen und die Folgen des Klimawandels.

Je nach Branche zeigt sich dabei ein unterschiedliches Bild: Während die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im Wohnimmobiliensektor zulegte, verzeichnete die Kfz-Industrie einschließlich ihrer Zulieferbetriebe einen Rückgang.

Banken bleiben vorsichtig

An ihrer grundsätzlich restriktiven Kreditvergabe hielten die Banken laut OeNB auch im zweiten Quartal fest. Die Kreditrichtlinien wurden in den vergangenen Jahren schrittweise verschärft, vor allem aufgrund einer vorsichtigeren Einschätzung der wirtschaftlichen Risiken. Wesentliche Auswirkungen der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juni auf die Finanzierungsbedingungen seien aus der Umfrage bislang nicht ersichtlich.

Wohnbaukredite bleiben gefragt

Positiver entwickelte sich erneut das Geschäft mit privaten Wohnbaukrediten. Deren Nachfrage stieg bereits zum zehnten Quartal in Folge und setzt damit den seit Anfang 2024 anhaltenden Aufwärtstrend fort. Ausschlaggebend waren laut den Banken vor allem die verbesserten Aussichten am Wohnimmobilienmarkt sowie der gestiegene Optimismus potenzieller Immobilienkäufer:innen. Das Zinsniveau spielte dabei zuletzt nur noch eine untergeordnete Rolle.

Auch die Kreditstatistik bestätigt diese Entwicklung: Das Volumen neu vergebener Wohnbaukredite stieg von monatlich rund 700 Millionen Euro Anfang 2024 auf zuletzt jeweils mehr als 1,6 Milliarden Euro im März, April und Mai 2026. Für das dritte Quartal erwarten die Banken zwar eine stabile, aber keine weiter steigende Nachfrage.

Klimawandel verändert Kreditgeschäft

Weiters zeigt die Analyse, dass auch der Klimawandel das Kreditgeschäft zunehmend prägt. Nach Einschätzung der Banken wachse seit mehreren Jahren der Finanzierungsbedarf von Unternehmen für Investitionen in die ökologische Transformation sowie für Maßnahmen zur Absicherung gegen klimabedingte Risiken. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden zwölf Monaten fortsetzen.

Gleichzeitig verschärften Banken ihre Finanzierungskriterien zunehmend für Unternehmen mit hohem CO₂-Ausstoß. Als Gründe nennen sie unter anderem steigende Transformationskosten sowie wachsende physische Risiken durch Extremwetterereignisse und andere Folgen des Klimawandels.

www.oenb.at

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