Die Erholung der österreichischen Industrie setzt sich zwar fort, verliert jedoch spürbar an Schwung. Das zeigt das aktuelle Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV), dessen Ergebnisse am Mittwoch veröffentlicht wurden. Demnach sinkt der Indikator, der die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate zusammenfasst, von 11,5 auf 4,9 Punkte. Damit bleibt er zwar knapp über der Nulllinie und signalisiert weiterhin leichtes Wachstum, von einer kräftigen Erholung könne aber keine Rede sein.
Als Belastungsfaktoren nennt die IV neben den geopolitischen Spannungen vor allem hohe Finanzierungskosten, steigende Energiepreise, regulatorische Vorgaben und fehlende Strukturreformen. Die exportorientierte Industrie leide dadurch gleich mehrfach unter erschwerten Rahmenbedingungen.
Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, forderte deshalb eine rasche Umsetzung der angekündigten Industriestrategie. Chancen würden derzeit unter anderem im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie bei Investitionsanreizen liegen. Nun brauche es den politischen Willen, Maßnahmen wie den Scale-up-Dachfonds, eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte sowie weitere Investitionsschutz- und Handelsabkommen konsequent umzusetzen.
Erwartungen trüben sich deutlich ein
IV-Chefökonom Christian Helmenstein spricht von einer "leicht positiv ausgerichteten Wellblechkonjunktur". Zwar seien die Unterschiede zwischen Ländern und Branchen groß, insgesamt bleibe die wirtschaftliche Entwicklung aber von hoher Unsicherheit geprägt.
Besonders deutlich verschlechtert hätten sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen. Der entsprechende Saldo fiel von 15 auf nur noch vier Punkte. Hintergrund seien die anhaltenden geopolitischen Spannungen und die Erwartung, dass sich Lieferengpässe und Belastungen durch den Krieg am Persischen Golf länger hinziehen als zuletzt angenommen.
Stabilisierend wirkten hingegen die Auftragsbestände. Sowohl der Gesamtauftragsbestand (+15 Punkte) als auch die Auslandsaufträge (+13 Punkte) blieben gegenüber dem Vorquartal unverändert. Unterstützend wirken laut IV die leichte Euro-Abwertung gegenüber dem US-Dollar sowie Schutzmaßnahmen der Europäischen Kommission für besonders betroffene Industriebereiche.
Beschäftigung bleibt unter Druck
Weniger erfreulich entwickle sich weiterhin der Arbeitsmarkt. Die Produktionserwartungen gingen erneut leicht zurück, gleichzeitig verschlechterten sich die Beschäftigungsaussichten von minus 15 auf minus 20 Punkte. Nur jedes zwölfte Unternehmen plant derzeit zusätzliches Personal aufzubauen, während mehr als jedes vierte einen Stellenabbau erwartet.
Auch die Ertragslage bleibe angespannt. Zwar nähert sich der entsprechende Saldo mit minus elf Punkten langsam der Nulllinie an, dennoch überwiegt weiterhin die Zahl jener Unternehmen, die ihre wirtschaftliche Situation als schwierig beurteilen. Positiv ist lediglich, dass sich die Ertragserwartungen für die kommenden sechs Monate leicht verbessert haben.
Unterschiedliche Entwicklung in den Bundesländern
Auch die regionalen IV-Erhebungen zeichnen ein differenziertes Bild. In Oberösterreich hält sich das Konjunkturbarometer mit 1,1 Punkten zwar knapp im positiven Bereich, der Optimismus hat gegenüber dem Vorquartal jedoch nachgelassen. Positiv entwickeln sich vor allem die Auftragsbestände und Auslandsaufträge, die erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder klar im Plus liegen. Gleichzeitig bleiben Beschäftigung und Ertragslage angespannt. IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch verweist auf große Unterschiede zwischen den Branchen und fordert bessere Rahmenbedingungen für den Industriestandort.
In Niederösterreich hat sich die Lage hingegen weiter verschlechtert. Das Konjunkturbarometer sank von minus 19,8 auf minus 28,8 Punkte. Besonders die metalltechnische Industrie drückt das Gesamtergebnis. Schwache Auftragslagen, sinkende Produktion und erwarteter Personalabbau prägen das Bild. IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither betont, dass die Belastungen je nach Branche unterschiedlich ausfallen, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts aber rasch gestärkt werden müsse.
Etwas freundlicher fällt der Ausblick in Tirol aus. Dort erwartet die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Die exportorientierte Kernindustrie soll sogar um 1,6 Prozent zulegen, während die anhaltend schwache Baukonjunktur die Gesamtentwicklung bremst.
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