22 Millionen Euro Passiva
Millionenpleite einer bekannten Gartencenter-Gruppe

| Tobias Seifried 
| 14.06.2026

Zwei Gesellschaften der Unternehmensgruppe haben Sanierungsverfahren beantragt. Die Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich auf mehr als 22 Millionen Euro, mehr als 60 Dienstnehmer:innen sind betroffen.

Auch im Blumen- und Pflanzenhandel haben sich in den vergangenen Jahren die Bedingungen verschärft. Nun hat diese Krise eine namhafte österreichische Unternehmensgruppe erfasst: Wie die Gläubigerschutzverbände KSV1870 und Alpenländischer Kreditorenverband (AKV) bekannt gaben, haben sowohl die Waibel Floristik GmbH (Landesgericht Wiener Neustadt) als auch die nahestehende Waibel Produktions GmbH (Landesgericht Feldkirch) Anträge auf Eröffnung von Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eingebracht. Eine zeitnahe Eröffnung durch die zuständigen Insolvenzgerichte wird erwartet. Insgesamt sind von den Verfahren 61 Dienstnehmer:innen betroffen.

Großkundenverlust und Lieferantenstreit 

Die in fünf Teilbetriebe gegliederte Waibel Floristik beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Handel mit Blumen, insbesondere mit Rosen, deren Produktion am Standort in Münchendorf erfolgt. Laut KSV1870 sind hier 44 Dienstnehmer:innen und 52 Gläubiger:innen von der Insolvenz betroffen. Die Passiva belaufen sich auf rund 5,7 Millionen Euro.

Als Ursachen für die finanzielle Schieflage werden der Verlust eines wichtigen Großkunden und die damit verbundenen erheblichen Umsatzrückgänge angeführt. Diese Entwicklung habe zudem mittelbar zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit den Lieferanten der Schuldnerin geführt. Auch die allgemeinen Teuerungen hätten die Antragstellung notwendig gemacht. Das Unternehmen strebt eine Fortführung an und bietet den Gläubigern eine Sanierungsplanquote von 20 Prozent, zahlbar innerhalb von zwei Jahren, an.

Alexander Greifeneder vom KSV1870 hielt dazu fest: "Bei der angebotenen Sanierungsplanquote handelt es sich um die gesetzliche Mindestquote. Die Angemessenheit und Erfüllbarkeit des angebotenen Sanierungsplans wird der noch zu bestellende Insolvenzverwalter im Rahmen des Sanierungsverfahrens entsprechend zu evaluieren haben."

Millionenverbindlichkeiten in Vorarlberg

Noch drastischer stellt sich die finanzielle Dimension bei der Waibel Produktions GmbH mit Sitz im vorarlbergischen Mäder dar. Hier sind laut AKV 17 Dienstnehmer:innen und 31 Gläubiger:innen betroffen, während sich die angemeldeten Forderungen auf rund 16,6 Millionen Euro belaufen. 

Als Hauptursachen für das Abgleiten in die Insolvenz nennt das 2022 gegründete Unternehmen stark gestiegene Lohn- und Energiekosten im Zeitraum von 2022 bis 2026, erhebliche Verzögerungen und Kostenüberschreitungen bei umfangreichen Bauprojekten sowie den verschärften Wettbewerb durch günstigere Importware aus den Niederlanden. Zudem hätten inflationsbedingte Kaufkraftverluste der Kund:innen dazu geführt, dass notwendige Preissteigerungen nicht durchgesetzt werden konnten. Ferner seien die Erträge aus neu geschaffenen Verkaufsflächen deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben.

An Vermögenswerten verfügt die Produktionsgesellschaft zwar über umfangreiche Immobilien, betriebliche Anlagen und Grundstücke, diese seien jedoch größtenteils mit Pfandrechten belastet. Auch in Vorarlberg wird ein Sanierungsplan mit einer Mindestquote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angestrebt. Das zugrundeliegende Sanierungskonzept sieht allerdings einen harten Einschnitt vor: So sollen die landwirtschaftliche Produktion sowie das Handelsgeschäft eingestellt und Immobilien verwertet werden, um das Unternehmen auf die verbleibenden Geschäftsbereiche zu konzentrieren.

www.ksv.at

www.akv.at

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