Großpleite in der Causa Signa
Postsparkassengebäude: Gläubiger fordern 324 Millionen Euro

| Tobias Seifried 
| 10.06.2026

Im Konkursverfahren der Signa-Tochter fand am Handelsgericht Wien die erste Tagsatzung statt. Im Fokus des Verfahrens steht nun der internationale Verkauf des geschichtsträchtigen Otto-Wagner-Juwels.

Das Insolvenzverfahren rund um eines der prominentesten Bauwerke der Wiener Ringstraßenzone geht in die nächste Phase. Über das Vermögen der Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG, Eigentümerin des historischen Postsparkassengebäudes, war Mitte April 2026 das Konkursverfahren eröffnet worden. Bei der reinen Projektgesellschaft, die selbst keine Dienstnehmenden beschäftigt, handelt es sich um eine mittelbare Tochtergesellschaft der ebenfalls insolventen Signa Prime Selection AG beziehungsweise der Signa Prime Capital Invest GmbH.

Gläubiger fordern 324 Millionen Euro

Bei der ersten Tagsatzung am Handelsgericht Wien am 10. Juni wurde die enorme finanzielle Dimension des Verfahrens sichtbar. Wie Stephan Mazal vom Gläubigerschutzverband Creditreform am Mittwoch mitteilte, wurden von den Gläubiger:innen Forderungen in der Höhe von rund 324 Millionen Euro angemeldet. Da jedoch noch weitreichende und detaillierte Prüfungen erforderlich seien, wurde mehr als die Hälfte dieser Summe vom Insolvenzverwalter vorerst bestritten.

Vom Jugendstil-Juwel zum Wissenschaftscampus

Beim mit Abstand wichtigsten Vermögenswert der insolventen Gesellschaft handelt es sich um die Liegenschaft am Georg-Coch-Platz 2 im ersten Wiener Gemeindebezirk. Das von Otto Wagner entworfene und 1906 eröffnete Jugendstilgebäude gilt als architektonisches Meisterwerk. Nachdem das achtgeschossige Monumentalbauwerk bis 2017 als Zentrale der Bawag P.S.K. gedient hatte, wurde es im Jahr 2020 zu einem modernen Wissenschaftscampus umgestaltet. Seither beherbergt es Räumlichkeiten der Universität für angewandte Kunst, der Johannes Kepler Universität Linz, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie des Österreichischen Wissenschaftsfonds.

Internationaler Verkaufsprozess startet

Da sich die Gesellschaft im Konkurs befindet, ist eine Sanierung hinfällig; das geschichtsträchtige Areal muss verwertet werden. Der Fokus liegt nun auf der Suche nach kapitalkräftigen Käufer:innen. Mazal skizzierte das weitere Prozedere wie folgt: "Zentrale Aufgabe des Masseverwalters wird die bestmögliche Verwertung des Postsparkassengebäudes sein. Nach Einholung eines aktuellen Schätzgutachtens soll ein geeigneter Immobilienmakler beauftragt werden, der einen möglichst großen internationalen Interessentenkreis anspricht."

Aufgrund der Komplexität des Objekts und der noch ausstehenden Forderungsprüfungen lassen sich seriöse Prognosen über die tatsächliche Verfahrensdauer sowie über die schlussendlichen Befriedigungsaussichten für die Gläubiger:innen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht treffen, so der Creditreform-Insolvenzexperte abschließend.

www.creditreform.at

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