Schlaf-Revolution?
Wiener Start-up macht Ohrstöpsel zum Lifestyle-Produkt

| Tobias Seifried 
| 28.05.2026

Ein heimisches Jungunternehmen will jetzt maßgefertigten Schlafkomfort per Handy-Scan liefern.

Was mit schmerzenden Ohren, schlechtem Schlaf und einem gebrauchten 3D-Drucker von willhaben begann, soll jetzt die Ohrstöpsel-Welt revolutionieren: Das Wiener Start-up ohrheld entwickelt maßgefertigte Ohrstöpsel per Handy-Scan – ganz ohne Hörakustiker, Wartezimmer oder mysteriöse Endrechnung.

Die Idee dazu hatte Mitgründer Léon Aricioglu nach einer Bali-Reise. Dort entdeckte er bei einem Freund erstmals individuell angepasste Ohrstöpsel und wollte selbst welche haben. Der Weg dorthin war allerdings weniger entspannend als das Schlafen danach: mehrere Termine, physischer Abdruck und unklare Kosten. "Das Produkt selbst war richtig gut, aber der Prozess wirklich umständlich", erinnert er sich.

Genau das wollen die Wiener jetzt ändern. Statt rund 150 Euro beim Hörakustiker sollen die maßgeschneiderten "ohrhelden" künftig "nur" noch 49,99 Euro kosten – bestellt per Smartphone-Scan und produziert via 3D-Druck in Österreich.

Unterstützung kommt dabei sogar von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG: Rund 150.000 Euro fließen in die Weiterentwicklung des Projekts. Ziel sei laut Markus Hirzberger, den Produktionsprozess so effizient zu machen, dass individuell angepasste Ohrstöpsel preislich "auf das Niveau von wiederverwendbaren Standardstöpseln" kommen.

Die ersten Prototypen waren allerdings noch eher Kategorie Folterinstrument als Schlafhilfe. "Die haben direkt nach dem Einsetzen richtig weh getan", erzählt Aricioglu heute lachend. Schuld sei die schlechte Nachbearbeitung gewesen. Seitdem tüftelte das Team an rund 20 Versionen – inklusive mehrerer Pilotphasen.

Der Markt scheint jedenfalls wach zu sein: Nach einem simplen LinkedIn-Aufruf meldeten sich innerhalb eines Monats rund 100 Personen, die sogar Geld für frühe Prototypen überwiesen. Für die Gründer ein deutliches Zeichen, dass viele Menschen von klassischen Ohrstöpseln genervt sind – weil sie drücken, nachts herausfallen oder Seitenschläfer:innen den Schlaf rauben.

Eine Testkundin schrieb laut Start-up sogar: "Ich habe meine Schaumstoffstöpsel direkt weggeworfen." Ein anderer Nutzer schickte begeistert einen Screenshot seiner Schlaf-App mit einem "Sleepscore von 100".

Vorerst konzentriert sich ohrheld auf Schlaf-Ohrstöpsel. Langfristig denken die Gründer aber größer: Konzerte, Reisen, konzentriertes Arbeiten oder Musikfilter könnten folgen.

Die vielleicht überraschendste Erkenntnis der Geschichte bleibt aber: Ausgerechnet Ohrstöpsel entwickeln sich 2026 plötzlich zum Lifestyle-Produkt. Hollywood hatte Kryokammern – Wien bekommt jetzt Luxus fürs Ohr.

www.ohrheld.com

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV