"Halt' dich bloß fern von mir oder wie funktioniert der Corona Knigge?"

Julia Emma Weninger expressis verbis über die Herausforderungen des adäquaten Business-Begrüßens in Corona-Zeiten.


Die Businesswelt ist aus dem Urlaub zurückgekehrt, statt mit Abstand und Luftküssen am Berg, See und Strand, ist man jetzt wieder zurück in der Routine. Doch Halt, nicht Routine, sondern neue Normalität, in der es Einiges zu beachten gilt.

Zum Glück werden dieser Tage recht viele Events durchgezogen (professionelle Veranstaltungen mit Präventionskonzept dürfen weiterhin bis zu 3000 Besucher im Freien und 1500 Indoor haben) und man darf sich auch ruhig hinwagen, weil es ja wirklich gute ausgereifte Sicherheitskonzepte gibt. Dort angekommen, stellt sich aber die Frage, wie soll man jeden richtig begrüßen und was sagen Anstand und Angst zum gewählten Modus?
 
Beispiele gefällig?

Erst kürzlich präsentierten mehrere Staaten aus Nahost ein gemeinsames Abkommen in Washington, US-Präsident Donald Trump versuchte dabei als Gastgeber zu glänzen. Die Twitter-User staunten aber weniger über die politische Brisanz, sondern über ganz anderes: Staatschefs und Außenminister klebten eng aneinander, sowohl auf dem Balkon, bei der Begrüßung der Presse als auch beim Festakt. So twitterte Mark Knoller, Korrespondent für den amerikanischen Nachrichtensender CBS: "Einige Gäste hatten keine Maske auf, sogar in der ersten Reihe der Unterzeichnungs-Zeremonie. Und alle sitzen, Ellbogen an Ellbogen, ohne Rücksicht auf soziale Distanz."



Die Corona-Virus-Etikette ist natürlich gewöhnungsbedürftig  es heißt ja man braucht 100-Fehlversuche, um eine Sache so zu verinnerlichen, das diese automatisiert wird. So ist es nicht verwunderlich, dass in den ersten Wochen der Pandemie selbst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel an ihre Grenzen stieß und Innenminister Horst Seehofer in gewohnter Manier mit Handschlag begrüßen wollte. Doch dieser winkte gleich ab. Beide lachten über die Situation, die Hände der beiden berührten sich aber nicht.

So machen es die anderen

In China schien die Umstellung etwas leichter, nachgeholfen wird mit großen Werbesujets, die die Bürger daran erinnern, sich nicht die Hände zu reichen, sondern die Handflächen vor der Brust zu falten. Lautsprecher mahnen zusätzlich zur Gong-shou-Geste, bei der eine Faust in die Handfläche gelegt wird. In weiten Bereichen Asiens war das Händeschütteln als westliche Tradition ohnehin nie beliebt, Verbeugen und Zunicken reicht. In Thailand geht es auch immer schon ohne Berührung, die Hände werden einfach vor der Brust gefaltet, die Ellbogen bleiben dabei am Körper. Der traditionelle Gruß tibetischer Mönche ist zu überdenken – Zunge raus und Hände vor der Brust falten. Ebenso der traditionelle Nasengruß der Ureinwohner der neuseeländischen Hauptstadt Wellington. Stammeschef Kura Moeahu appelliert an den gesunden Menschenverstand.

Der Corona Knigge

Die verbale Begrüßung mit persönlichem Abstand ist für den Deutschen Knigge-Rat das Gebot der Stunde. Empfohlen wird, das Gegenüber mit einem freundlichen Lächeln (auch hinter der Maske, denn Achtung: die Augen verraten alles) anzublicken. Ein Kopfnicken unterstreicht die Bedeutung des Grußes, zusätzlich kann noch die rechte Hand leicht angehoben werden.

Wer sich besonders vertraut zeigen will, soll den Experten zufolge die Hand zusätzlich auf die Brust legen – auf die eigene natürlich. Diese Begrüßungsformel hat noch einen großen Zusatznutzen: Die risikoreiche – und auch vor Corona bei vielen gar nicht so beliebte – Umarmung gehört so automatisch der Vergangenheit an.

So könnte Corona – neben dem Push für die Digitalisierung – doch auch etwas miniklitzekleines Gutes an sich haben, denn endlich wurde der Bussi-Bussi-Gesellschaft eine Sendepause verpasst. 


 

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Julia Emma Weninger
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