UniCredit Bank Austria Branchenüberblick
Österreichs Wirtschaft erholt sich weiter, Industrie sorgt für Auftrieb

| Redaktion 
| 20.10.2026

Vor allem der Produktionssektor setzt positive Impulse, während die Bauwirtschaft weiterhin unter Druck steht. Für 2026 wird ein Wachstum von 0,8 Prozent prognostiziert, im kommenden Jahr sollen es 1,2 Prozent sein.

Die österreichische Konjunktur entwickelt sich trotz hoher Energiepreise, anhaltender Inflation und internationaler Unsicherheiten weiterhin positiv. Wie aus dem aktuellen Branchenüberblick der UniCredit Bank Austria hervorgeht, trägt insbesondere die Industrie zur wirtschaftlichen Erholung bei. Während sich im Bau erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigen, bleibt das Wachstum im Dienstleistungssektor verhalten. 

Erholungskurs wird fortgesetzt 

Österreichs Wirtschaft hat ihren Erholungskurs in den ersten Monaten des Jahres 2026 fortgesetzt. Nach Angaben der UniCredit Bank Austria erhöhte sich die reale Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 0,6 Prozent. Obwohl sich das Wachstum im zweiten Quartal abschwächte, erwies sich die heimische Konjunktur insgesamt als widerstandsfähig. 

Die Entwicklung unterscheidet sich allerdings deutlich zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen. Während die Industrie zunehmend zum Wachstum beiträgt und auch Dienstleistungen positive Ergebnisse verzeichnen, ist die Bauwirtschaft nach wie vor von rückläufiger Aktivität betroffen. 

"Trotz eines schwierigen internationalen Umfelds zeigt sich die österreichische Wirtschaft im bisherigen Jahresverlauf 2026 widerstandsfähig", sagt Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria. Insbesondere die Elektroindustrie, die Metallwarenerzeugung und die chemische Industrie hätten sich besser als erwartet entwickelt. Gleichzeitig würden geopolitische Unsicherheiten und gestiegene Energiekosten die weitere Erholung erschweren.

Industrie entwickelt sich zum wichtigen Wachstumstreiber 

In der österreichischen Industrie zeichnet sich laut der Analyse eine schrittweise Verbesserung der wirtschaftlichen Lage ab. Zwischen Jänner und August 2026 erhöhte sich die reale Produktion um 0,6 Prozent. Dazu trug unter anderem ein etwas günstigeres Umfeld für Exporte bei. Positive Entwicklung verzeichneten insbesondere die Elektroindustrie, die Metallwarenerzeugung sowie einzelne Bereiche der Konsumgüterproduktion. Auch die Einschätzung zur künftigen Produktion haben sich verbessert, obwohl die Unternehmen ihre aktuelle Auftragslage weiterhin zurückhaltend beurteilen. 

"Die österreichische Industrie hat sich 2026 als erstaunlich robust erwiesen", hält Walter Pudschedl von der UniCredit Bank Austria fest. Er geht davon aus, dass künftig weitere Industriezweige von der Erholung profitieren könnten. Aufgrund der internationalen Unsicherheiten und des anhaltenden Kostendrucks dürfte diese Entwicklung jedoch nur langsam voranschreiten.

Besonders gute Voraussetzungen sieht der Ökonom in der Elektronik und Elektrotechnik. Diese Bereiche würden unter anderem von Digitalisierung, Automatisierung und Energiewende profitieren. Auch für die Metallwarenerzeugung seien die Aussichten günstig, so der Ökonom. Im Maschinenbau gebe es zunehmend Hinweise darauf, dass die wirtschaftliche Talsohle erreicht werden könnte. 

Für die Stahlindustrie und die chemische Industrie fällt die Einschätzung weniger optimistisch aus. Beide Wirtschaftszweige sind weiterhin mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen sowie einer schwachen Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen konfrontiert. Für einen dauerhaften Aufschwung in der Industrie sei insbesondere eine stärkere Investitionstätigkeit auf den europäischen Absatzmärkten entscheidend. 

Bauwirtschaft kämpft weiterhin mit rückläufiger Produktion 

Die Situation in der österreichischen Bauwirtschaft bleibt angespannt, so die Analyse. Nachdem die Branche bereits 2025 einen Rückgang ihrer Bruttowertschöpfung hinnehmen musste, verringerte sich diese im ersten Halbjahr 2026 um weitere 1,1 Prozent. Die reale Bauproduktion lag in den ersten acht Monaten des Jahres rund zwei Prozent unter dem Vorjahreswert. 

Besonders schwierig gestaltet sich die Lage im Hochbau, wo die Produktion weiterhin deutlich zurückgeht. Der Tiefbau zeigt sich dagegen vergleichsweise stabil und wird unter anderem durch öffentliche Infrastrukturvorhaben gestützt. 

Dennoch erkennt die Bank Austria erste Hinweise auf eine mögliche Trendwende. Pudschedl erwartet, dass sich auch der Hochbau im Verlauf des kommenden Jahres allmählich erholten könnte. Hohe Baukosten und eine weiterhin schwache Nachfrage dürften das Tempo allerdings begrenzen. 

"Insgesamt sollte sich die Bauwirtschaft 2027 von einer Phase der Schrumpfung zu einer Phase der Stagnation beziehungsweise eines leichten Wachstums entwickeln", prognostiziert der Ökonom.

Dienstleistungsbranche wächst mit gebremster Dynamik 

Im Dienstleistungsbereich setzt sich die wirtschaftliche Stabilisierung ebenfalls fort. Allerdings belasten die anhaltend hohe Inflation, geopolitische Spannungen und die ausgeprägte Sparneigung der privaten Haushalte die Nachfrage. Die Entwicklung verläuft innerhalb des Sektors unterschiedlich. Während sich die Informations- und Kommunikationstechnologie, die Immobilienwirtschaft und Teile der Finanzbranche weiterhin positiv entwickeln, stehen zahlreiche unternehmensnahe Dienstleistungen unter wirtschaftlichem Druck.

Seit dem Sommer haben sich die Erwartungen hinsichtlich der künftigen Nachfrage verbessert. Damit bestehen Aussichten auf eine leichte Belebung der Geschäftstätigkeit in den kommenden Monaten. Ein stärkerer Aufschwung wird aufgrund der bestehenden Unsicherheiten jedoch vorerst nicht erwartet.

Unterschiedliche Entwicklung im österreichischen Handel

Auch im Handel zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sparten. Im Großhandel erhöhten sich die nominellen Umsätze von Jänner bis Juli 2026 um 2,8 Prozent. Preisbereinigt ergab sich hingegen ein Rückgang von 3,5 Prozent. Die höheren Einnahmen waren somit vor allem auf Preissteigerungen zurückzuführen, während die tatsächlich abgesetzten Mengen abnahmen.

Günstiger entwickelte sich der Kraftfahrzeughandel. Hier stiegen die Umsätze nominell um 4,5 Prozent und real um 3,6 Prozent. Eine bessere Verfügbarkeit von Fahrzeugen unterstützte die Nachfrage nach Neu- und Gebrauchtwagen.

Im Einzelhandel blieb die Erholung hingegen schwach. Zwar stabilisierte sich die Konsumnachfrage im Jahresverlauf, die Zurückhaltung der Haushalte verhinderte jedoch eine stärkere Belebung.

Pudschedl beschreibt die Lage im Handel als Übergangsphase zwischen Stabilisierung und Erholung. Während der Fahrzeughandel von Nachholeffekten profitiere, würden Unternehmen und Konsument:innen im Groß- und Einzelhandel weiterhin vorsichtig agieren. Eine nachlassende Inflation könnte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Jahr 2027 verbessern.

Ausblick 

Für die kommenden Quartale erwartet die UniCredit Bank Austria eine Fortsetzung der moderaten wirtschaftlichen Erholung. Die Industrie dürfte weiterhin wesentliche Wachstumsimpulse liefern. Gleichzeitig könnte sich die Lage im Bau allmählich stabilisieren und auch im Dienstleistungssektor eine leichte Nachfragebelebung einsetzen.

"Wir gehen für 2026 von einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent aus, das sich 2027 auf 1,2 Prozent erhöhen sollte", erklärt Pudschedl.

Entscheidend für die weitere Entwicklung bleiben nach Einschätzung der Bank Austria vor allem die geopolitischen Rahmenbedingungen und die Energiepreise. Deren Auswirkungen auf die Inflation und das Konsumverhalten könnten das Ausmaß der wirtschaftlichen Erholung weiterhin begrenzen.

www.bankaustria.at

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