Nach mehr als 20 Jahren
Olga Esina verabschiedet sich von der Wiener Ballettbühne

Seit 2006 gehört die Erste Solotänzerin dem Ensemble an Staatsoper und Volksoper an. Nun richtet sie den Blick auf einen neuen künstlerischen Lebensabschnitt und möchte ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben. Ihre letzte Saison will sie bewusst genießen.

Die Wiener Staatsoper ist für Olga Esina über zwei Jahrzehnte hinweg zu einem zweiten Zuhause geworden. Im Juni 2027 wird die Erste Solotänzerin des Wiener Staatsballetts laut neuesten Informationen ihren Abschied von der Bühne nehmen. Die Entscheidung habe sie bewusst getroffen. Auch wenn sie sich den Alltag ohne den täglichen Weg ins Opernhaus noch kaum vorstellen könne, blicke sie mit Vorfreude auf das, was danach kommen soll. 

"Für mich ist es kein Ende, sondern der Beginn eines neuen Abschnitts – in meinem Leben und auch in meiner künstlerischen Laufbahn", sagt Esina. Dem Tanz möchte sie weiterhin verbunden bleiben. "Ich habe viele Pläne für die Zukunft und wünsche mir sehr, das Wissen und die Erfahrung, die ich über all diese Jahre sammeln durfte, an die nächste Generation weiterzugeben."

Von St. Petersburg nach Wien

Ihre Ausbildung absolvierte Esina von 1996 bis 2004 an der Waganowa-Akademie des Russischen Balletts in ihrer Heimatstadt St. Petersburg. Anschließend war sie zwei Jahre Mitglied des Balletts des Mariinski-Theaters, wo sie bereits Hauptrollen des klassischen Repertoires übernahm. 2006 wechselte sie als Solotänzerin zum Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper. Vier Jahre später wurde sie zur Ersten Solotänzerin des Wiener Staatsballetts ernannt.

In Wien erschloss sich ihr ein Repertoire, das von klassischen Handlungsballetten über neoklassische Werke bis zu zeitgenössischen Kreationen reicht. Sie tanzte unter anderem Odette und Odile in Rudolf Nurejews "Schwanensee", Hermione in Christopher Wheeldons "The Winter’s Tale", Bella in Roland Petits "Die Fledermaus" und Marguerite Gautier in John Neumeiers "Die Kameliendame". Auch Hans van Manens Videoballett "Live" gehört zu den Werken, in denen sie zu erleben war.

Der Rückblick auf diese unterschiedlichen Rollen und choreografischen Handschriften bestärkt Esina darin, ihre Erfahrung weiterzugeben. Erst jetzt werde ihr richtig bewusst, wie viele künstlerische Welten sie im Laufe ihrer Karriere kennengelernt habe. Welche konkrete Form ihre künftige Tätigkeit annehmen wird, lässt sie vorerst offen.

Ferri würdigt Ausdruckskraft und Eleganz

Ballettdirektorin Alessandra Ferri, die das Wiener Staatsballett seit der Saison 2025/26 leitet, hatte Esinas Arbeit bereits vor der gemeinsamen Zeit in Wien verfolgt. "Ich habe Olga Esina viele Jahre lang aus der Ferne bewundert. Erst in der vergangenen Spielzeit hatte ich das Privileg, sie näher kennenzulernen, und konnte feststellen, dass die außergewöhnliche Eleganz, die sie als Ballerina ausstrahlt, weit über die Bühne hinausreicht", sagt Ferri.

Die Direktorin hebt sowohl Esinas künstlerischen Ausdruck als auch ihre Persönlichkeit hervor. "Olga besitzt eine ganz besondere Ausdruckskraft, und ich bewundere sie zutiefst – sowohl als Künstlerin als auch als Mensch. Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, mit ihr zusammenzuarbeiten, wenn auch nur für kurze Zeit."

Esina wiederum beschreibt Ferris Reaktion auf ihre Abschiedsentscheidung als verständnisvoll und unterstützend. Das ermögliche ihr, die letzte Saison mit großer Freiheit und Freude zu erleben.

Noch eine Saison auf der Bühne

In der laufenden Spielzeit ist Esina unter anderem als Romola Nijinska in John Neumeiers "Nijinsky" zu sehen. Für diese Rolle ist sie an der Wiener Staatsoper am 6. und 9. November 2026 angekündigt. Bis zu ihrem Abschied möchte sie ihre Aufmerksamkeit ganz auf die verbleibenden Auftritte richten. "Jetzt aber genieße ich zunächst ganz bewusst diese letzte Saison und jeden einzelnen Moment auf der Bühne", sagt sie.

Auch danach sollen Staatsoper und Volksoper feste Bezugspunkte bleiben. Esina möchte weiterhin Vorstellungen und Premieren besuchen. Aus dem vertrauten Arbeitsort wird damit künftig auch ein Ort, an dem sie Tanz aus einer anderen Perspektive erleben kann – während sie ihren eigenen nächsten Schritt vorbereitet.

www.wiener-staatsoper.at

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