Ob die Palatschinke nach dem Hochwerfen wieder in der Pfanne oder doch am Küchenboden landet, entscheidet sich in Sekundenbruchteilen. Dass man diesen kurzen Moment der Spannung auch zur Disziplin erheben kann, bewies im Vorjahr die erste Staatsmeisterschaft im Palatschinkenschupfen. Den Titel holten sich damals die beiden Niederösterreicher David Hamp und Gabriel Marteau (LEADERSNET berichtete).
Am Donnerstag, den 15. Oktober, lud die Traditionsmehlmarke Fini's Feinstes nun zur zweiten Auflage, und diesmal sorgte ein Teilnehmer schon mit seinem Kochgeschirr für Staunen: Der Wiener Gastronom Jing Chen ließ die klassische Pfanne links liegen und schupfte stattdessen im Wok. Damit sicherte er sich den Titel des "Palatschinkenschupf-Staatsmeisters 2026".
Vom Physiker zum gefeierten Gastronomen
Dass Chen ausgerechnet mit einem urösterreichischen Klassiker reüssiert, ist durchaus bemerkenswert, denn eigentlich ist der gebürtige Wiener für ganz andere Gerichte bekannt. Der studierte Physiker hat Quanten und Teilchen längst gegen Töpfe und Pfannen getauscht und betreibt mittlerweile sechs Restaurants. Eines davon, nämlich das "Sopherl am Naschmarkt", feierte erst im vergangenen Jahr sein Comeback mit Chen als neuem Betreiber (LEADERSNET berichtete). Offiziell zelebriert wurde die Eröffnung schließlich gemeinsam mit LEADERSNET und hunderten VIP-Gästen im Jänner 2026 (LEADERSNET berichtete).
Saltos, Gesang und ein Tennisball
"Den Wok hatte ich einfach so dabei, aber als ich die Top-Performance der anderen Teilnehmer:innen gesehen hab, musste ich mir ganz schnell etwas einfallen lassen. Also habe ich meine Palatschinke in alle Richtungen geschupft und zum Abschluss in luftige Höhen geschickt", so Chen zu seiner Performance beim Wettbewerb. Die Jury holte er damit jedenfalls ab. Sein Rat an Nachahmer:innen: "Unbedingt locker bleiben – wenn man angespannt ist, funktioniert's meistens nicht." Ein bisschen abgeschaut habe er sich die Technik zudem bei den Vorjahressiegern, gestand der neue Staatsmeister.
Leicht machten es ihm die übrigen Finalist:innen freilich nicht. Die Palatschinken wurden in schier endlosen Saltos durch die Luft gewirbelt, im fliegenden Wechsel zwischen zwei Pfannen hin- und hergeschupft, mit Gesang begleitet und sogar mit Tennisball in Szene gesetzt. Platz zwei ging an Lucia, die ihre Darbietung singend absolvierte. Rang drei holte sich Papa Franz mit seiner Tennisball-Show, lautstark angefeuert von seiner kleinen Tochter Alma. Auf dem vierten Platz landeten Lisa-Marie und Dominic, deren Einreichung bei Harald Lang, Marketingleiter bei Fini's Feinstes, und seiner Kollegin Barbara Strasser schon im Vorfeld für herzhafte Lacher gesorgt hatte. Den fünften Platz, laut Veranstalter einen Platz der Herzen, belegte Cornelia, die mit viel Herzblut bei der Sache war.
Von Crêpes bis zur Leberkaspalatschinke
Dass ausgerechnet Österreich eine Staatsmeisterschaft in dieser Disziplin austrägt, hat für Lang einen einfachen Grund. "Palatschinken sind weltweit beliebt – als Crêpes in Frankreich oder Pancakes in den USA. Doch nur in Österreich haben wir so ein wunderbar charmantes Wort wie 'schupfen'", so der Fini's-Feinstes-Marketingleiter, der als zweifacher Vater auch daheim regelmäßig selbst zur Pfanne greift. Den Anstoß für den Bewerb gab im Vorjahr übrigens die Markteinführung eines eigenen Bio-Palatschinkenmehls.
Was Palatschinken unter anderem so beliebt macht, ist ihre Vielseitigkeit. Bei der Frage nach seiner persönlichen Lieblingspalatschinkenvariante musste Sieger Chen nicht lange überlegen: "Eispalatschinken. Mit Vanilleeis, Schlagobers, Schokosauce und Staubzucker – davon dann gerne 20.000", erklärte er schmunzelnd. Auch für die Zukunft der Mehlspeise hat er bereits eine Vision, wenn auch eine eher unkonventionelle: "Eine Leberkaspalatschinke, mit süßem Senf, das wäre schon eine Idee. Mal schauen, ob das gut ankommt." Ob diese Kreation je auf einer Speisekarte landet, bleibt abzuwarten. Pläne für das kommende Jahr wurden aber bereits geschmiedet: Gemeinsam mit Lang steht die Idee eines Palatschinken-Pop-ups im Raum, das alle Palatschinkenfans erfreuen soll.
Vorjahressieger schupften sich durch ganz Österreich
Für die Vorjahressieger David Hamp und Gabriel Marteau hieß es am Donnerstag zwar, den Titel abzugeben – ihre Palatschinkenliebe bleibt aber bestehen. Die zwei Niederösterreicher stehen hinter dem Verein "Palatschinkenfreunde Himberg", der sich neben der Mehlspeise auch karitativen Zwecken verschrieben hat. Nur wenige Monate nach ihrem Sieg riefen sie gemeinsam mit Fini's Feinstes den ersten Palatschinken-Schupf-Lauf Österreichs ins Leben: Im Februar liefen dabei über 100 Teilnehmer:innen mit Palatschinke 400 Meter durch Himberg um die Wette (LEADERSNET berichtete).
Im Spätsommer folgte eine Tour unter dem Motto "Palatschinken für Bildung", bei der die beiden fast 2.000 Kilometer quer durch Österreich zurücklegten. Sämtliche Erlöse ihrer Aktivitäten fließen an "Mary's Meals", eine Organisation, die Schulmahlzeiten für hungernde Kinder bereitstellt. "Nach der ersten Palatschinkenschupf-Staatsmeisterschaft kamen Menschen zusammen, um gemeinsam zu schupfen. Ich bin schon sehr gespannt, was die zweite Ausgabe der Staatsmeisterschaft diesmal mit sich bringen wird", so Lang abschließend.
Eindrücke von der zweiten Staatsmeisterschaft im Palatschinkenschupfen finden Sie in der Galerie.
www.finis-feinstes.at
www.sopherl.wien
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