Insolvenzstatistik 2026 Q1 bis Q3
In Österreich schlittern jede Woche 75 Firmen in die Pleite

Trotz eines Rückgangs bei den eröffneten Insolvenzverfahren ist die Gesamtzahl der Unternehmenspleiten hierzulande weiter gestiegen. Einige Bundesländer und Branchen sind besonders stark betroffen.

Wie die aktuelle Insolvenzstatistik des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) zeigt, ist die Insolvenzwelle in Österreich noch nicht überwunden. Zwar ging die Zahl der eröffneten Unternehmensinsolvenzen demnach in den ersten neun Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,65 Prozent auf 2.921 zurück. Gleichzeitig stieg jedoch die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen einschließlich der mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesenen Verfahren um 2,26 Prozent auf 5.389. 

Besonders auffällig sei die Entwicklung bei den Verfahrensabweisungen. Ihre Zahl erhöhte sich um 17,13 Prozent auf 2.468 Fälle. Bei den betroffenen Unternehmen war nicht einmal ausreichend Vermögen vorhanden, um die Kosten eines Insolvenzverfahrens zu decken.

Daher sieht der AKV trotz rückläufiger Verfahrenseröffnungen keinen Anlass zur Entwarnung. Viele Unternehmen würden erst dann insolvenzrechtlich sichtbar, wenn wirtschaftlich kaum noch Substanz vorhanden sei. 

Rund 75 Unternehmensinsolvenzen pro Woche

Im Durchschnitt wurden zwischen Jänner und September der Analyse zufolge monatlich 325 Firmeninsolvenzverfahren eröffnet. Das entspricht rund 75 Verfahren pro Woche. Innerhalb des Jahres zeigt sich allerdings ein leichter Rückgang: Während im ersten Quartal noch 1.046 Verfahren eröffnet wurden, waren es im zweiten Quartal 960 und im dritten Quartal 915.

Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich. Besonders stark gingen die eröffneten Firmeninsolvenzen in Tirol (–24,21 Prozent), Wien (–14,74 Prozent) und Oberösterreich (–13,71 Prozent) zurück. In Vorarlberg stiegen sie hingegen um 67,69 Prozent, in der Steiermark um 17,85 Prozent.

Eröffnete Firmeninsolvenzen 1.–3. Quartal 2026 2025 +/-
Wien 972 1.140 -14,74 %
Niederösterreich 506 559 -9,48 %
Oberösterreich 321 372 -13,71 %
Salzburg 146 168 -13,10 %
Tirol 144 190 -24,21 %
Vorarlberg 109 65 +67,69 %
Burgenland 93 105 -11,43 %
Steiermark 449 381 +17,85 %
Kärnten 181 183 -1,09 %

Die meisten eröffneten Insolvenzen entfielen auf den Handel mit 695 Fällen, gefolgt vom Bau mit 664 und der Gastronomie mit 525 Verfahren. 

Signa-Pleiten dominieren weiterhin die Milliardenbilanz

Die Verbindlichkeiten der eröffneten Unternehmensinsolvenzen summierten sich auf rund 6,88 Milliarden Euro. Das entspricht zwar einem Rückgang von 22,57 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dennoch bleibt die finanzielle Dimension beträchtlich.

Die fünf größten Insolvenzen nach Passiva stehen laut AKV erneut im Zusammenhang mit der Signa-Gruppe. An erster Stelle liegt die Laura Privatstiftung mit rund 1,70 Milliarden Euro. Dahinter folgen vier Gesellschaften rund um das Immobilienprojekt Postsparkasse mit jeweils mehr als 320 Millionen Euro an ausgewiesenen Verbindlichkeiten.

Der AKV weist allerdings darauf hin, dass sich die Forderungen dieser vier Gesellschaften aufgrund wechselseitiger Haftungen großteils überschneiden. Die ausgewiesenen Beträge dürfen daher nicht einfach als voneinander unabhängige Schulden zusammengerechnet werden. 

Mehr als 12.000 Beschäftigte betroffen

Während die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen zurückging, waren mehr Beschäftigte betroffen als im Vorjahr. Insgesamt arbeiteten 12.015 Personen in Unternehmen, über deren Vermögen in den ersten neun Monaten Insolvenzverfahren eröffnet wurden. Das entspricht einem Anstieg von 7,8 Prozent.

Besonders betroffen waren Produktionsbetriebe mit 2.923 Beschäftigten, gefolgt vom Handel mit 1.822 und der Gastronomie mit 1.630. Die größten einzelnen Fälle nach Beschäftigtenzahl waren Wollsdorf Leder Schmidt & Co. mit 361, MM Mühringer Personal mit 325 und Pollmann Austria mit 321 Mitarbeiter:innen. 

Gläubiger:innen gehen immer häufiger leer aus

Auch die Aussichten für Gläubiger:innen hätten sich verschlechtert. Von den in den ersten neun Monaten abgeschlossenen Unternehmensinsolvenzverfahren endeten 31,82 Prozent mit einer Nullquote, so der AKV. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 27,36 Prozent gewesen.

Gleichzeitig sank der Anteil der Verfahren, die mit einem Sanierungsplan abgeschlossen wurden, von 26,42 auf 21,70 Prozent. Die Entwicklung zeige, dass bei einem wachsenden Anteil der abgeschlossenen Insolvenzverfahren keine Mittel für die Gläubiger:innen übrig bleiben. 

7.300 Firmeninsolvenzen im Gesamtjahr

Für die verbleibenden Monate rechnet der Gläubigerschutzverband mit einer weitgehend gleichbleibenden Entwicklung. Bis Jahresende dürften demnach rund 4.000 Unternehmensinsolvenzverfahren eröffnet werden. Einschließlich der Verfahrensabweisungen erwartet der AKV fast 7.300 Firmeninsolvenzen.
Eine nachhaltige Entspannung der Insolvenzsituation sei aus Sicht des Verbands damit weiterhin nicht erkennbar.

www.akv.at

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