Fotos von der EAK-Jahrespressekonferenz
Österreich sammelte 2025 so viele Elektroaltgeräte wie noch nie

| Larissa Bilovits 
| 23.09.2026

Getrübt wird die Jahresbilanz jedoch von brandgefährlichen Fehlwürfen, Kritik an der EU-Berechnung der Sammelquote und ausländischen Online-Plattformen, die sich nicht an den Entsorgungskosten beteiligen.

Mehr als 161.000 Tonnen Elektroaltgeräte aus Haushalten wurden 2025 in Österreich gesammelt, um 0,32 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024. Bei den Gerätealtbatterien kamen 3.506 Tonnen zusammen. Diese Zahlen präsentierte die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK) am Mittwoch im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz in Wien gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) und der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände (ARGE AWV).

Neue EU-Rechenmethode bringt Österreich weit nach vorne

Valentin Opfermann, der im Juli die Geschäftsführung der EAK von Elisabeth Giehser übernommen hat (LEADERSNET berichtete), zeigt sich mit der Bilanz zufrieden: "Trotz der planmäßigen Pause unserer Informationskampagne 'Her mit Leer' hielten sich die Sammelmengen 2025 auf einem sehr hohen Niveau. Das zeigt, wie stark das Bewusstsein für die getrennte Sammlung bereits verankert ist." Mit 17 Kilogramm pro Kopf liegt Österreich bei den Elektroaltgeräten auch im europäischen Vergleich weit vorne.

In der offiziellen Sammelquote spiegelte sich das bislang nur unzureichend wider. Seit August rechnet die EU jedoch mit einem überarbeiteten Tool, das die lange Nutzungsdauer von Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen einbezieht, die mit der Energiewende in großer Zahl auf den Markt kommen. Nach der neuen Methode erreicht Österreich vorläufig rund 90 Prozent, künftig gefordert sind mindestens 85 Prozent.

Bei Batterien hinkt die EU-Rechnung der Realität hinterher

Eine vergleichbare Anpassung fordert die EAK auch bei den Batterien. Hier lag die Sammelquote 2025 bei 50,7 Prozent und damit erneut klar über der EU-Vorgabe von 45 Prozent. Gemessen wird sie allerdings an den durchschnittlich in den letzten drei Jahren verkauften Batterien, obwohl moderne Lithium-Akkus oft bis zu zehn Jahre in Gebrauch sind und in diesem Zeitraum noch gar nicht im Abfall landen. Opfermann plädiert daher für einen längeren Durchrechnungszeitraum, der die tatsächliche Lebensdauer berücksichtigt.

Ein noch größeres Problem als die Statistik sind jene Batterien, die im falschen Behälter landen. Laut Hochrechnungen der Montanuniversität Leoben werden jedes Jahr rund 17 Millionen Lithium-Batterien über den Restmüll entsorgt, viermal so viele wie noch vor zehn Jahren. "Was im einzelnen Fall wie ein kleiner Fehlwurf wirkt, kann in der Summe zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko werden. Beschädigte Lithium-Batterien verursachen Brände in Sammelfahrzeugen, Sortier- und Behandlungsanlagen und gefährden die Mitarbeiter:innen der kommunalen Abfallwirtschaft", warnt Christian Macho, Präsident der ARGE AWV.

Aktionswoche und Kampagne sollen Fehlwürfe verhindern

Um gegenzusteuern, veranstalten Gemeinden und Städte von 12. bis 17. Oktober erstmals eine österreichweite Aktionswoche gegen Batteriebrände mit Umweltberatung, Informationsangeboten und einem Gewinnspiel vor Ort. Bereits seit dem Frühjahr läuft außerdem "Her mit Leer II", die auf drei Jahre angelegte Neuauflage der EAK-Kampagne mit doppeltem Budget (LEADERSNET berichtete), die allein über Radio und Spotify im ersten Halbjahr mehr als 48 Millionen Bruttokontakte erzielt hat.

Sektionschef Christian Holzer (BMLUK) verwies im Rahmen des Pressegesprächs auch auf die bestehende Infrastruktur: "Durch die Kooperation von Gemeinden, Abfallwirtschaftsverbänden und dem Handel verfügt Österreich über eines der dichtesten Sammelnetze Europas mit rund 2.000 kommunalen und mehreren tausend gewerblichen Rückgabestellen." Ergänzt wird es durch rund 50.000 "Her mit Leer"-Sammelboxen, ein Pilotprojekt mit Depotcontainern für Elektrokleingeräte ist in Vorbereitung. Wer dort abgibt, hält außerdem wertvolle Rohstoffe im Kreislauf, die im Rest- oder Sperrmüll verloren gingen.

Handel verlangt gleiche Regeln für Online-Plattformen

Auf den stationären Handel kommen zugleich neue Pflichten zu. Ab 1. Oktober müssen Geschäfte ab 25 Quadratmetern Verkaufsfläche batteriehaltige Elektrokleingeräte unter 25 Zentimetern, etwa E-Zigaretten, auch ohne Neukauf zurücknehmen. Mit Ende 2026 tritt zudem das Verbot von Einweg-E-Zigaretten in Kraft, die als eine der Hauptursachen für Brände in der Abfallwirtschaft gelten. Die EAK setzt sich darüber hinaus für eine bundesweit einheitliche Rückgabe von E-Zigaretten in Trafiken ein. Für 2027 ist außerdem ein Batteriebegleitgesetz geplant, das die neue EU-Batterienverordnung in österreichisches Recht überführt. Für Konsument:innen bleibt die Rückgabe weiterhin kostenlos.

Bianca Dvorak, Geschäftsführerin des Bundesgremiums für den Elektro- und Einrichtungsfachhandel und seit Juni Aufsichtsratsvorsitzende der EAK, blickt dabei vor allem auf ausländische Online-Marktplätze: "Diese Online-Plattformen agieren zunehmend als Trittbrettfahrer, die sich nicht an den Kosten der heimischen Sammel- und Entsorgungssysteme beteiligen. Das erzeugt unfaire Wettbewerbsnachteile für unseren heimischen Handel. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten müssen wir strikt auf ein 'Level Playing Field' für alle Marktteilnehmer:innen achten – das muss auch für den globalen Online-Handel verpflichtend greifen."

LEADERSNET war bei der Jahrespressekonferenz und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.

www.eak-austria.at

www.elektro-ade.at

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